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Lockdown für Brauereien existenzbedrohend
Deutscher Brauer-Bund

Lockdown für Brauereien existenzbedrohend

Seit Montag befindet sich das Gastgewerbe wieder im Lockdown. Aufgrund der Schließungen im Frühjahr und auch nach dem Neustart hat die Branche bereits massive Umsatzverluste erlitten. Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand, die Situation ist verheerend. Davon massiv betroffen ist auch die deutsche Brauwirtschaft. Das Fassbiergeschäft ist erneut über Nacht völlig zum Erliegen gekommen. Im Interview mit Getränke News erläutert Dr. Jörg Lehmann, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes und CEO der Paulaner Gruppe, die Folgen für die Brauereien.


Dr. Jörg Lehmann, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes und CEO der Paulaner Gruppe
Dr. Jörg Lehmann, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes und CEO der Paulaner Gruppe

Getränke News: Die Gastronomie in Deutschland befindet sich seit dieser Woche erneut im Lockdown. Was bedeutet das für Gaststätten und Brauereien?

Lehmann: Der von Bund und Ländern verhängte Lockdown ist für die wirtschaftliche Situation der Gaststätten, Hotels, Bars, Kneipen und Clubs verheerend. Auch die mittelständisch geprägte Brauwirtschaft mit ihren mehr als 1.500 Betrieben ist massiv betroffen. Über Nacht kam der Fassbierabsatz völlig zum Erliegen, auch ein Teil des Flaschengeschäfts – und niemand weiß, wie es jetzt weiter geht.

Natürlich gibt es Brauereien, die ihre Biere überwiegend über den Handel absetzen oder in den Sommermonaten sehr stark vom Inlandstourismus profitieren konnten. Diese Unternehmen sind bisher besser durch die Krise gekommen. Aber auch ein solides Handelsgeschäft kann bei den meisten Unternehmen die schweren Umsatzverluste in der Gastronomie nicht ansatzweise ausgleichen. Fest steht: Für den Großteil der Brauereien in Deutschland ist die Situation dramatisch, wenn nicht existenzbedrohend.  

Getränke News: Können Sie das mit Zahlen untermauern?

Lehmann: Das Statistische Bundesamt hat den Umsatzeinbruch in der Gastronomie im ersten Halbjahr 2020 mit fast 35 Prozent beziffert. Das war der stärkste Umsatzrückgang der Branche, der je gemessen wurde. Noch schlimmer trifft es die getränkeorientierte Gastronomie, die viel später erst wieder öffnen durfte. Lokale, die ihr Geld ausschließlich mit dem Ausschank von Getränken verdienen, hatten zwischen März und August rund 45 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr – und sind jetzt wieder geschlossen. Das schlägt natürlich voll auf die Brauereien durch. 

Getränke News: Die Paulaner Gruppe ist seit jeher eng mit der Gastronomie verbunden. Wie ist die Stimmung unter den Wirten?

Lehmann: Die Stimmung schwankt zwischen Enttäuschung und Ohnmacht, Frustration und Wut. Auch deshalb, weil zweifellos viele der Wirte in den letzten Monaten über sich hinausgewachsen sind. Trotz der finanziell sehr angespannten Lage hatten Gastwirte und Hoteliers riesige Anstrengungen geleistet, um die strengen Vorgaben für den Infektionsschutz akribisch umzusetzen, Innenbereiche umzugestalten und Außenbereiche zu optimieren. Viele haben die Auflagen der Behörden noch übertroffen, weil sie auch die letzten Restrisiken für Gäste und Mitarbeiter beseitigen wollen. Und dennoch hat man jetzt wieder angeordnet, die Türen zu schließen – trotz aller Hygienekonzepte. Ich kann die Verzweiflung und Ratlosigkeit sehr gut nachvollziehen.

Getränke News: Im Frühjahr mussten Gaststätten und Hotels ja schon einmal zusperren…

Lehmann:  …aber mit einer anderen Perspektive, das ist der entscheidende Unterschied! Im Frühjahr konnten die Betriebe optimistisch in den Sommer schauen, auf warme und sonnige Monate hoffen, mit bestem Biergartenwetter. Nun aber fällt das wichtige Geschäft mit Weihnachtsfeiern weg und es stehen den Gastronomen, Hoteliers, Club- und Kneipenbetreibern dunkle und kalte Monate bevor, in denen viele Gäste auch ohne Lockdown die Innengastronomie meiden würden.

Außerdem sind bei vielen Betrieben, die ich kenne, die finanziellen Reserven weitgehend aufgebraucht.  Diese meist familiengeführten Unternehmen stehen in der Corona-Krise am Abgrund. Sie erwarten wie auch die Brauer zu Recht eine Politik mit Augenmaß, die bereit ist zu einer ehrlichen Analyse der Situation, einschließlich der zeitlichen Horizonte. Ziel muss es sein, Sicherheit zu schaffen für Gesellschaft und Wirtschaft: also den Gesundheitsschutz der Bevölkerung sicherzustellen und gleichzeitig das Überleben von unverschuldet in Not geratenen Gaststätten und Brauereien. 

Getränke News: Was kann der Deutsche Brauer-Bund tun, um den Betrieben zu helfen? 

Lehmann: Der Deutsche Brauer-Bund setzt sich einerseits für das Gastgewerbe ein und andererseits natürlich auch mit ganzer Kraft für seine Brauereien als Zulieferer, deren Geschäft zu einem Großteil von der Gastronomie abhängig ist und die durch die Schließungen nun abermals massiv unter Druck geraten. Wir haben uns gemeinsam mit unseren Partnerverbänden ans Bundeskanzleramt und die zuständigen Ministerien gewandt und rasche Hilfen auch für die besonders betroffenen Lieferanten eingefordert.

Wir sind als Dachverband gut vernetzt und dieses breite Netzwerk nutzen wir jetzt, um der Branche in dieser schwierigen Lage so gut es geht zu helfen. Unsere Forderung ist klar: Bund und Länder dürfen die Betriebe jetzt nicht im Stich lassen! Für viele Unternehmen kann nur noch ein Sofortprogramm die drohende Pleite abwenden.

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Lockdown für Brauereien existenzbedrohend
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Lockdown für Brauereien existenzbedrohend

Seit Montag befindet sich das Gastgewerbe wieder im Lockdown. Aufgrund der Schließungen im Frühjahr und auch nach dem Neustart hat die Branche bereits massive Umsatzverluste erlitten. Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand, die Situation ist verheerend. Davon massiv betroffen ist auch die deutsche Brauwirtschaft. Das Fassbiergeschäft ist erneut über Nacht völlig zum Erliegen gekommen. Im Interview mit Getränke News erläutert Dr. Jörg Lehmann, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes und CEO der Paulaner Gruppe, die Folgen für die Brauereien.


Dr. Jörg Lehmann, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes und CEO der Paulaner Gruppe
Dr. Jörg Lehmann, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes und CEO der Paulaner Gruppe

Getränke News: Die Gastronomie in Deutschland befindet sich seit dieser Woche erneut im Lockdown. Was bedeutet das für Gaststätten und Brauereien?

Lehmann: Der von Bund und Ländern verhängte Lockdown ist für die wirtschaftliche Situation der Gaststätten, Hotels, Bars, Kneipen und Clubs verheerend. Auch die mittelständisch geprägte Brauwirtschaft mit ihren mehr als 1.500 Betrieben ist massiv betroffen. Über Nacht kam der Fassbierabsatz völlig zum Erliegen, auch ein Teil des Flaschengeschäfts – und niemand weiß, wie es jetzt weiter geht.

Natürlich gibt es Brauereien, die ihre Biere überwiegend über den Handel absetzen oder in den Sommermonaten sehr stark vom Inlandstourismus profitieren konnten. Diese Unternehmen sind bisher besser durch die Krise gekommen. Aber auch ein solides Handelsgeschäft kann bei den meisten Unternehmen die schweren Umsatzverluste in der Gastronomie nicht ansatzweise ausgleichen. Fest steht: Für den Großteil der Brauereien in Deutschland ist die Situation dramatisch, wenn nicht existenzbedrohend.  

Getränke News: Können Sie das mit Zahlen untermauern?

Lehmann: Das Statistische Bundesamt hat den Umsatzeinbruch in der Gastronomie im ersten Halbjahr 2020 mit fast 35 Prozent beziffert. Das war der stärkste Umsatzrückgang der Branche, der je gemessen wurde. Noch schlimmer trifft es die getränkeorientierte Gastronomie, die viel später erst wieder öffnen durfte. Lokale, die ihr Geld ausschließlich mit dem Ausschank von Getränken verdienen, hatten zwischen März und August rund 45 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr – und sind jetzt wieder geschlossen. Das schlägt natürlich voll auf die Brauereien durch. 

Getränke News: Die Paulaner Gruppe ist seit jeher eng mit der Gastronomie verbunden. Wie ist die Stimmung unter den Wirten?

Lehmann: Die Stimmung schwankt zwischen Enttäuschung und Ohnmacht, Frustration und Wut. Auch deshalb, weil zweifellos viele der Wirte in den letzten Monaten über sich hinausgewachsen sind. Trotz der finanziell sehr angespannten Lage hatten Gastwirte und Hoteliers riesige Anstrengungen geleistet, um die strengen Vorgaben für den Infektionsschutz akribisch umzusetzen, Innenbereiche umzugestalten und Außenbereiche zu optimieren. Viele haben die Auflagen der Behörden noch übertroffen, weil sie auch die letzten Restrisiken für Gäste und Mitarbeiter beseitigen wollen. Und dennoch hat man jetzt wieder angeordnet, die Türen zu schließen – trotz aller Hygienekonzepte. Ich kann die Verzweiflung und Ratlosigkeit sehr gut nachvollziehen.

Getränke News: Im Frühjahr mussten Gaststätten und Hotels ja schon einmal zusperren…

Lehmann:  …aber mit einer anderen Perspektive, das ist der entscheidende Unterschied! Im Frühjahr konnten die Betriebe optimistisch in den Sommer schauen, auf warme und sonnige Monate hoffen, mit bestem Biergartenwetter. Nun aber fällt das wichtige Geschäft mit Weihnachtsfeiern weg und es stehen den Gastronomen, Hoteliers, Club- und Kneipenbetreibern dunkle und kalte Monate bevor, in denen viele Gäste auch ohne Lockdown die Innengastronomie meiden würden.

Außerdem sind bei vielen Betrieben, die ich kenne, die finanziellen Reserven weitgehend aufgebraucht.  Diese meist familiengeführten Unternehmen stehen in der Corona-Krise am Abgrund. Sie erwarten wie auch die Brauer zu Recht eine Politik mit Augenmaß, die bereit ist zu einer ehrlichen Analyse der Situation, einschließlich der zeitlichen Horizonte. Ziel muss es sein, Sicherheit zu schaffen für Gesellschaft und Wirtschaft: also den Gesundheitsschutz der Bevölkerung sicherzustellen und gleichzeitig das Überleben von unverschuldet in Not geratenen Gaststätten und Brauereien. 

Getränke News: Was kann der Deutsche Brauer-Bund tun, um den Betrieben zu helfen? 

Lehmann: Der Deutsche Brauer-Bund setzt sich einerseits für das Gastgewerbe ein und andererseits natürlich auch mit ganzer Kraft für seine Brauereien als Zulieferer, deren Geschäft zu einem Großteil von der Gastronomie abhängig ist und die durch die Schließungen nun abermals massiv unter Druck geraten. Wir haben uns gemeinsam mit unseren Partnerverbänden ans Bundeskanzleramt und die zuständigen Ministerien gewandt und rasche Hilfen auch für die besonders betroffenen Lieferanten eingefordert.

Wir sind als Dachverband gut vernetzt und dieses breite Netzwerk nutzen wir jetzt, um der Branche in dieser schwierigen Lage so gut es geht zu helfen. Unsere Forderung ist klar: Bund und Länder dürfen die Betriebe jetzt nicht im Stich lassen! Für viele Unternehmen kann nur noch ein Sofortprogramm die drohende Pleite abwenden.

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