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Brauer trotz Plus weiter in Sorge
Bierabsätze

Brauer trotz Plus weiter in Sorge

Der Bierabsatz der Brauereien in Deutschland hat sich nach massiven Einbrüchen in den Jahren 2020 und 2021 leicht erholt. Wie das Statistische Bundesamt heute meldet, gab es 2022 einen Zuwachs von 2,7 Prozent (+2,3 Millionen Hektoliter) gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt wurden rund 87,6 Millionen Hektoliter Bier abgesetzt, 72,4 Millionen Hektoliter davon im Inland. Verglichen mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 liegt der Absatz in Deutschland 2022 mit minus fünf Prozent (-3,8 Millionen Hektoliter) noch deutlich unter dem Niveau der Vorkrisenzeit. 

Fassbiergeschäft erholt sich

„Der erfreuliche Ausstoßzuwachs ist der Beweis dafür, dass Deutschlands Brauwirtschaft die Aufbruchsstimmung der Menschen zu nutzen wusste. Die Pandemie ist abgehakt und das Fassbiergeschäft ist endlich zurückgekehrt“, kommentiert Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei Veltins, die Zahlen. Nach Einschätzung von Veltins haben sich die Vertriebswege wieder normalisiert, sodass etwa 80 Prozent des Fassbiervolumens von 2019 wiederhergestellt seien. „Die Erholung des Fassbiergeschäfts ist das wichtigste Signal für das Ende der Pandemie“, so Huber. Im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielte Veltins das größte Ausstoßwachstum in seiner Brauereigeschichte: Der Absatz stieg um 8,4 Prozent, der Umsatz legte um 15,7 Prozent zu (wir berichteten). 

Neben Veltins meldeten auch Krombacher (+4 Prozent) und Warsteiner (+9,2 Prozent) für das vergangene Jahr hohe Zuwächse. Die Bitburger Braugruppe stellt ihre Zahlen Anfang März vor. Branchenkenner gehen dort von einem zweistelligen Absatzplus aus. Auch die größte deutsche Braugruppe, die Radeberger Gruppe, konnte 2022 ihren Absatz deutlich steigern, nämlich um sechs Prozent auf 11,8 Millionen Hektoliter. Guido Mockel, Sprecher der Geschäftsführung der Radeberger Gruppe: „Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie sehr die Menschen ihre nach langen Pandemie-Einschränkungen zurückgewonnene Freiheit genießen wollten.“ 

Rückkehr auf Vorkrisenniveau nicht in Sicht

Trotz der positiven Marktentwicklung blickt Mockel verhalten auf die Lage der Branche; man dürfe sich durch die positiven Absatzmeldungen nicht täuschen lassen: „Die durchaus erfreulichen Absatzzuwächse stellen in den meisten Fällen kein wirkliches Wachstum dar, sondern lediglich die zwar begrüßenswerte, aber eben doch nicht ausreichende Rückeroberung zuvor in der Krise verlorener Hektoliter – und das mit einem ganz anderen Ertragsbild angesichts dramatischer Kostenentwicklungen.“ Eine branchenweite Rückkehr auf Vorkrisenniveau sei nicht in Sicht, betont Mockel. „Oder deutlicher gesagt: Wer im Jahr 2022 im Vergleich zum unterirdischen Vorjahr keine positive Entwicklung verzeichnet hat, der hat wohl ein grundsätzliches strukturelles Problem …“

Laut dem Deutschen Brauer-Bund (DBB) stehen die 1.500 Brauereien in Deutschland abermals vor einem äußerst schwierigen Jahr. „Die Inflation setzt die Betriebe massiv unter Druck. Wir müssen damit rechnen, dass die Kosten 2023 auf hohem Niveau bleiben und teilweise weiter steigen“, sagt DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Der anhaltend hohe Kostendruck sei die größte Herausforderung für die Brauwirtschaft im neuen Jahr, neben der Aufrechterhaltung einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung. „Der allgemein hohe Kostendruck wird sich 2023 auch auf die Preise auswirken. Zahlreiche Brauereien in Deutschland haben für dieses Jahr bereits Preiserhöhungen angekündigt“, sagt Eichele.

7,50 Euro als „verspäteter Silvesterböller“ 

Ein Preisanstieg auf 7,50 Euro für den halben Liter Bier in der Gastronomie, wie vor ein paar Tagen von Stefan Fritsche, Geschäftsführer der Brauerei Neuzelle, gegenüber der „Bild“ prognostiziert, sei allerdings völlig unrealistisch. „Es handelt sich dabei wohl eher um einen verspäteten Silvesterböller“, so Eichele gegenüber Getränke News. „Solche Spekulationen sind weder realistisch noch hilfreich. Tatsache ist: Die Preise setzen die Wirtinnen und Wirte fest, nicht die Brauereien. In den letzten Jahren hat sich der Bierpreis allenfalls moderat erhöht, auch gemessen an anderen Produkten. Daran wird sich auf absehbare Zeit wohl kaum etwas ändern“, erklärt Eichele.

Schmerzhafte Konsolidierungsphase droht

Nach Einschätzung des Deutschen Brauer-Bundes droht der Brauwirtschaft eine schmerzhafte Konsolidierungsphase, die besonders Betriebe mittlerer Größe hart treffen könnte. Auf der anderen Seite sei festzustellen, dass sich die Branche in den vergangenen drei Jahren als äußerst widerstandsfähig erwiesen habe und sich viele Unternehmen in den Krisen insgesamt erfolgreich behaupten konnten. „Die Brauereien konnten die Erfahrungen aus der Corona-Krise nutzen, auch wenn die Dimensionen heute ungleich größer sind“, so Eichele. 

Auch Guido Mockel sieht das Jahr 2023 als extrem fordernd für seine Branche. Es sei keine Zeit für „Friede, Freude, Eierkuchen“, so der Radeberger-Chef: „Im Gegenteil: Wir müssen uns auf ein anstrengendes, überaus hartes Jahr einstellen, das unsere Branche wie auch jeden Marktakteur hinsichtlich Absätze, Umsätze, Kosten und Margen fordert – sei es auf den Beschaffungsmärkten, bei Tarifverhandlungen, in Jahresgesprächen und nicht zuletzt bei vielen strukturellen Fragestellungen der Branche.“ Für Veltins-Chef Michael Huber ist klar: Das Geschäftsjahr 2023 wird nicht für den gleichen Rückenwind sorgen wie das Vorjahr. Die Verbraucherstimmung im Land bleibe ein unkalkulierbarer Faktor. „Bei aller Lust aufs Bier bleibt der Sorgen- und Sparreflex der Verbraucher für Deutschlands Brauer unwägbar“, so Huber.


Bierabsätze 2022

Laut Statistischem Bundesamt wurden 2022 insgesamt 87,6 Millionen Hektoliter Bier abgesetzt, 72,4 Millionen Hektoliter davon im Inland. Steuerfrei (als Exporte und als sogenannter Haustrunk) wurden 15 Millionen Hektoliter Bier abgesetzt. Das waren 2,7 Prozent weniger als 2021 und 4,7 Prozent weniger als 2019. Davon gingen 8,1 Millionen Hektoliter (+7,8 Prozent) in EU-Staaten, 7,2 Millionen Hektoliter (-12,4 Prozent) in Nicht-EU-Staaten und 113.000 Hektoliter Liter (-3,4 Prozent) unentgeltlich als Haustrunk an die Beschäftigten der Brauereien.

Auch bei den Biermischungen war im Jahr 2022 ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Gegenüber dem Jahr 2021 wurden davon 0,5 Prozent abgesetzt. Sie machten mit 4,4 Millionen Hektolitern allerdings nur 5,1 Prozent des gesamten Bierabsatzes aus.

In den Zahlen vom Statistischen Bundesamt sind alkoholfreie Biere und Malztrunk sowie das aus Staaten außerhalb der Europäischen Union (EU) eingeführte Bier nicht enthalten.

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Der Bierabsatz der Brauereien in Deutschland hat sich nach massiven Einbrüchen in den Jahren 2020 und 2021 leicht erholt. Wie das Statistische Bundesamt heute meldet, gab es 2022 einen Zuwachs von 2,7 Prozent (+2,3 Millionen Hektoliter) gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt wurden rund 87,6 Millionen Hektoliter Bier abgesetzt, 72,4 Millionen Hektoliter davon im Inland. Verglichen mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 liegt der Absatz in Deutschland 2022 mit minus fünf Prozent (-3,8 Millionen Hektoliter) noch deutlich unter dem Niveau der Vorkrisenzeit. 

Fassbiergeschäft erholt sich

„Der erfreuliche Ausstoßzuwachs ist der Beweis dafür, dass Deutschlands Brauwirtschaft die Aufbruchsstimmung der Menschen zu nutzen wusste. Die Pandemie ist abgehakt und das Fassbiergeschäft ist endlich zurückgekehrt“, kommentiert Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei Veltins, die Zahlen. Nach Einschätzung von Veltins haben sich die Vertriebswege wieder normalisiert, sodass etwa 80 Prozent des Fassbiervolumens von 2019 wiederhergestellt seien. „Die Erholung des Fassbiergeschäfts ist das wichtigste Signal für das Ende der Pandemie“, so Huber. Im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielte Veltins das größte Ausstoßwachstum in seiner Brauereigeschichte: Der Absatz stieg um 8,4 Prozent, der Umsatz legte um 15,7 Prozent zu (wir berichteten). 

Neben Veltins meldeten auch Krombacher (+4 Prozent) und Warsteiner (+9,2 Prozent) für das vergangene Jahr hohe Zuwächse. Die Bitburger Braugruppe stellt ihre Zahlen Anfang März vor. Branchenkenner gehen dort von einem zweistelligen Absatzplus aus. Auch die größte deutsche Braugruppe, die Radeberger Gruppe, konnte 2022 ihren Absatz deutlich steigern, nämlich um sechs Prozent auf 11,8 Millionen Hektoliter. Guido Mockel, Sprecher der Geschäftsführung der Radeberger Gruppe: „Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie sehr die Menschen ihre nach langen Pandemie-Einschränkungen zurückgewonnene Freiheit genießen wollten.“ 

Rückkehr auf Vorkrisenniveau nicht in Sicht

Trotz der positiven Marktentwicklung blickt Mockel verhalten auf die Lage der Branche; man dürfe sich durch die positiven Absatzmeldungen nicht täuschen lassen: „Die durchaus erfreulichen Absatzzuwächse stellen in den meisten Fällen kein wirkliches Wachstum dar, sondern lediglich die zwar begrüßenswerte, aber eben doch nicht ausreichende Rückeroberung zuvor in der Krise verlorener Hektoliter – und das mit einem ganz anderen Ertragsbild angesichts dramatischer Kostenentwicklungen.“ Eine branchenweite Rückkehr auf Vorkrisenniveau sei nicht in Sicht, betont Mockel. „Oder deutlicher gesagt: Wer im Jahr 2022 im Vergleich zum unterirdischen Vorjahr keine positive Entwicklung verzeichnet hat, der hat wohl ein grundsätzliches strukturelles Problem …“

Laut dem Deutschen Brauer-Bund (DBB) stehen die 1.500 Brauereien in Deutschland abermals vor einem äußerst schwierigen Jahr. „Die Inflation setzt die Betriebe massiv unter Druck. Wir müssen damit rechnen, dass die Kosten 2023 auf hohem Niveau bleiben und teilweise weiter steigen“, sagt DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Der anhaltend hohe Kostendruck sei die größte Herausforderung für die Brauwirtschaft im neuen Jahr, neben der Aufrechterhaltung einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung. „Der allgemein hohe Kostendruck wird sich 2023 auch auf die Preise auswirken. Zahlreiche Brauereien in Deutschland haben für dieses Jahr bereits Preiserhöhungen angekündigt“, sagt Eichele.

7,50 Euro als „verspäteter Silvesterböller“ 

Ein Preisanstieg auf 7,50 Euro für den halben Liter Bier in der Gastronomie, wie vor ein paar Tagen von Stefan Fritsche, Geschäftsführer der Brauerei Neuzelle, gegenüber der „Bild“ prognostiziert, sei allerdings völlig unrealistisch. „Es handelt sich dabei wohl eher um einen verspäteten Silvesterböller“, so Eichele gegenüber Getränke News. „Solche Spekulationen sind weder realistisch noch hilfreich. Tatsache ist: Die Preise setzen die Wirtinnen und Wirte fest, nicht die Brauereien. In den letzten Jahren hat sich der Bierpreis allenfalls moderat erhöht, auch gemessen an anderen Produkten. Daran wird sich auf absehbare Zeit wohl kaum etwas ändern“, erklärt Eichele.

Schmerzhafte Konsolidierungsphase droht

Nach Einschätzung des Deutschen Brauer-Bundes droht der Brauwirtschaft eine schmerzhafte Konsolidierungsphase, die besonders Betriebe mittlerer Größe hart treffen könnte. Auf der anderen Seite sei festzustellen, dass sich die Branche in den vergangenen drei Jahren als äußerst widerstandsfähig erwiesen habe und sich viele Unternehmen in den Krisen insgesamt erfolgreich behaupten konnten. „Die Brauereien konnten die Erfahrungen aus der Corona-Krise nutzen, auch wenn die Dimensionen heute ungleich größer sind“, so Eichele. 

Auch Guido Mockel sieht das Jahr 2023 als extrem fordernd für seine Branche. Es sei keine Zeit für „Friede, Freude, Eierkuchen“, so der Radeberger-Chef: „Im Gegenteil: Wir müssen uns auf ein anstrengendes, überaus hartes Jahr einstellen, das unsere Branche wie auch jeden Marktakteur hinsichtlich Absätze, Umsätze, Kosten und Margen fordert – sei es auf den Beschaffungsmärkten, bei Tarifverhandlungen, in Jahresgesprächen und nicht zuletzt bei vielen strukturellen Fragestellungen der Branche.“ Für Veltins-Chef Michael Huber ist klar: Das Geschäftsjahr 2023 wird nicht für den gleichen Rückenwind sorgen wie das Vorjahr. Die Verbraucherstimmung im Land bleibe ein unkalkulierbarer Faktor. „Bei aller Lust aufs Bier bleibt der Sorgen- und Sparreflex der Verbraucher für Deutschlands Brauer unwägbar“, so Huber.


Bierabsätze 2022

Laut Statistischem Bundesamt wurden 2022 insgesamt 87,6 Millionen Hektoliter Bier abgesetzt, 72,4 Millionen Hektoliter davon im Inland. Steuerfrei (als Exporte und als sogenannter Haustrunk) wurden 15 Millionen Hektoliter Bier abgesetzt. Das waren 2,7 Prozent weniger als 2021 und 4,7 Prozent weniger als 2019. Davon gingen 8,1 Millionen Hektoliter (+7,8 Prozent) in EU-Staaten, 7,2 Millionen Hektoliter (-12,4 Prozent) in Nicht-EU-Staaten und 113.000 Hektoliter Liter (-3,4 Prozent) unentgeltlich als Haustrunk an die Beschäftigten der Brauereien.

Auch bei den Biermischungen war im Jahr 2022 ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Gegenüber dem Jahr 2021 wurden davon 0,5 Prozent abgesetzt. Sie machten mit 4,4 Millionen Hektolitern allerdings nur 5,1 Prozent des gesamten Bierabsatzes aus.

In den Zahlen vom Statistischen Bundesamt sind alkoholfreie Biere und Malztrunk sowie das aus Staaten außerhalb der Europäischen Union (EU) eingeführte Bier nicht enthalten.

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