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Vorstellungsgespräch nur mit Maske?
Recruiting

Vorstellungsgespräch nur mit Maske?

„Wer trotz der Krise Kontakte zu potenziellen Kandidaten aufbaut, hat danach einen klaren zeitlichen Vorsprung, kann Vakanzen rasch besetzen“, sagt der erfahrenen Management- und Personalberater Jochen EtterGetränke News sprach mit ihm über Personalrekrutierung und Job-Interviews in schwierigen Zeiten.


Vorstellungsgespräch nur mit Maske? 1
Jochen Etter hat sich mit seiner Personalberatung exklusiv auf die Getränkebranche spezialisiert. (Foto: Etter)

Getränke News: Wie wirkt sich die katastrophale wirtschaftliche Lage auf Ihre Arbeit aus? Gibt es überhaupt Unternehmen, die derzeit Personal einstellen?

Etter: Über alle Branchen hinweg haben fast zwei Drittel aller deutschen Unternehmen ihre Personaleinstellungen entweder ganz heruntergefahren oder zumindest vorübergehend einen kompletten Einstellungsstopp verhängt. Wir sehen aber durchaus Unterschiede in den verschiedenen Branchen. 

Besonders betroffen sind natürlich die gesamte Reise- und Tourismusbranche sowie die Hotellerie und Gastronomie. In Vertrieb, Logistik, Food allgemein sowie in Feldern wie IT und Digitalisierung sind die Auswirkungen bisher noch nicht so ausgeprägt. In einzelnen Bereichen ist die Nachfrage nach Personal sogar gestiegen. In Summe aber sind Recruiting-Maßnahmen und Einstellungen ohne Zweifel deutlich zurückgegangen.

Getränke News: Wie muss man sich denn angesichts der Kontaktbeschränkungen den Auswahlprozess überhaupt vorstellen – Vorstellungsgespräche nur mit Masken?

Etter: Was laufende Projekte und Prozesse bei Personalsuchen und Einstellungen betrifft, verlängern sich die Zeiträume teilweise sehr deutlich. Durch die Sicherheitsmaßnahmen und Kontaktbeschränkungen wurden persönliche Vorstellungsgespräche quasi auf null heruntergefahren, der eine oder andere Prozess auch für eine bestimmte Zeit erst einmal auf Eis gelegt. So langsam starten die persönlichen Gespräche aber wieder.

Einige Unternehmen nutzen seit Corona verstärkt die Möglichkeit von Video-Interviews, was auch eine sehr gute Alternative für die ersten Kandidatenrunden ist. Ich selbst hatte bis jetzt aber noch keinen Fall, bei dem ein Unternehmen oder ein Kandidat rein auf dieser Basis eine finale Entscheidung getroffen hat. Wenn es auch durchaus internationale Konzerne gibt, die das zumindest auf bestimmten Ebenen und in bestimmten Bereichen hin und wieder auch mal machen.

Getränke News: Wie sieht es nach Ihrer Kenntnis in Sachen Personal derzeit in Unternehmen der Getränkebranche aus?

Etter: Da lässt sich kein einheitliches Bild zeichnen. Hier gibt es ganz unterschiedliche Entwicklungen, abhängig vom konkreten Bereich, in dem die Unternehmen tätig sind, ob sie zum Beispiel Hersteller, Getränkefachgroßhändler oder Zulieferer bzw. Dienstleister sind. Zudem ist das ganz unterschiedlich je nach Größe und Struktur. 

Es liegt auf der Hand, dass sich die massivsten Auswirkungen bei den Unternehmen ausmachen lassen, die als Getränkehersteller oder Verleger einen hohen Anteil Gastronomie- und Veranstaltungsgeschäft haben. Insbesondere von den mittelständischen darunter hat der größte Teil seine Recruiting-Maßnahmen und Personaleinstellungen zurzeit komplett gestoppt oder zumindest massiv reduziert. Größere Unternehmen fahren allerdings durchaus auch aktuell Maßnahmen für relevante und entscheidende Positionen und besetzen auch weiterhin Vakanzen. 

Getränke News: Gibt es denn während der Krise überhaupt Kandidaten?

Etter: Da sehen wir sehr unterschiedliche Entwicklungen: Einerseits haben wir eine Gruppe von Kandidaten, die im Moment überhaupt kein Interesse an einer neuen Herausforderung haben, selbst wenn sie sehr attraktiv ist. Jeder Wechsel ist ja immer auch ein Risiko, das viele in der aktuellen Phase nicht eingehen wollen. Insbesondere gehören zu dieser Gruppe Kandidaten mit einer festen und sicheren Anstellung bei einem größeren Unternehmen, die davon ausgehen können, dass ihr Arbeitgeber die Corona-Krise übersteht und ihr Arbeitsplatz dort gesichert ist.

Andere stehen gerade in der aktuellen Phase entsprechenden Angeboten und neuen Herausforderungen sehr offen gegenüber. Sie finden sich in der Hauptsache bei Unternehmen, die wirtschaftlich sehr unter der Krise und den wirtschaftlichen Auswirkungen leiden und bei denen eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass es zu relevanten Einschnitten kommen wird – oder bei denen gar die Existenz bedroht ist.

Getränke News: Welche Erfahrungen machen Sie da aktuell?

Etter: Wir verzeichnen seit geraumer Zeit einen enormen Anstieg initiativer Bewerbungen von Kandidaten. Allerdings bewerben sich immer mehr Kandidaten auf praktisch alle offenen Positionen, auch wenn ihre Erfahrungen und Kompetenzen gar nicht zum Stellenprofil passen. Damit tun sich die Kandidaten aber selbst keinen Gefallen. Sie erhalten eine Absage nach der anderen und am Ende macht sich Frust breit. 

Insgesamt ist unsere Geschäftslage aber glücklicherweise recht gut, auch wenn sich unsere Arbeit durch Corona natürlich verändert hat. Wir haben einige langfristig angelegte Projekte, die bereits vor den Corona-Auswirkungen gestartet wurden. Diese laufen auch wie geplant, da es dabei nicht nur um die Besetzung von Positionen geht, sondern um die Neustrukturierung oder den Neuaufbau von Bereichen, und wir in dieses Gesamtprojekt integriert sind. Im Regelfall dehnen sich die Laufzeiten der Projekte aber schon etwas aus und Besetzungszeitpunkte werden nach hinten geschoben. 

Zusätzlich konnten wir trotz Corona einige neue Suchprojekte starten. Verständlicherweise sind die Auftraggeber keine Unternehmen mit einem Schwerpunkt im Gastronomiegeschäft und auch insgesamt kleinere Unternehmen legen ihre Projekte im Moment eher auf Eis und warten die weitere wirtschaftliche Entwicklung ab.

Getränke News: Was raten Sie in der jetzigen Situation Unternehmen der Getränkebranche?

Etter: Dass viele Unternehmen ihre Personalaktivitäten herunterfahren müssen, ist nachvollziehbar. Unternehmen, die es sich leisten können, fahren jedoch gut, wenn sie ihre Recruiting-Maßnahmen weiterführen. 

Noch zu Beginn des Jahres haben mehr als 50 Prozent aller Unternehmen einen massiven Mangel an Fachkräften beklagt. Irgendwann wird die Corona-Krise vorbei sein. Dann suchen wieder viele Unternehmen die Top-Kandidaten, der Wettbewerb um die Besten verschärft sich wieder. Wer trotz der Krise Kontakte zu potenziellen Kandidaten aufbaut, hat dann einen klaren zeitlichen Vorsprung, kann Vakanzen rasch besetzen.


Unser Gesprächspartner

Jochen Etter ist Inhaber und Geschäftsführer der Personalberatung Etter & Partner. Das Unternehmen ist in den Bereichen Executive Search/Personalberatung und People Development tätig. Etter & Partner hat sich exklusiv auf die Getränkebranche spezialisiert und besetzt Positionen ausschließlich für Unternehmen, die als Hersteller, Händler oder Zulieferer/Dienstleister in diesem Sektor tätig sind.

Etter blickt auf langjährige Erfahrungen in der Getränkewirtschaft zurück: Bevor er 2014 Etter & Partner gründete, war er Geschäftsführer bei Heineken Deutschland. Davor arbeitete er in verschiedenen Positionen bei der Karlsberg Brauerei, zuletzt als Vertriebs- und Marketingdirektor. Etter begann seine Karriere als Bezirksleiter der Aldi Gruppe Süd. Vor seinem Wechsel ins Brauereigeschäft war er beim Konservenhersteller Bonduelle beschäftigt.

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„Wer trotz der Krise Kontakte zu potenziellen Kandidaten aufbaut, hat danach einen klaren zeitlichen Vorsprung, kann Vakanzen rasch besetzen“, sagt der erfahrenen Management- und Personalberater Jochen EtterGetränke News sprach mit ihm über Personalrekrutierung und Job-Interviews in schwierigen Zeiten.


Vorstellungsgespräch nur mit Maske? 1
Jochen Etter hat sich mit seiner Personalberatung exklusiv auf die Getränkebranche spezialisiert. (Foto: Etter)

Getränke News: Wie wirkt sich die katastrophale wirtschaftliche Lage auf Ihre Arbeit aus? Gibt es überhaupt Unternehmen, die derzeit Personal einstellen?

Etter: Über alle Branchen hinweg haben fast zwei Drittel aller deutschen Unternehmen ihre Personaleinstellungen entweder ganz heruntergefahren oder zumindest vorübergehend einen kompletten Einstellungsstopp verhängt. Wir sehen aber durchaus Unterschiede in den verschiedenen Branchen. 

Besonders betroffen sind natürlich die gesamte Reise- und Tourismusbranche sowie die Hotellerie und Gastronomie. In Vertrieb, Logistik, Food allgemein sowie in Feldern wie IT und Digitalisierung sind die Auswirkungen bisher noch nicht so ausgeprägt. In einzelnen Bereichen ist die Nachfrage nach Personal sogar gestiegen. In Summe aber sind Recruiting-Maßnahmen und Einstellungen ohne Zweifel deutlich zurückgegangen.

Getränke News: Wie muss man sich denn angesichts der Kontaktbeschränkungen den Auswahlprozess überhaupt vorstellen – Vorstellungsgespräche nur mit Masken?

Etter: Was laufende Projekte und Prozesse bei Personalsuchen und Einstellungen betrifft, verlängern sich die Zeiträume teilweise sehr deutlich. Durch die Sicherheitsmaßnahmen und Kontaktbeschränkungen wurden persönliche Vorstellungsgespräche quasi auf null heruntergefahren, der eine oder andere Prozess auch für eine bestimmte Zeit erst einmal auf Eis gelegt. So langsam starten die persönlichen Gespräche aber wieder.

Einige Unternehmen nutzen seit Corona verstärkt die Möglichkeit von Video-Interviews, was auch eine sehr gute Alternative für die ersten Kandidatenrunden ist. Ich selbst hatte bis jetzt aber noch keinen Fall, bei dem ein Unternehmen oder ein Kandidat rein auf dieser Basis eine finale Entscheidung getroffen hat. Wenn es auch durchaus internationale Konzerne gibt, die das zumindest auf bestimmten Ebenen und in bestimmten Bereichen hin und wieder auch mal machen.

Getränke News: Wie sieht es nach Ihrer Kenntnis in Sachen Personal derzeit in Unternehmen der Getränkebranche aus?

Etter: Da lässt sich kein einheitliches Bild zeichnen. Hier gibt es ganz unterschiedliche Entwicklungen, abhängig vom konkreten Bereich, in dem die Unternehmen tätig sind, ob sie zum Beispiel Hersteller, Getränkefachgroßhändler oder Zulieferer bzw. Dienstleister sind. Zudem ist das ganz unterschiedlich je nach Größe und Struktur. 

Es liegt auf der Hand, dass sich die massivsten Auswirkungen bei den Unternehmen ausmachen lassen, die als Getränkehersteller oder Verleger einen hohen Anteil Gastronomie- und Veranstaltungsgeschäft haben. Insbesondere von den mittelständischen darunter hat der größte Teil seine Recruiting-Maßnahmen und Personaleinstellungen zurzeit komplett gestoppt oder zumindest massiv reduziert. Größere Unternehmen fahren allerdings durchaus auch aktuell Maßnahmen für relevante und entscheidende Positionen und besetzen auch weiterhin Vakanzen. 

Getränke News: Gibt es denn während der Krise überhaupt Kandidaten?

Etter: Da sehen wir sehr unterschiedliche Entwicklungen: Einerseits haben wir eine Gruppe von Kandidaten, die im Moment überhaupt kein Interesse an einer neuen Herausforderung haben, selbst wenn sie sehr attraktiv ist. Jeder Wechsel ist ja immer auch ein Risiko, das viele in der aktuellen Phase nicht eingehen wollen. Insbesondere gehören zu dieser Gruppe Kandidaten mit einer festen und sicheren Anstellung bei einem größeren Unternehmen, die davon ausgehen können, dass ihr Arbeitgeber die Corona-Krise übersteht und ihr Arbeitsplatz dort gesichert ist.

Andere stehen gerade in der aktuellen Phase entsprechenden Angeboten und neuen Herausforderungen sehr offen gegenüber. Sie finden sich in der Hauptsache bei Unternehmen, die wirtschaftlich sehr unter der Krise und den wirtschaftlichen Auswirkungen leiden und bei denen eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass es zu relevanten Einschnitten kommen wird – oder bei denen gar die Existenz bedroht ist.

Getränke News: Welche Erfahrungen machen Sie da aktuell?

Etter: Wir verzeichnen seit geraumer Zeit einen enormen Anstieg initiativer Bewerbungen von Kandidaten. Allerdings bewerben sich immer mehr Kandidaten auf praktisch alle offenen Positionen, auch wenn ihre Erfahrungen und Kompetenzen gar nicht zum Stellenprofil passen. Damit tun sich die Kandidaten aber selbst keinen Gefallen. Sie erhalten eine Absage nach der anderen und am Ende macht sich Frust breit. 

Insgesamt ist unsere Geschäftslage aber glücklicherweise recht gut, auch wenn sich unsere Arbeit durch Corona natürlich verändert hat. Wir haben einige langfristig angelegte Projekte, die bereits vor den Corona-Auswirkungen gestartet wurden. Diese laufen auch wie geplant, da es dabei nicht nur um die Besetzung von Positionen geht, sondern um die Neustrukturierung oder den Neuaufbau von Bereichen, und wir in dieses Gesamtprojekt integriert sind. Im Regelfall dehnen sich die Laufzeiten der Projekte aber schon etwas aus und Besetzungszeitpunkte werden nach hinten geschoben. 

Zusätzlich konnten wir trotz Corona einige neue Suchprojekte starten. Verständlicherweise sind die Auftraggeber keine Unternehmen mit einem Schwerpunkt im Gastronomiegeschäft und auch insgesamt kleinere Unternehmen legen ihre Projekte im Moment eher auf Eis und warten die weitere wirtschaftliche Entwicklung ab.

Getränke News: Was raten Sie in der jetzigen Situation Unternehmen der Getränkebranche?

Etter: Dass viele Unternehmen ihre Personalaktivitäten herunterfahren müssen, ist nachvollziehbar. Unternehmen, die es sich leisten können, fahren jedoch gut, wenn sie ihre Recruiting-Maßnahmen weiterführen. 

Noch zu Beginn des Jahres haben mehr als 50 Prozent aller Unternehmen einen massiven Mangel an Fachkräften beklagt. Irgendwann wird die Corona-Krise vorbei sein. Dann suchen wieder viele Unternehmen die Top-Kandidaten, der Wettbewerb um die Besten verschärft sich wieder. Wer trotz der Krise Kontakte zu potenziellen Kandidaten aufbaut, hat dann einen klaren zeitlichen Vorsprung, kann Vakanzen rasch besetzen.


Unser Gesprächspartner

Jochen Etter ist Inhaber und Geschäftsführer der Personalberatung Etter & Partner. Das Unternehmen ist in den Bereichen Executive Search/Personalberatung und People Development tätig. Etter & Partner hat sich exklusiv auf die Getränkebranche spezialisiert und besetzt Positionen ausschließlich für Unternehmen, die als Hersteller, Händler oder Zulieferer/Dienstleister in diesem Sektor tätig sind.

Etter blickt auf langjährige Erfahrungen in der Getränkewirtschaft zurück: Bevor er 2014 Etter & Partner gründete, war er Geschäftsführer bei Heineken Deutschland. Davor arbeitete er in verschiedenen Positionen bei der Karlsberg Brauerei, zuletzt als Vertriebs- und Marketingdirektor. Etter begann seine Karriere als Bezirksleiter der Aldi Gruppe Süd. Vor seinem Wechsel ins Brauereigeschäft war er beim Konservenhersteller Bonduelle beschäftigt.

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