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Prävention statt Verbote
Alkoholpolitik

Prävention statt Verbote

Im Zuge der steigenden Corona-Fallzahlen steht der Alkoholkonsum wieder stärker im politischen Fokus. Städte und Landkreise reagieren auf wachsende Neuinfektionen mit Alkoholverboten und früheren Sperrstunden. Weitere Restriktionen könnten sich auf die Absätze alkoholhaltiger Getränke auswirken. Der Deutsche Brauer-Bund setzt weiterhin auf Prävention statt Verbote. Im Interview mit Getränke News erklärt Brauer-Bund-Geschäftsführerin Julia Busse die Hintergründe. 

Julia Busse, Geschäftsführerin Politik und Recht und Syndikusrechtsanwältin beim Deutschen Brauer-Bund
Rechtsanwältin Julia Busse ist seit Oktober 2019 Geschäftsführerin Politik und Recht beim Deutschen Brauer-Bund. (Foto: Deutscher Brauer-Bund)

Getränke News: Coronabedingt gibt es in immer mehr deutschen Städten Alkoholverbote. Erleben wir gerade den Beginn einer neuen Prohibition?

Busse: Wir beobachten mit Sorge, dass immer mehr Städte als Antwort auf steigende Corona-Fallzahlen Verkaufs- und Konsumverbote für Alkohol einführen. Nicht alle kommunalen Verbote haben vor Gericht Bestand. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat beispielsweise im Mai das Alkoholverbot in der Düsseldorfer Altstadt gekippt, weil es nicht geeignet sei, Corona-Infektionen einzudämmen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hält Alkoholverbote – jedenfalls an sogenannten Hotspots – dagegen für zulässig. 

Getränke News: Wie steht Ihr Verband dazu?

Busse: Der Brauer-Bund unterstützt den Kurs von Bund, Ländern und Kommunen. Es muss gelingen, die Pandemie einzudämmen. Aber die Politik muss mit Augenmaß handeln und die Angemessenheit ihrer Maßnahmen laufend überprüfen – und gegebenenfalls auch korrigieren. Wichtig ist, dass sich diese quasi aus der Not heraus eingeführten Verbote nicht verfestigen und künftig mehr oder weniger automatisch eingeführt werden, wenn der Vollzug staatlicher Vorschriften nicht gewährleistet werden kann. 

Getränke News: Kritiker warnen, in der Krise werde mehr Alkohol getrunken. Ist diese Behauptung belegt?

Busse: Jedenfalls für den Bierkonsum sprechen die amtlichen Statistiken eine andere Sprache: Der Gesamtbierabsatz lag im ersten Halbjahr 6,6 Prozent unter dem Vergleichszeitraum im Jahr 2019. Nach einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag der „International Alliance for Responsible Drinking“ gaben in Deutschland im Mai zudem 88 Prozent der Befragten an, während des Corona-Lockdowns gleichviel oder sogar weniger Alkohol als üblich zu trinken bzw. getrunken zu haben. Wir sind gespannt auf Daten, die das Bundesgesundheitsministerium zu dieser Frage angekündigt hat. 

Getränke News: Der Deutsche Brauer-Bund setzt weiter auf Präventionskampagnen?

Busse: Die deutschen Brauer stehen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Bier. Jeder muss wissen, dass es Lebenssituationen gibt, zu denen Alkohol nicht passt. In diesem Jahr haben wir die Verkehrssicherheits-Kampagne „don‘t drink and drive“, die wir vor vielen Jahren gemeinsam mit den anderen Verbänden der Alkoholwirtschaft aus den Bereichen Wein, Sekt, Spirituosen und Bier ins Leben gerufen haben, massiv ausgebaut. 

Getränke News: Was genau ist geplant?

Busse: Mit neuen Motiven und groß angelegten Plakatierungen wird die Botschaft „keine Ausreden“ in die breite Öffentlichkeit getragen. Online- und Social-Media-Aktionen runden die Kampagne ab und rücken die Botschaft stärker in den Fokus der jungen Zielgruppe. Gemeinsam mit der Düsseldorfer Agentur Rumblefish wurden für die Kampagne Ausreden herausgearbeitet, die manch einer sich einfallen lassen könnte, wenn er alkoholisiert am Steuer erwischt wird. Unterhaltsam, aber dennoch eindringlich. Wir sind überzeugt: Mit klaren Botschaften und ohne erhobenen Zeigefinger erreichen wir die Zielgruppen am besten.

Getränke News: Wie sind bislang die Reaktionen auf die Kampagne?

Busse: Wir freuen uns sehr, dass die Drogenbeauftragte der Bundesregierung die Schirmherrschaft über die Ausreden-Kampagne übernommen hat und sind dankbar für die Unterstützung aus der Politik. Wichtig war uns auch, eine breite Vernetzung mit anderen Organisationen herzustellen. So unterstützen beispielsweise der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, die Deutsche Verkehrswacht, der ADAC, der TÜV-Verband und der Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr die Botschaft der Kampagne und tragen sie in ihre Netzwerke hinein. Uns alle eint ein gemeinsames Ziel: die Zahl der Verkehrsopfer weiter zu senken. 


Unsere Gesprächspartnerin

Julia Busse verantwortet seit Oktober 2019 als Geschäftsführerin beim Deutschen Brauer-Bund (DBB) die Aufgabenbereiche Politik und Recht. Die Juristin war fast 20 Jahre für den Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) und den Deutschen Werberat tätig, zuletzt als Geschäftsführerin beider Organisationen und Sprecherin des Deutschen Werberats. In ihrer Position stärkt Busse gemeinsam mit DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele die politische Interessenvertretung der Brauwirtschaft in Berlin und Brüssel. 

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Im Zuge der steigenden Corona-Fallzahlen steht der Alkoholkonsum wieder stärker im politischen Fokus. Städte und Landkreise reagieren auf wachsende Neuinfektionen mit Alkoholverboten und früheren Sperrstunden. Weitere Restriktionen könnten sich auf die Absätze alkoholhaltiger Getränke auswirken. Der Deutsche Brauer-Bund setzt weiterhin auf Prävention statt Verbote. Im Interview mit Getränke News erklärt Brauer-Bund-Geschäftsführerin Julia Busse die Hintergründe. 

Julia Busse, Geschäftsführerin Politik und Recht und Syndikusrechtsanwältin beim Deutschen Brauer-Bund
Rechtsanwältin Julia Busse ist seit Oktober 2019 Geschäftsführerin Politik und Recht beim Deutschen Brauer-Bund. (Foto: Deutscher Brauer-Bund)

Getränke News: Coronabedingt gibt es in immer mehr deutschen Städten Alkoholverbote. Erleben wir gerade den Beginn einer neuen Prohibition?

Busse: Wir beobachten mit Sorge, dass immer mehr Städte als Antwort auf steigende Corona-Fallzahlen Verkaufs- und Konsumverbote für Alkohol einführen. Nicht alle kommunalen Verbote haben vor Gericht Bestand. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat beispielsweise im Mai das Alkoholverbot in der Düsseldorfer Altstadt gekippt, weil es nicht geeignet sei, Corona-Infektionen einzudämmen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hält Alkoholverbote – jedenfalls an sogenannten Hotspots – dagegen für zulässig. 

Getränke News: Wie steht Ihr Verband dazu?

Busse: Der Brauer-Bund unterstützt den Kurs von Bund, Ländern und Kommunen. Es muss gelingen, die Pandemie einzudämmen. Aber die Politik muss mit Augenmaß handeln und die Angemessenheit ihrer Maßnahmen laufend überprüfen – und gegebenenfalls auch korrigieren. Wichtig ist, dass sich diese quasi aus der Not heraus eingeführten Verbote nicht verfestigen und künftig mehr oder weniger automatisch eingeführt werden, wenn der Vollzug staatlicher Vorschriften nicht gewährleistet werden kann. 

Getränke News: Kritiker warnen, in der Krise werde mehr Alkohol getrunken. Ist diese Behauptung belegt?

Busse: Jedenfalls für den Bierkonsum sprechen die amtlichen Statistiken eine andere Sprache: Der Gesamtbierabsatz lag im ersten Halbjahr 6,6 Prozent unter dem Vergleichszeitraum im Jahr 2019. Nach einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag der „International Alliance for Responsible Drinking“ gaben in Deutschland im Mai zudem 88 Prozent der Befragten an, während des Corona-Lockdowns gleichviel oder sogar weniger Alkohol als üblich zu trinken bzw. getrunken zu haben. Wir sind gespannt auf Daten, die das Bundesgesundheitsministerium zu dieser Frage angekündigt hat. 

Getränke News: Der Deutsche Brauer-Bund setzt weiter auf Präventionskampagnen?

Busse: Die deutschen Brauer stehen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Bier. Jeder muss wissen, dass es Lebenssituationen gibt, zu denen Alkohol nicht passt. In diesem Jahr haben wir die Verkehrssicherheits-Kampagne „don‘t drink and drive“, die wir vor vielen Jahren gemeinsam mit den anderen Verbänden der Alkoholwirtschaft aus den Bereichen Wein, Sekt, Spirituosen und Bier ins Leben gerufen haben, massiv ausgebaut. 

Getränke News: Was genau ist geplant?

Busse: Mit neuen Motiven und groß angelegten Plakatierungen wird die Botschaft „keine Ausreden“ in die breite Öffentlichkeit getragen. Online- und Social-Media-Aktionen runden die Kampagne ab und rücken die Botschaft stärker in den Fokus der jungen Zielgruppe. Gemeinsam mit der Düsseldorfer Agentur Rumblefish wurden für die Kampagne Ausreden herausgearbeitet, die manch einer sich einfallen lassen könnte, wenn er alkoholisiert am Steuer erwischt wird. Unterhaltsam, aber dennoch eindringlich. Wir sind überzeugt: Mit klaren Botschaften und ohne erhobenen Zeigefinger erreichen wir die Zielgruppen am besten.

Getränke News: Wie sind bislang die Reaktionen auf die Kampagne?

Busse: Wir freuen uns sehr, dass die Drogenbeauftragte der Bundesregierung die Schirmherrschaft über die Ausreden-Kampagne übernommen hat und sind dankbar für die Unterstützung aus der Politik. Wichtig war uns auch, eine breite Vernetzung mit anderen Organisationen herzustellen. So unterstützen beispielsweise der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, die Deutsche Verkehrswacht, der ADAC, der TÜV-Verband und der Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr die Botschaft der Kampagne und tragen sie in ihre Netzwerke hinein. Uns alle eint ein gemeinsames Ziel: die Zahl der Verkehrsopfer weiter zu senken. 


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Julia Busse verantwortet seit Oktober 2019 als Geschäftsführerin beim Deutschen Brauer-Bund (DBB) die Aufgabenbereiche Politik und Recht. Die Juristin war fast 20 Jahre für den Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) und den Deutschen Werberat tätig, zuletzt als Geschäftsführerin beider Organisationen und Sprecherin des Deutschen Werberats. In ihrer Position stärkt Busse gemeinsam mit DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele die politische Interessenvertretung der Brauwirtschaft in Berlin und Brüssel. 

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