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„Kein einfaches Jahr für die Brauwirtschaft“
Deutscher Brauer-Bund

„Kein einfaches Jahr für die Brauwirtschaft“

Die deutschen Brauer stehen vor großen Herausforderungen: Der Bierkonsum ist weiterhin rückläufig, der Kostendruck steigt und die Logistik des Mehrwegsystems muss optimiert werden. Getränke News sprach mit Dr. Jörg Lehmann, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, über die Zukunft der Branche. 


Getränke News: Viele Brauereien blicken zurück auf ein schwieriges Jahr. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Lehmann: 2019 war insgesamt sicher kein einfaches Jahr für die Brauwirtschaft. Auch wenn der Dezember für viele Brauereien gut gelaufen ist, so konnte er natürlich nicht das zum Teil zweistellige Minus einiger Monate kompensieren. Die offiziellen Zahlen für 2019 kommen erst Ende Januar. Ich teile die Einschätzung, dass am Jahresende beim Bierabsatz wohl ein Minus von etwa zwei Prozent stehen geblieben ist. Das ist wenig überraschend, Deutschland folgt hier dem europäischen Trend: Der Bierkonsum geht seit vielen Jahren zurück, insbesondere aus demographischen Gründen. 

Trotz insgesamt sinkender Absätze aber haben sich viele deutsche Brauereien und Braugruppen mit soliden Umsätzen und einem immer breiter werdenden Angebot behaupten können. Der deutsche Biermarkt ist und bleibt damit bei Produktionsmenge und Markenvielfalt mit großem Abstand die Nummer 1 in Europa. 

Getränke News: Pils bleibt unangefochten die beliebteste Biersorte in Deutschland, doch haben sich in letzter Zeit gerade Spezialitätenbiere und regionale Marken sehr positiv entwickelt. Welchen Trend sehen Sie für das neue Jahr?

Lehmann: Gerade die alkoholfreien Biere und die alkoholfreien Biermischgetränke werden weiter zulegen. Es macht mich als Brauer-Präsidenten stolz, wie es unserer Branche hier gelungen ist, Innovation mit Tradition zu verbinden und eine neue Getränkekategorie zu etablieren, die das Image des Bieres steigert und völlig neue Zielgruppen erreicht. Ich bin sicher, dass die Alkoholfreien ihren aktuellen Marktanteil von sieben Prozent, gemessen am Gesamtbierabsatz, weiter ausbauen werden und bald jedes zehnte in Deutschland gebraute Bier alkoholfrei sein wird. 

Getränke News: Craftbiere haben in den letzten Jahren zur Belebung des Marktes beigetragen, doch gingen die Absätze im Handel zuletzt zurück. Ist der Craftbier-Boom schon wieder vorbei?

Lehmann: Die Craftbrauer haben Schwung in den deutschen Markt gebracht und die ohnehin große Biervielfalt zusätzlich bereichert. Die positiven Impulse werden weiterhin auf die ganze Branche abstrahlen. Ich bin sicher: Craftbier ist gekommen, um zu bleiben. Aber mir war auch immer klar, dass Craft eine Nische darstellt und der Hype der ersten Jahre irgendwann abflauen würde. Wir erleben derzeit im immer noch jungen Craftbier-Segment eine erste Konsolidierungswelle – einige Existenzgründer verschwinden vom Markt, andere bilden neue Allianzen. Das Problem: Generell ist der Kostendruck auf alle Brauereien, kleine wie große, stark gestiegen und nimmt weiter zu. Das trifft Start-ups natürlich ganz besonders.

Getränke News: Intensiv wie nie zuvor diskutiert die Branche über die Zukunftsfähigkeit des Mehrwegsystems. Wohin geht die Reise, wo sind die größten Baustellen?

Lehmann: Die deutsche Brauwirtschaft steht zum Mehrwegsystem. Wir sind die einzige Branche, in der die Mehrwegquote bei über 80 Prozent liegt und damit über den gesetzlichen Vorgaben des Deutschen Bundestages. Doch diesen hohen Anteil werden wir nur halten können, wenn wir uns den Herausforderungen stellen, das System fit zu machen für die Zukunft: Die steigende Gebindevielfalt hat den Sortieraufwand extrem erhöht. Die Kosten drohen aus dem Ruder zu laufen, immer wieder konnten einzelne Brauereien wegen fehlenden Leerguts nicht liefern. Deshalb begrüße ich es sehr, dass es verschiedene Initiativen der Brauer und des Handels gibt, das Leergut-Management und die Logistik des Mehrwegsystems zu optimieren. Das kann nur in einer gemeinsamen Anstrengung gelingen. 

Getränke News: Die Diskussion über das Mehrwegsystem wurde zuletzt überlagert durch den Ruf kleinerer Brauereien nach einer Pfanderhöhung. Werden die Pfandsätze für Kisten und Flaschen 2020 steigen? 

Lehmann: Leider wird die Diskussion um höhere Pfandsätze teilweise sehr emotional geführt und es wird häufig übersehen, dass es viele Unbekannte gibt, viele Risiken und viele ungelöste Fragen. Tatsache ist: Alle Brauereien, ob groß oder klein, investieren hohe Summen in den Erhalt des Mehrwegsystems. Gäbe es ein Patentrezept, die Verfügbarkeit von Leergut zu erhöhen und die Sortierkosten zu senken, wäre das längst umgesetzt worden. Es gibt hier eben keine einfachen Lösungen – dazu ist das System mittlerweile viel zu komplex. 

Das oberste Ziel aller Brauerei-Verbände ist es, das weltweit einmalige Mehrwegsystem in Deutschland zu erhalten, zu stärken und es fortzuentwickeln. Unter dieser Prämisse haben wir uns in einer Arbeitsgruppe zusammengefunden, um wichtige Zukunftsfragen zu klären. Ich denke, dass wir 2020 klare Antworten bekommen werden.


Unser Gesprächspartner

Dr. Jörg Lehmann (50) ist Sprecher der Geschäftsführung der Paulaner Brauerei Gruppe in München und Präsident des Deutschen Brauer-Bundes.

Nach Brauwesen-Studium und Promotion an der Technischen Universität München-Weihenstephan war der gebürtige Berliner viele Jahre bei der heutigen AB InBev-Gruppe tätig. Nach Stationen als Leiter Produktion und Betriebsleiter bei Hasseröder sowie als Vorstand der Gilde Brauerei, Hannover, war Jörg Lehmann von 2006 bis 2012 als Geschäftsführer der Spaten Franziskaner Bräu und Vorstand der Löwenbräu AG für den Bereich Technik am Standort München verantwortlich. Von 2013 bis Anfang 2018 leitete Lehmann in der Kulmbacher Brauerei AG, die mehrheitlich zur Paulaner Brauerei Gruppe gehört, das Vorstandsressort Technik.

Im Februar 2018 wurde Lehmann zunächst zum Technik-Geschäftsführer, im September 2018 dann zum CEO der Paulaner Brauerei Gruppe berufen. Seit Juni 2017 ist Jörg Lehmann Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, dem Spitzenverband der deutschen Brauwirtschaft.

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Die deutschen Brauer stehen vor großen Herausforderungen: Der Bierkonsum ist weiterhin rückläufig, der Kostendruck steigt und die Logistik des Mehrwegsystems muss optimiert werden. Getränke News sprach mit Dr. Jörg Lehmann, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, über die Zukunft der Branche. 


Getränke News: Viele Brauereien blicken zurück auf ein schwieriges Jahr. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Lehmann: 2019 war insgesamt sicher kein einfaches Jahr für die Brauwirtschaft. Auch wenn der Dezember für viele Brauereien gut gelaufen ist, so konnte er natürlich nicht das zum Teil zweistellige Minus einiger Monate kompensieren. Die offiziellen Zahlen für 2019 kommen erst Ende Januar. Ich teile die Einschätzung, dass am Jahresende beim Bierabsatz wohl ein Minus von etwa zwei Prozent stehen geblieben ist. Das ist wenig überraschend, Deutschland folgt hier dem europäischen Trend: Der Bierkonsum geht seit vielen Jahren zurück, insbesondere aus demographischen Gründen. 

Trotz insgesamt sinkender Absätze aber haben sich viele deutsche Brauereien und Braugruppen mit soliden Umsätzen und einem immer breiter werdenden Angebot behaupten können. Der deutsche Biermarkt ist und bleibt damit bei Produktionsmenge und Markenvielfalt mit großem Abstand die Nummer 1 in Europa. 

Getränke News: Pils bleibt unangefochten die beliebteste Biersorte in Deutschland, doch haben sich in letzter Zeit gerade Spezialitätenbiere und regionale Marken sehr positiv entwickelt. Welchen Trend sehen Sie für das neue Jahr?

Lehmann: Gerade die alkoholfreien Biere und die alkoholfreien Biermischgetränke werden weiter zulegen. Es macht mich als Brauer-Präsidenten stolz, wie es unserer Branche hier gelungen ist, Innovation mit Tradition zu verbinden und eine neue Getränkekategorie zu etablieren, die das Image des Bieres steigert und völlig neue Zielgruppen erreicht. Ich bin sicher, dass die Alkoholfreien ihren aktuellen Marktanteil von sieben Prozent, gemessen am Gesamtbierabsatz, weiter ausbauen werden und bald jedes zehnte in Deutschland gebraute Bier alkoholfrei sein wird. 

Getränke News: Craftbiere haben in den letzten Jahren zur Belebung des Marktes beigetragen, doch gingen die Absätze im Handel zuletzt zurück. Ist der Craftbier-Boom schon wieder vorbei?

Lehmann: Die Craftbrauer haben Schwung in den deutschen Markt gebracht und die ohnehin große Biervielfalt zusätzlich bereichert. Die positiven Impulse werden weiterhin auf die ganze Branche abstrahlen. Ich bin sicher: Craftbier ist gekommen, um zu bleiben. Aber mir war auch immer klar, dass Craft eine Nische darstellt und der Hype der ersten Jahre irgendwann abflauen würde. Wir erleben derzeit im immer noch jungen Craftbier-Segment eine erste Konsolidierungswelle – einige Existenzgründer verschwinden vom Markt, andere bilden neue Allianzen. Das Problem: Generell ist der Kostendruck auf alle Brauereien, kleine wie große, stark gestiegen und nimmt weiter zu. Das trifft Start-ups natürlich ganz besonders.

Getränke News: Intensiv wie nie zuvor diskutiert die Branche über die Zukunftsfähigkeit des Mehrwegsystems. Wohin geht die Reise, wo sind die größten Baustellen?

Lehmann: Die deutsche Brauwirtschaft steht zum Mehrwegsystem. Wir sind die einzige Branche, in der die Mehrwegquote bei über 80 Prozent liegt und damit über den gesetzlichen Vorgaben des Deutschen Bundestages. Doch diesen hohen Anteil werden wir nur halten können, wenn wir uns den Herausforderungen stellen, das System fit zu machen für die Zukunft: Die steigende Gebindevielfalt hat den Sortieraufwand extrem erhöht. Die Kosten drohen aus dem Ruder zu laufen, immer wieder konnten einzelne Brauereien wegen fehlenden Leerguts nicht liefern. Deshalb begrüße ich es sehr, dass es verschiedene Initiativen der Brauer und des Handels gibt, das Leergut-Management und die Logistik des Mehrwegsystems zu optimieren. Das kann nur in einer gemeinsamen Anstrengung gelingen. 

Getränke News: Die Diskussion über das Mehrwegsystem wurde zuletzt überlagert durch den Ruf kleinerer Brauereien nach einer Pfanderhöhung. Werden die Pfandsätze für Kisten und Flaschen 2020 steigen? 

Lehmann: Leider wird die Diskussion um höhere Pfandsätze teilweise sehr emotional geführt und es wird häufig übersehen, dass es viele Unbekannte gibt, viele Risiken und viele ungelöste Fragen. Tatsache ist: Alle Brauereien, ob groß oder klein, investieren hohe Summen in den Erhalt des Mehrwegsystems. Gäbe es ein Patentrezept, die Verfügbarkeit von Leergut zu erhöhen und die Sortierkosten zu senken, wäre das längst umgesetzt worden. Es gibt hier eben keine einfachen Lösungen – dazu ist das System mittlerweile viel zu komplex. 

Das oberste Ziel aller Brauerei-Verbände ist es, das weltweit einmalige Mehrwegsystem in Deutschland zu erhalten, zu stärken und es fortzuentwickeln. Unter dieser Prämisse haben wir uns in einer Arbeitsgruppe zusammengefunden, um wichtige Zukunftsfragen zu klären. Ich denke, dass wir 2020 klare Antworten bekommen werden.


Unser Gesprächspartner

Dr. Jörg Lehmann (50) ist Sprecher der Geschäftsführung der Paulaner Brauerei Gruppe in München und Präsident des Deutschen Brauer-Bundes.

Nach Brauwesen-Studium und Promotion an der Technischen Universität München-Weihenstephan war der gebürtige Berliner viele Jahre bei der heutigen AB InBev-Gruppe tätig. Nach Stationen als Leiter Produktion und Betriebsleiter bei Hasseröder sowie als Vorstand der Gilde Brauerei, Hannover, war Jörg Lehmann von 2006 bis 2012 als Geschäftsführer der Spaten Franziskaner Bräu und Vorstand der Löwenbräu AG für den Bereich Technik am Standort München verantwortlich. Von 2013 bis Anfang 2018 leitete Lehmann in der Kulmbacher Brauerei AG, die mehrheitlich zur Paulaner Brauerei Gruppe gehört, das Vorstandsressort Technik.

Im Februar 2018 wurde Lehmann zunächst zum Technik-Geschäftsführer, im September 2018 dann zum CEO der Paulaner Brauerei Gruppe berufen. Seit Juni 2017 ist Jörg Lehmann Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, dem Spitzenverband der deutschen Brauwirtschaft.

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