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Fakten rund ums Mineralwasser
Wasserstreit

„Unwahrheiten sind die Regel“

„Die deutschen Mineralbrunnen tragen mit ihren Produkten nicht zur Vermüllung der Umwelt bei“, sagt der Marketing- und Kommunikationsexperte Ullrich Schweitzer, Leiter der neuen Plattform „Dialog Natürliches Mineralwasser“. Mit der Plattform will er den faktenbasierten, wissenschaftlich fundierten Austausch rund Mineralwasser fördern. Mitte Januar erlebten die Teilnehmer der Getränke Impulse Tage im Rahmen der Podiumsdiskussion „natürlich oder aufgesprudelt“, wie engagiert sich Ullrich Schweitzer für Mineralwasser stark macht. Im Interview mit Getränke News räumt er mit Irrtümern rund ums Wasser auf.

Getränke News:  Leitungswasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Was spricht also gegen seine Nutzung als Trinkwasser?

Schweitzer: Die Wasserversorger geben ihr Qualitätsversprechen nur bis zur Wasseruhr ab. Hinsichtlich der beim Verbraucher am Wasserhahn ankommenden Wasserqualität kommt es entscheidend auf die letzten Meter von der Wasseruhr bis zum Wasserhahn an. Die Risiken in der Hausinstallation, die vom Hauseigentümer zu verantworten sind, können nachhaltig die Wasserqualität des Trinkwassers beeinflussen. Risikofaktoren sind der Zustand der Leitungen, des Hauspartikelfilters, der Perlatoren und nicht zuletzt die Verweildauer des Wassers in den Leitungen (auch Stagnationswasser genannt). Von Leitungswasser als das am besten kontrollierte Lebensmittel kann keine Rede sein.

Getränke News: Welche Argumente sollten die deutschen Brunnen für Mineralwasser ins Feld führen?

Schweitzer: Mineralwasser ist im Gegensatz zum Leitungswasser ein Naturprodukt. Nur ein am Quellort direkt in die Flasche abgefülltes natürliches Mineralwasser garantiert ein Höchstmaß an Produktsicherheit – von der Quelle bis auf den Tisch. Darüber hinaus hat der Verbraucher an jedem Ort in Deutschland die Wahl, das für ihn ernährungsphysiologisch richtige Mineralwasser zu kaufen, während er bei Leitungswasser auf die aus dem Hahn kommende Qualität angewiesen ist.

Getränke News: Die Plastikvermüllung der Umwelt ist eines der großen Probleme unserer Zeit. Inwieweit trägt deutsches Mineralwasser dazu bei?

Schweitzer: Mit einer Recyclingquote von ca. 98 Prozent sind PET-Flaschen der deutschen Mineralbrunnenindustrie weder für das Littering noch für die Verschmutzung der Weltmeere verantwortlich. Im Gegensatz zu den verschiedenartigen Kunststoffarten im Gelben Sack, die für das Recycling sortiert werden müssen, ist der durch Pfand gesteuerte PET-Kreislauf sortenrein und damit ein Rohstoff, der am Weltmarkt gehandelt und nicht in Müllhalden verbrannt wird. Das für Verpackungssysteme der Getränkeindustrie praktizierte Recyclingsystem ist weltweit ein Musterbeispiel für proaktive Abfallvermeidung.

Getränke News: Bundesumweltministerin Svenja Schulze sagt, Mineralwasser ist unnötig. Also doch besser Leitungswasser?

Schweitzer: Statt sich mit den Problemen der Abfallvermeidung und des Recyclings beim Gelben Sack intensiv zu beschäftigen, diskriminiert Frau Ministerin Schulze Mineralwasser als überflüssiges Produkt. Den Menschen den Genuss eines qualitativ hochwertigen Naturproduktes wie Mineralwasser vorenthalten zu wollen, ist eine nicht zu akzeptierende Form von Markteinflussnahme durch gezielte staatliche Bevormundung.

Getränke News: PET-Flaschen sollen außerdem Weichmacher und andere Substanzen an das Mineralwasser absondern. Ist deshalb die Glasflasche zu bevorzugen?

Schweitzer: Die Verbreitung von Unwahrheiten im Internet über PET-Mineralwasserflaschen sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. PET-Getränkeflaschen enthalten weder Weichmacher noch benötigen sie zur Herstellung Bisphenol A und sondern auch keine hormonähnlichen Substanzen in das Mineralwasser ab. Nach Ansicht des Bundesinstitutes für Risikobewertung in Berlin entbehren gegensätzliche Aussagen wissenschaftlich jeder Grundlage und sind unzutreffend.

Getränke News: Einige Zukunftsforscher prognostizieren das Verschwinden von Mineralwasser aus den Regalen. Wo sehen Sie den Mineralwassermarkt in zehn Jahren?

Schweitzer: Je mehr sich die Menschen nach einer natürlichen Ernährung sehnen, um so stärker werden sie das Naturprodukt Mineralwasser bevorzugen. Es gibt dem Verbraucher im Gegensatz zum anonymen Leitungswasser Transparenz und Sicherheit. Auch in zehn Jahren wird die große Mehrheit der Menschen dem ernährungsphysiologisch wertvollen Mineralwasser als regionalem Genussprodukt, das ein Stück unverzichtbare Lebensqualität darstellt, den Vorzug geben.



Ullrich Schweitzer

Schweitzer (66) war 20 Jahre lang Geschäftsführer Marketing der Hassia Gruppe, Bad Vilbel, bevor er 2018 in den Ruhestand ging. Kurz darauf machte er sich als Marketingberater selbständig. Seit Januar 2019 berät er die vom Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) initiierte Plattform „Dialog Natürliches Mineralwasser“. Mit der Gründung dieser Plattform soll in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen Leitungswasser, Plastikvermüllung, Recycling etc. ein faktenbasierter, konstruktiver Dialog initiiert werden, um die Verbraucher über Mineralwasser zu informieren.


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