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"Ich appelliere an die Solidarität der Brauer"
Brauwirtschaft

„Ich appelliere an die Solidarität der Brauer“

Die deutsche Brauwirtschaft ist im Krisenmodus. Die Pandemie und die enorm gestiegenen Herstellungskosten haben vielen Brauern hierzulande schwer zugesetzt. Insbesondere kleinere Brauereien kämpfen ums Überleben. Getränke News sprach mit Stefan Stang, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Private Brauereien Bayern, über die aktuelle Situation.


Stefan Stang, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Private Brauereien Bayern
Stefan Stang, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Private Brauereien Bayern (Foto: Private Brauereien)

Getränke News: Erst Corona, jetzt Energiekrise. Wie steht es um Ihre Mitglieder?

Stang: Die Folgen der Pandemie und des Ukraine-Kriegs haben für viele Brauer ein existenzbedrohendes Ausmaß erreicht. Die finanziellen Reserven für die Zukunft sind größtenteils aufgebraucht. Erste Betriebe haben bereits signalisiert, dass sie schließen müssen. Es gibt aber auch positive Signale: Zahlreiche Brauereien investieren auch in Krisenzeiten unter anderem in effizientere Anlagentechnik und stellen sich so für die Herausforderungen der Zukunft entsprechend auf. 

Unser Verband steht unseren Mitgliedsbrauereien auch unter den derzeitigen Rahmenbedingungen zur Seite, wir beraten in einer Vielzahl an Themenfeldern. 

Getränke News: Was sind aktuell die größten Probleme?

Stang: Mit Beginn des Kriegs sind sowohl die Energiekosten als auch die Kosten bei den Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen rasant gestiegen. Wir wissen nicht, wie sich der Krieg weiterentwickelt und inwieweit die Energiepreise weiter steigen werden. Ganz gleich, ob kleine oder große Brauer: Alle müssen Strategien entwickeln, um die Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe zu erhalten. Die Mehrkosten im Vergleich zum Vorjahr liegen für unsere Mitgliedsbetriebe teilweise im sechsstelligen Bereich. Wann sich die Situation wieder beruhigt, ist nicht absehbar. Die Kostensteigerungen können aber nicht eins zu eins weitergegeben werden, weil der Handel nicht mitzieht. 

Hinzu kommen die Rabattaktionen der großen Biermarken. Die Aktionsquote ist deutlich gestiegen und die Leute kaufen am Ende wieder mehr Biere im Angebot, deren Kastenpreise unter zehn Euro liegen. Zu solchen Preisen können unsere mittelständischen Mitgliedsbrauereien ihr Bier weder produzieren noch verkaufen. Rabattaktionen sind kontraproduktiv für die gesamte Braubranche. Ich appelliere hier an die Solidarität der gesamten Brauwirtschaft. Denn die weitaus größere Herausforderung für alle ist der Klimawandel.

Getränke News: Inwiefern?

Stang: Wir Brauer müssen uns auf Veränderungen bei den Rohstoffen einstellen, müssen flexibler werden. Durch den Klimawandel sehen wir in zunehmendem Maße negative Auswirkungen auf den Anbau von Braugerste und Hopfen. Wir müssen vermehrt die neuen Hopfensorten einsetzen, die die klimatischen Veränderungen besser vertragen. Diesen neuen Sorten sollten wir eine Chance geben. 

Bei der Braugerste hilft uns einerseits der Züchtungsfortschritt hinsichtlich klimaresistenterer Sorten, andererseits sollten wir aber auch über eine ausgedehntere Nutzung der verschiedenen Vegetationsperioden nachdenken – Stichwort Herbstaussaat der Sommergerste bzw. Wintergerste.

Wir empfehlen unseren Mitgliedern, die Partnerschaften mit den örtlichen Landwirten wieder zu suchen und zurück zu sogenannten Erzeugergemeinschaften zu gehen. Regionale Versorgungskonzepte entlang der Verarbeitungskette sind unserer Meinung nach der richtige Weg, um gemeinsam die Herausforderungen in diesem Bereich zu lösen.

Getränke News: Was fordern Sie von der Politik, was von der Branche?

Stang: Die Politik hat uns inzwischen auf dem Schirm, die Themen, die unser Verband platziert hat, wie zum Beispiel die Biersteuermengenstaffel, wurden aufgenommen. Wichtig wäre jetzt, dass beim Strom- und Gaspreisdeckel nachjustiert wird. Wir brauchen eine Entlastung und schnelle und unbürokratische Hilfen nicht nur für große Industrieunternehmen, sondern auch für die kleinen Handwerksbetriebe – also die kleine Brauerei aus der Nachbarschaft. Auch die Preise für andere Energieträger wie Heizöl oder Pellets sollten gedeckelt werden. Nützlich wäre auch eine Kurzarbeiterregelung, sollte sich die Krise weiter verschärfen.

Getränke News: Auch höhere Pfandsätze sind immer wieder ein Thema. 

Stang: Wir haben das Thema schon lange auf der Agenda. Die Lage hat sich nun weiter verschärft, weil die Flaschen und Kistenpreise deutlich gestiegen sind. Kleinere Brauereien zahlen inzwischen für eine 20er-Kiste mit Flaschen im Einkauf beinahe zehn Euro, das Pfand liegt aber nach wie vor bei 3,10 Euro. Klar ist: Wir brauchen höhere Pfandsätze. Anstelle mit diesem Anliegen an die Politik heranzutreten, müssen wir uns erst einmal in der Branche einig sein. Wir müssen klären, wie wir die Umstellung der Pfandsätze hinbekommen und einheitlich vorgehen, sonst endet das im Chaos. Wir brauchen entweder eine Stichtagsregelung oder die Kästen müssen gekennzeichnet werden. Dabei fordere ich auch hier zur Solidarität auf. Auch die großen Brauereien müssen mitziehen.

Getränke News: Ende November wurde die Zusammenarbeit Ihres Verbandes mit Doemens beim Bierwettbewerb „European Beer Star“ beendet. Was steckt dahinter?

Stang: Aus strategischen und logistischen Gründen werden wir die Expertenverkostung des European Beer Star künftig in Nürnberg auf dem Messegelände veranstalten. Damit wollen wir die Partnerschaft mit der Braubeviale stärken, deren ideeller Träger der Verband Private Brauereien Bayern seit Anbeginn ist. Seit dem Start des European Beer Star finden die Preisverleihung und die Nacht der Sieger während der Braubeviale statt. Mit dem Umzug der Expertenverkostung nach Nürnberg setzen wir ein weiteres klares Bekenntnis, dass der European Beer Star und die Braubeviale zusammengehören. 

Durch die intensivere Zusammenarbeit mit der Messe sind die Möglichkeiten für ein langfristiges Wachstum des Bierwettbewerbes gewährleistet. 

Getränke News: Wurde das auch so in Richtung Doemens kommuniziert?

Stang: Wir haben in einem persönlichen Gespräch die Doemens-Geschäftsführung über die Verlegung des Wettbewerbs nach Nürnberg und die Hintergründe dazu informiert. Im selben Gespräch haben wir auch ausdrücklich angeboten, die konzeptionelle Zusammenarbeit mit Doemens fortzusetzen und den European Beer Star gemeinsam weiterzuentwickeln. Dieses Angebot wurde jedoch vonseiten Doemens abgelehnt. 

Wir bedauern, dass die Doemens Akademie nicht mehr als Sensorik-Partner die Zukunft des European Beer Star mitgestalten möchte, akzeptieren jedoch diese Entscheidung und danken Doemens für die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit. 

Getränke News: Die Messe Nürnberg (Braubeviale) und die Messe München (Drinktec) planen ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. Was bedeutet das für Ihren Verband?

Stang: Das ist richtig, und das Kartellamt hat der Gründung dieses Gemeinschaftsunternehmens bereits zugestimmt. Als ideeller Träger der Braubeviale waren wir von Anfang an in die Planungen involviert und selbstverständlich bleiben wir in dieser Funktion weiterhin tätig. Unser Verband war intensiv bei der Positionierungsüberarbeitung der Braubeviale eingebunden und auch fachlich und thematisch arbeiten wir eng mit unserem Partner in Nürnberg zusammen. Daher liegt eines unserer Hauptaugenmerke ­– nach drei Pausenjahren – nun auf der Durchführung einer hervorragenden Braubeviale im November 2023. Bereits heute spüren wir, dass die Branche darauf wartet, endlich wieder nach Nürnberg zu kommen.

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"Ich appelliere an die Solidarität der Brauer"
Brauwirtschaft

„Ich appelliere an die Solidarität der Brauer“

Die deutsche Brauwirtschaft ist im Krisenmodus. Die Pandemie und die enorm gestiegenen Herstellungskosten haben vielen Brauern hierzulande schwer zugesetzt. Insbesondere kleinere Brauereien kämpfen ums Überleben. Getränke News sprach mit Stefan Stang, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Private Brauereien Bayern, über die aktuelle Situation.


Stefan Stang, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Private Brauereien Bayern
Stefan Stang, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Private Brauereien Bayern (Foto: Private Brauereien)

Getränke News: Erst Corona, jetzt Energiekrise. Wie steht es um Ihre Mitglieder?

Stang: Die Folgen der Pandemie und des Ukraine-Kriegs haben für viele Brauer ein existenzbedrohendes Ausmaß erreicht. Die finanziellen Reserven für die Zukunft sind größtenteils aufgebraucht. Erste Betriebe haben bereits signalisiert, dass sie schließen müssen. Es gibt aber auch positive Signale: Zahlreiche Brauereien investieren auch in Krisenzeiten unter anderem in effizientere Anlagentechnik und stellen sich so für die Herausforderungen der Zukunft entsprechend auf. 

Unser Verband steht unseren Mitgliedsbrauereien auch unter den derzeitigen Rahmenbedingungen zur Seite, wir beraten in einer Vielzahl an Themenfeldern. 

Getränke News: Was sind aktuell die größten Probleme?

Stang: Mit Beginn des Kriegs sind sowohl die Energiekosten als auch die Kosten bei den Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen rasant gestiegen. Wir wissen nicht, wie sich der Krieg weiterentwickelt und inwieweit die Energiepreise weiter steigen werden. Ganz gleich, ob kleine oder große Brauer: Alle müssen Strategien entwickeln, um die Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe zu erhalten. Die Mehrkosten im Vergleich zum Vorjahr liegen für unsere Mitgliedsbetriebe teilweise im sechsstelligen Bereich. Wann sich die Situation wieder beruhigt, ist nicht absehbar. Die Kostensteigerungen können aber nicht eins zu eins weitergegeben werden, weil der Handel nicht mitzieht. 

Hinzu kommen die Rabattaktionen der großen Biermarken. Die Aktionsquote ist deutlich gestiegen und die Leute kaufen am Ende wieder mehr Biere im Angebot, deren Kastenpreise unter zehn Euro liegen. Zu solchen Preisen können unsere mittelständischen Mitgliedsbrauereien ihr Bier weder produzieren noch verkaufen. Rabattaktionen sind kontraproduktiv für die gesamte Braubranche. Ich appelliere hier an die Solidarität der gesamten Brauwirtschaft. Denn die weitaus größere Herausforderung für alle ist der Klimawandel.

Getränke News: Inwiefern?

Stang: Wir Brauer müssen uns auf Veränderungen bei den Rohstoffen einstellen, müssen flexibler werden. Durch den Klimawandel sehen wir in zunehmendem Maße negative Auswirkungen auf den Anbau von Braugerste und Hopfen. Wir müssen vermehrt die neuen Hopfensorten einsetzen, die die klimatischen Veränderungen besser vertragen. Diesen neuen Sorten sollten wir eine Chance geben. 

Bei der Braugerste hilft uns einerseits der Züchtungsfortschritt hinsichtlich klimaresistenterer Sorten, andererseits sollten wir aber auch über eine ausgedehntere Nutzung der verschiedenen Vegetationsperioden nachdenken – Stichwort Herbstaussaat der Sommergerste bzw. Wintergerste.

Wir empfehlen unseren Mitgliedern, die Partnerschaften mit den örtlichen Landwirten wieder zu suchen und zurück zu sogenannten Erzeugergemeinschaften zu gehen. Regionale Versorgungskonzepte entlang der Verarbeitungskette sind unserer Meinung nach der richtige Weg, um gemeinsam die Herausforderungen in diesem Bereich zu lösen.

Getränke News: Was fordern Sie von der Politik, was von der Branche?

Stang: Die Politik hat uns inzwischen auf dem Schirm, die Themen, die unser Verband platziert hat, wie zum Beispiel die Biersteuermengenstaffel, wurden aufgenommen. Wichtig wäre jetzt, dass beim Strom- und Gaspreisdeckel nachjustiert wird. Wir brauchen eine Entlastung und schnelle und unbürokratische Hilfen nicht nur für große Industrieunternehmen, sondern auch für die kleinen Handwerksbetriebe – also die kleine Brauerei aus der Nachbarschaft. Auch die Preise für andere Energieträger wie Heizöl oder Pellets sollten gedeckelt werden. Nützlich wäre auch eine Kurzarbeiterregelung, sollte sich die Krise weiter verschärfen.

Getränke News: Auch höhere Pfandsätze sind immer wieder ein Thema. 

Stang: Wir haben das Thema schon lange auf der Agenda. Die Lage hat sich nun weiter verschärft, weil die Flaschen und Kistenpreise deutlich gestiegen sind. Kleinere Brauereien zahlen inzwischen für eine 20er-Kiste mit Flaschen im Einkauf beinahe zehn Euro, das Pfand liegt aber nach wie vor bei 3,10 Euro. Klar ist: Wir brauchen höhere Pfandsätze. Anstelle mit diesem Anliegen an die Politik heranzutreten, müssen wir uns erst einmal in der Branche einig sein. Wir müssen klären, wie wir die Umstellung der Pfandsätze hinbekommen und einheitlich vorgehen, sonst endet das im Chaos. Wir brauchen entweder eine Stichtagsregelung oder die Kästen müssen gekennzeichnet werden. Dabei fordere ich auch hier zur Solidarität auf. Auch die großen Brauereien müssen mitziehen.

Getränke News: Ende November wurde die Zusammenarbeit Ihres Verbandes mit Doemens beim Bierwettbewerb „European Beer Star“ beendet. Was steckt dahinter?

Stang: Aus strategischen und logistischen Gründen werden wir die Expertenverkostung des European Beer Star künftig in Nürnberg auf dem Messegelände veranstalten. Damit wollen wir die Partnerschaft mit der Braubeviale stärken, deren ideeller Träger der Verband Private Brauereien Bayern seit Anbeginn ist. Seit dem Start des European Beer Star finden die Preisverleihung und die Nacht der Sieger während der Braubeviale statt. Mit dem Umzug der Expertenverkostung nach Nürnberg setzen wir ein weiteres klares Bekenntnis, dass der European Beer Star und die Braubeviale zusammengehören. 

Durch die intensivere Zusammenarbeit mit der Messe sind die Möglichkeiten für ein langfristiges Wachstum des Bierwettbewerbes gewährleistet. 

Getränke News: Wurde das auch so in Richtung Doemens kommuniziert?

Stang: Wir haben in einem persönlichen Gespräch die Doemens-Geschäftsführung über die Verlegung des Wettbewerbs nach Nürnberg und die Hintergründe dazu informiert. Im selben Gespräch haben wir auch ausdrücklich angeboten, die konzeptionelle Zusammenarbeit mit Doemens fortzusetzen und den European Beer Star gemeinsam weiterzuentwickeln. Dieses Angebot wurde jedoch vonseiten Doemens abgelehnt. 

Wir bedauern, dass die Doemens Akademie nicht mehr als Sensorik-Partner die Zukunft des European Beer Star mitgestalten möchte, akzeptieren jedoch diese Entscheidung und danken Doemens für die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit. 

Getränke News: Die Messe Nürnberg (Braubeviale) und die Messe München (Drinktec) planen ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. Was bedeutet das für Ihren Verband?

Stang: Das ist richtig, und das Kartellamt hat der Gründung dieses Gemeinschaftsunternehmens bereits zugestimmt. Als ideeller Träger der Braubeviale waren wir von Anfang an in die Planungen involviert und selbstverständlich bleiben wir in dieser Funktion weiterhin tätig. Unser Verband war intensiv bei der Positionierungsüberarbeitung der Braubeviale eingebunden und auch fachlich und thematisch arbeiten wir eng mit unserem Partner in Nürnberg zusammen. Daher liegt eines unserer Hauptaugenmerke ­– nach drei Pausenjahren – nun auf der Durchführung einer hervorragenden Braubeviale im November 2023. Bereits heute spüren wir, dass die Branche darauf wartet, endlich wieder nach Nürnberg zu kommen.

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