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Spirituosenmarkt

Corona verstärkt Premium-Trend

In der Krise gönnt man sich gerne mal etwas Besonderes. Und da Restaurants zu und Reisen kaum möglich sind, machen es sich viele zu Hause mit einem guten Drink gemütlich. Wieviel, wie teuer und was getrunken wird, berichtet Jens Lühmann, Geschäftsführer der Weinquelle Lühmann, im Interview mit Getränke News. Mit zwei Fachgeschäften in Hamburg und Siek sowie einem erfolgreichen Onlinehandel zählt er zu den größten und bekanntesten Spirituosen- und Weinfachhändlern Deutschlands.


Jens Lühmann führt das Geschäft zusammen mit seinem Vater.
Jens Lühmann führt das Geschäft zusammen mit seinem Vater.


Getränke News: Wie sind Sie mit Ihrem Geschäft bisher durch die Corona-Krise gekommen?

Lühmann: Wir zählen rechtlich als „Einzelhandel mit Lebensmitteln“, daher mussten wir zum Glück nie schließen. Dennoch sind die Verkäufe im Laden eingebrochen, da viele Leute doch den Einkauf vor Ort vermeiden. Das Gastronomiegeschäft ist natürlich auch komplett weggefallen. Zu normalen Zeiten kaufen bei uns viele kleine Gaststätten und Hotels ihre Spezialitäten ein – in kleinen Mengen zwar, aber da es wirklich viele Kunden sind, stehen die schon für etwa fünf bis sechs Prozent des Umsatzes.

Getränke News: Also schlechte Zeiten für Ihr Geschäft?

Lühmann: Nein, unter dem Strich nicht. Was uns jetzt wirklich rettet, ist unser Online-Handel. Wir liefern schon seit vielen Jahren Spirituosen und Weine sehr erfolgreich in die ganze Republik. Damit haben wir schon vor Corona die Hälfte unseres Umsatzes erwirtschaftet. Seit bereits fünf Jahren bieten wir „Click and Collect“ an, das heißt, man kann online bestellen und die Ware selber vor Ort abholen. Diese Möglichkeit haben in der letzten Zeit viele Leute aus Hamburg und Umgebung genutzt. Für uns gilt, was man gerade im gesamten Online-Handel beobachten kann: Wir sind deutlich gewachsen und konnten die Verluste in den anderen Bereichen ausgleichen.

Getränke News: Und was wird jetzt gerne gekauft? Merken Sie, dass viele Kunden wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit sparsamer sind?

Lühmann: Eher im Gegenteil. Die Ausgaben sind ja zurzeit minimiert, man kann nicht ausgehen, macht keine Reisen. Was man dort spart, stecken viele offenbar in höhere Qualitäten. Wir hatten noch nie ein Jahr, wo wir so viele hochwertige Flaschen verkauft haben wie jetzt. Der Trend zu Premium verstärkt sich also eher noch.

Kostenloser wöchentlicher Newsletter

Getränke News: Welche Spirituosentrends beobachten Sie denn ganz unabhängig von Corona? Wie läuft es denn zum Beispiel inzwischen beim Gin, der ja in den letzten Jahren einen regelrechten Boom verzeichnete?

Lühmann: Der Trend hält zwar weiter an, hat sich aber deutlich verlangsamt. Zeitweise hat jede Marketingagentur einen eigenen Gin herausgebracht, ständig kamen neue hinzu. Davon verschwinden inzwischen viele wieder vom Markt, und der Absatz verteilt sich auf einige bekannte Marken.

Getränke News: Es wurde ja mal prognostiziert, dass Rum-Spezialitäten sich ähnlich positiv entwickeln könnten wie Whisky …

Lühmann: Es gibt tatsächlich immer mehr Kenner, die sich dafür interessieren. Rum bietet ja eine sehr große Vielfalt – durch die unterschiedlichen Herkunftsländer und zahllose Destillerien. Ähnlich wie beim Whisky werden besondere, limitierte Fässer angeboten – da kann man seine Expertise unter Beweis stellen. Hinzukommt, dass viele Whiskys zu stark überhöhten Preisen angeboten werden. Da kann es passieren, dass das gleiche Produkt nach einem Jahr 50 Prozent mehr kostet. Das ist – bei aller Ausgabebereitschaft – schwer zu vermitteln. Der eine oder andere wechselt dann schon mal zum Rum – nach dem Motto „möglichst viel zu einem fairen Preis“.

Getränke News: Wo sehen Sie denn im Allgemeinen preislich bei Spirituosen „das Ende der Fahnenstange“?

Lühmann: Viele sind bereit, 30 bis 40 Euro pro Flasche auszugeben, für besondere Anlässe wie etwa zum Geburtstag dürfen es auch mal 50 bis 60 Euro sein. Und dann gibt es natürlich noch die Spekulanten, die echte Raritäten kaufen, um sie am nächsten Tag zum doppelten Preis auf Ebay zu versteigern. Da limitieren wir als seriöser Händler den Kauf schon mal auf eine Flasche, damit möglichst viele Interessierte zum Zug kommen.

Getränke News: In den letzten Jahren bieten immer mehr Kornbrennereien hochwertige, oft fassgelagerte Destillate an. Sehen Sie in diesem Segment Chancen?

Lühmann: Die Hersteller bringen sich in Stellung; von einem Trend würde ich aber nicht sprechen. Nur einzelne erzielen damit einen gewissen Umsatz, insgesamt sind es sehr geringe Mengen. Selbst bei uns im Norden denken viele bei „Korn“ immer noch an ein Getränk „für ein gewisses Publikum“.

Viele Trends kommen eben doch aus dem Ausland – seit einiger Zeit bemerken wir zum Beispiel eine verstärkte Nachfrage nach hochwertigen Tequilas. In renommierten Bars wird damit sogar gemixt – und zu Hause machen es viele nach. Die einfacheren Mainstream-Marken profitieren davon nicht, nur der echte 100-Prozent-Agave-Tequila wächst.

Getränke News: Gerade wächst ja eine junge Generation heran, die immer weniger Alkohol trinkt. Für diese Zielgruppe gibt es inzwischen ein wachsendes Angebot an „alkoholfreien Spirituosen“. Wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus?

Lühmann: Die jüngeren Leute trinken bewusster, schießen sich nicht mehr so ab wie früher. Wer gar keinen Alkohol trinkt, wird nicht unser bester Kunde werden. Es gibt aber auch viele junge Leute, die weniger, aber teurer trinken, und die kommen vermehrt zu uns. Sorgen müssen wir uns also nicht machen. Natürlich haben wir alkoholfreie Spirituosen im Sortiment. Mein Eindruck ist aber, es wird viel darüber geredet, aber nur wenig gekauft.

Blick in den 2016 eröffneten Markt in Siek
Blick in den 2016 eröffneten Markt in Siek


Unser Gesprächspartner

Jens Lühmann ist Geschäftsführer des Spirituosen- und Weinhandels Weinquelle Lühmann. Die Geschäftsführung teilt er sich mit seinem Vater Uwe Lühmann. Das Familienunternehmen wurde 1919 gegründet, die heutigen Inhaber führen es in dritter und vierter Generation.

Neben dem traditionsreichen Stammhaus nahe der Hamburger Innenstadt gibt es seit April 2016 einen großen, modern ausgestatteten Markt in Siek, ca. 20 Kilometer von Hamburg entfernt. Mit einem erfolgreichen Internetshop, der zu den größten Onlinehändlern für Wein und Spirituosen in Deutschland zählt, erwirtschaftet das Unternehmen inzwischen etwa die Hälfte seines Umsatzes.

Mit über 6.000 Artikeln, die ständig vorrätig sind, bietet die Weinquelle Lühmann eine außerordentlich große Auswahl an hochwertigen Weinen und Spirituosen aus aller Welt.

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Spirituosenmarkt

Corona verstärkt Premium-Trend

In der Krise gönnt man sich gerne mal etwas Besonderes. Und da Restaurants zu und Reisen kaum möglich sind, machen es sich viele zu Hause mit einem guten Drink gemütlich. Wieviel, wie teuer und was getrunken wird, berichtet Jens Lühmann, Geschäftsführer der Weinquelle Lühmann, im Interview mit Getränke News. Mit zwei Fachgeschäften in Hamburg und Siek sowie einem erfolgreichen Onlinehandel zählt er zu den größten und bekanntesten Spirituosen- und Weinfachhändlern Deutschlands.


Jens Lühmann führt das Geschäft zusammen mit seinem Vater.
Jens Lühmann führt das Geschäft zusammen mit seinem Vater.


Getränke News: Wie sind Sie mit Ihrem Geschäft bisher durch die Corona-Krise gekommen?

Lühmann: Wir zählen rechtlich als „Einzelhandel mit Lebensmitteln“, daher mussten wir zum Glück nie schließen. Dennoch sind die Verkäufe im Laden eingebrochen, da viele Leute doch den Einkauf vor Ort vermeiden. Das Gastronomiegeschäft ist natürlich auch komplett weggefallen. Zu normalen Zeiten kaufen bei uns viele kleine Gaststätten und Hotels ihre Spezialitäten ein – in kleinen Mengen zwar, aber da es wirklich viele Kunden sind, stehen die schon für etwa fünf bis sechs Prozent des Umsatzes.

Getränke News: Also schlechte Zeiten für Ihr Geschäft?

Lühmann: Nein, unter dem Strich nicht. Was uns jetzt wirklich rettet, ist unser Online-Handel. Wir liefern schon seit vielen Jahren Spirituosen und Weine sehr erfolgreich in die ganze Republik. Damit haben wir schon vor Corona die Hälfte unseres Umsatzes erwirtschaftet. Seit bereits fünf Jahren bieten wir „Click and Collect“ an, das heißt, man kann online bestellen und die Ware selber vor Ort abholen. Diese Möglichkeit haben in der letzten Zeit viele Leute aus Hamburg und Umgebung genutzt. Für uns gilt, was man gerade im gesamten Online-Handel beobachten kann: Wir sind deutlich gewachsen und konnten die Verluste in den anderen Bereichen ausgleichen.

Getränke News: Und was wird jetzt gerne gekauft? Merken Sie, dass viele Kunden wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit sparsamer sind?

Lühmann: Eher im Gegenteil. Die Ausgaben sind ja zurzeit minimiert, man kann nicht ausgehen, macht keine Reisen. Was man dort spart, stecken viele offenbar in höhere Qualitäten. Wir hatten noch nie ein Jahr, wo wir so viele hochwertige Flaschen verkauft haben wie jetzt. Der Trend zu Premium verstärkt sich also eher noch.

Kostenloser wöchentlicher Newsletter

Getränke News: Welche Spirituosentrends beobachten Sie denn ganz unabhängig von Corona? Wie läuft es denn zum Beispiel inzwischen beim Gin, der ja in den letzten Jahren einen regelrechten Boom verzeichnete?

Lühmann: Der Trend hält zwar weiter an, hat sich aber deutlich verlangsamt. Zeitweise hat jede Marketingagentur einen eigenen Gin herausgebracht, ständig kamen neue hinzu. Davon verschwinden inzwischen viele wieder vom Markt, und der Absatz verteilt sich auf einige bekannte Marken.

Getränke News: Es wurde ja mal prognostiziert, dass Rum-Spezialitäten sich ähnlich positiv entwickeln könnten wie Whisky …

Lühmann: Es gibt tatsächlich immer mehr Kenner, die sich dafür interessieren. Rum bietet ja eine sehr große Vielfalt – durch die unterschiedlichen Herkunftsländer und zahllose Destillerien. Ähnlich wie beim Whisky werden besondere, limitierte Fässer angeboten – da kann man seine Expertise unter Beweis stellen. Hinzukommt, dass viele Whiskys zu stark überhöhten Preisen angeboten werden. Da kann es passieren, dass das gleiche Produkt nach einem Jahr 50 Prozent mehr kostet. Das ist – bei aller Ausgabebereitschaft – schwer zu vermitteln. Der eine oder andere wechselt dann schon mal zum Rum – nach dem Motto „möglichst viel zu einem fairen Preis“.

Getränke News: Wo sehen Sie denn im Allgemeinen preislich bei Spirituosen „das Ende der Fahnenstange“?

Lühmann: Viele sind bereit, 30 bis 40 Euro pro Flasche auszugeben, für besondere Anlässe wie etwa zum Geburtstag dürfen es auch mal 50 bis 60 Euro sein. Und dann gibt es natürlich noch die Spekulanten, die echte Raritäten kaufen, um sie am nächsten Tag zum doppelten Preis auf Ebay zu versteigern. Da limitieren wir als seriöser Händler den Kauf schon mal auf eine Flasche, damit möglichst viele Interessierte zum Zug kommen.

Getränke News: In den letzten Jahren bieten immer mehr Kornbrennereien hochwertige, oft fassgelagerte Destillate an. Sehen Sie in diesem Segment Chancen?

Lühmann: Die Hersteller bringen sich in Stellung; von einem Trend würde ich aber nicht sprechen. Nur einzelne erzielen damit einen gewissen Umsatz, insgesamt sind es sehr geringe Mengen. Selbst bei uns im Norden denken viele bei „Korn“ immer noch an ein Getränk „für ein gewisses Publikum“.

Viele Trends kommen eben doch aus dem Ausland – seit einiger Zeit bemerken wir zum Beispiel eine verstärkte Nachfrage nach hochwertigen Tequilas. In renommierten Bars wird damit sogar gemixt – und zu Hause machen es viele nach. Die einfacheren Mainstream-Marken profitieren davon nicht, nur der echte 100-Prozent-Agave-Tequila wächst.

Getränke News: Gerade wächst ja eine junge Generation heran, die immer weniger Alkohol trinkt. Für diese Zielgruppe gibt es inzwischen ein wachsendes Angebot an „alkoholfreien Spirituosen“. Wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus?

Lühmann: Die jüngeren Leute trinken bewusster, schießen sich nicht mehr so ab wie früher. Wer gar keinen Alkohol trinkt, wird nicht unser bester Kunde werden. Es gibt aber auch viele junge Leute, die weniger, aber teurer trinken, und die kommen vermehrt zu uns. Sorgen müssen wir uns also nicht machen. Natürlich haben wir alkoholfreie Spirituosen im Sortiment. Mein Eindruck ist aber, es wird viel darüber geredet, aber nur wenig gekauft.

Blick in den 2016 eröffneten Markt in Siek
Blick in den 2016 eröffneten Markt in Siek


Unser Gesprächspartner

Jens Lühmann ist Geschäftsführer des Spirituosen- und Weinhandels Weinquelle Lühmann. Die Geschäftsführung teilt er sich mit seinem Vater Uwe Lühmann. Das Familienunternehmen wurde 1919 gegründet, die heutigen Inhaber führen es in dritter und vierter Generation.

Neben dem traditionsreichen Stammhaus nahe der Hamburger Innenstadt gibt es seit April 2016 einen großen, modern ausgestatteten Markt in Siek, ca. 20 Kilometer von Hamburg entfernt. Mit einem erfolgreichen Internetshop, der zu den größten Onlinehändlern für Wein und Spirituosen in Deutschland zählt, erwirtschaftet das Unternehmen inzwischen etwa die Hälfte seines Umsatzes.

Mit über 6.000 Artikeln, die ständig vorrätig sind, bietet die Weinquelle Lühmann eine außerordentlich große Auswahl an hochwertigen Weinen und Spirituosen aus aller Welt.

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