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„Wir wurden anfangs belächelt“ 1
Barth-Haas Group

„Wir wurden anfangs belächelt“

Hopfenhändler Joh. Barth & Sohn feiert aktuell sein 225-jähriges Jubiläum. Wie es gelang, sich so lange am Markt zu behaupten und was für die nächsten Jahren geplant ist, erzählt der geschäftsführende Gesellschafter Stephan Barth im Interview mit Getränke News


Getränke News: Ihr Unternehmen feiert in diesem Jahr das 225-jährige Bestehen. Wie hält man als Hopfenhändler so lange durch?

Barth: Nur selten lassen sich 225 Jahre Firmengeschichte in wenigen Wörtern zusammenzufassen. Bei Joh. Barth & Sohn ist das möglich. Sie lauten: Leidenschaft für Hopfen, sowie Veränderungsbereitschaft, und vergessen wir die notwendige Portion Glück nicht. Nur so ist es möglich gewesen, in 225 Jahren vom kleinen fränkischen „Nebenerwerbs-Hopfenhändler“ zum weltweit aktiven Geschmacksexperten für beste Biere zu werden.

Getränke News: Was muss man sich unter einem Nebenerwerbs-Hopfenhändler vorstellen?

Barth: Unsere Vorfahren betrieben einen Kurzwarenhandel in der Nähe des Hopfenanbaugebiets Hersbruck. 1794 fingen sie an, ihr Geschäft um einen Hopfenhandel zu erweiterte. Das Geschäftsmodell war damals ganz einfach: Wir packen einfach noch etwas Hopfen auf unseren Planwagen und versuchen dann, den Hopfen den Brauereien, die sowieso auf unserem Weg liegen, zu verkaufen. 

Erst als der Deutsche Zollverein 1833 einen einheitlichen wirtschaftlichen Binnenraum schuf, konnten die Söhne Barths ihre Handelsreisen ausdehnen. Offensichtlich erfolgreich, denn bereits Ende des 19 Jahrhunderts belieferte Barth rund 400 Brauereien im In- und Ausland – bis hin in die Vereinigten Staaten. Heute beliefern wir Brauereien aller Größenordnungen weltweit. 

Getränke News: Sie waren schon sehr früh international tätig. Hat das das Überleben gesichert?

Barth: Die Anfangsjahre unseres Unternehmens waren gerade wegen der Geschäftsbeziehungen ins Ausland herausfordernd.  Eine große Herausforderung war es zum Beispiel, den Hopfen so zu verschicken, dass er in möglichst guter Qualität beim Empfänger ankam. Deshalb haben wir damals eine spezielle Hopfenbüchse entwickelt, die den Hopfen vor äußeren Einflüssen sicherte. Die Büchse ist nur eine der vielen Innovationen, die entweder von unseren Vorfahren geschaffen oder sehr frühzeitig eingesetzt wurden.

Dazu gehörten viele Dinge, ohne die der Hopfenhandel heute sicher nicht funktionieren würde. Seien es automatische Pflückmaschinen oder Vorverträge. Gerade die Vorverträge geben Pflanzern, Brauereien, natürlich auch uns Hopfenhändlern, langfristige Planungs- und Preissicherheit. 

Auf die veränderten Anforderungen der Brauindustrie haben wir zum Beispiel durch den Vertragsanbau neuer Sorten oder den Bau von Verarbeitungsstätten für neue Verfahren zur Hopfenveredlung reagiert. Diese strukturellen Veränderungen haben die Grundlage geschaffen, um verstärkt in den internationalen Wettbewerb eintreten zu können. Es folgten eine Vielzahl von Beteiligungen oder Firmenkäufen im In- und Ausland, zum Beispiel in den USA, in Australien oder England bzw. China. Das war der Grundstein für die Barth-Haas Group.

Getränke News: Gerade in den letzten Jahren wurde die Leidenschaft für das Produkt noch stärker in den Fokus gerückt, es wurden Projekte entwickelt und vorgestellt, für die Sie anfangs durchaus belächelt wurden.

Barth: Niemand hatte bisher die Fähigkeiten eines Parfümeurs genutzt, um Hopfenaromen zu beschreiben. Wir hatten die Idee  und heute gibt es drei Bände unseres Großen Hopfenaromabuches, in dem detailliert die Aromen der verschiedenen Hopfensorten beschrieben werden.

Dass der Hopfen wie beim Wein je nach Jahrgang unterschiedliche Aromen entwickelt konnte sich auch niemand vorstellen. Wir konnten es uns vorstellen – und deshalb gibt es jetzt jährlich einen Hopfenjahrgangsführer als Entscheidungshilfe für Brauer weltweit.

Und dass es einmal einen Markt für Biersommeliers gibt, daran hat auch niemand geglaubt. Wir schon und so haben wir die Sommelier-Ausbildung von Anfang an unterstützt.

Getränke News: Inwieweit hat die Craftbier-Bewegung Ihr Geschäft verändert?

Barth: Die Brauszene hat sich weltweit durch die Craftbier-Bewegung deutlich verändert.  Sie hat Genuss und Geschmack in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen gestellt. Dies hat, wie Sie wissen, die Anforderungen an Lieferanten und Dienstleister der Branche grundlegend geändert. Es wird Sie daher wenig überraschen, dass wir diesseits und jenseits des Atlantiks an innovativen geschmacksprägenden Hopfensorten und Hopfenprodukten forschen. Heute verstehen wir die Barth-Haas Group als führenden Dienstleister rund um den Hopfen. Hier bieten unsere Geschmacksexperten für beste Biere weltweit ein umfassendes Portfolio an Hopfen, Hopfenprodukten und Dienstleistungen für Brauereien aller Größenordnungen an.

Getränke News: In Ihre Firmenzentrale in Nürnberg wurde aktuell der Barth-Haas-Campus eingeweiht. Was hat es damit auf sich?

Barth: Unsere Vision ist es, der Hopfenexperte für besten Biergeschmack weltweit zu sein. Aber wir wollen unser Wissen natürlich nicht für uns behalten, sondern weitergeben und andere Menschen überzeugen, sie mit unserer Leidenschaft anstecken. Wir lieben Hopfen! Darum wollen wir ihn mit unseren Kunden gemeinsam mit allen Sinnen erleben – regelrecht mit ihm spielen. Deshalb haben wir beim Neubau unseres Firmensitzes auch großen Wert auf den Barth-Haas Campus gelegt, unsere Spielwiese für Hopfen, in der wir in einer inspirierenden Geschmackswelt gemeinsam Neues kreieren.

Mit dem Campus haben wir nun auch eine physische Heimat für die verschiedenen Seminare unserer Hops Academy bekommen. Aber wir wollen nicht nur das Wissen unserer Kunden erweitern, sondern auch Ihre Sinne anregen und inspirieren. So machen wir unsere Vision erlebbar.


Hintergrund

Joh. Barth & Sohn

Joh. Barth & Sohn ist der führende Dienstleister in Deutschland rund um den Hopfen und Mitglied der Barth-Haas Group. Die Gruppe ist auf allen Kontinenten tätig und wird von Familienunternehmen gebildet. Weltweit beschäftigt die Gruppe etwa 770 Mitarbeiter.

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