Die Brauerei Maisel hat ihren Vertrieb neu aufgestellt und treibt die Integration der Weismainer Brauerei voran. Im Interview mit Getränke News sprechen die beiden Geschäftsführer Kristof Schimmele (Vertrieb) und Marc Goebel (Technik) über die Hintergründe, zukünftige Projekte und aktuelle Entwicklungen im deutschen Biermarkt.
Getränke News: Der Vertrieb der Brauerei Maisel wurde neu strukturiert. Was sind die Hintergründe?
Schimmele: Wir haben unsere bisherigen Vertriebsstrukturen an unser Wachstum angepasst. Sowohl die positiven Entwicklungen der letzten Jahre als auch die Integration der im Herbst 2022 übernommenen Weismainer Brauerei haben unsere Sortenvielfalt und die Komplexität erhöht. Wir haben deshalb eine zusätzliche Vertriebs-Ebene eingezogen und zwei neue Schlüsselstellen geschaffen, die nun Bindeglied zwischen dem strategischen und operativen Geschäft sind. Ich werde mich künftig mehr auf strategische Aufgaben konzentrieren, um das Marktpotenzial unserer drei Brauereien sowie unserer Marken voll auszuschöpfen. Die sehr fruchtbare Vertriebskooperation mit der Brauerei Veltins setzen wir unverändert fort.
Getränke News: Sie haben als Vertriebsgeschäftsführer außerdem noch die Aufgaben des „Vertriebsdirektors Handel Süd“ übernommen. Also doch weiterhin im operativen Geschäft…
Schimmele: Mit Torsten Gieschen als nationalem Vertriebsdirektor für die Gastronomie und Dirk Schönzart als Vertriebsdirektor Handel Mitte/Nord haben wir zwei nationale Vertriebsdirektoren, die mich in enger Abstimmung mit Veltins bei unseren Handels- und Gastronomie-Kunden unterstützen, und die direkt an mich berichten. Der Handel Süd bleibt vorerst in meiner Verantwortung. Dadurch bekomme ich mehr Zeit für die strategischen Aufgaben im Unternehmen.
Getränke News: Wie geht es mit der Weismainer Brauerei weiter?
Goebel: Der Betrieb ist im Bereich Produktion und Abfüllung sehr gut aufgestellt. Dadurch konnten wir im ersten Schritt unsere Braukapazitäten erweitern. Nun sind wir dabei, die Weismainer Brauerei in unsere Strukturen zu integrieren. Wir konnten bereits Synergien durch den gemeinsamen Einkauf, das gemeinsame Marketing und den Vertrieb heben. Außerdem haben wir nun mit dem Weismainer-Mineralbrunnen und der Libella-Konzession ein AfG-Sortiment, das enorm spannend ist und mit dem wir noch einiges vorhaben. Das ist aber eher ein Ausdauerlauf und kein Sprint.
Getränke News: Das heißt, den Vertrieb von Weismainer hat jetzt die Brauerei Maisel übernommen?
Schimmele: Die Weismainer Brauerei hat nach wie vor eine eigene Feldmannschaft, die das Weismainer Sortiment vertreibt.
Getränke News: Einige Artikel der Weismainer Brauerei gibt es seit der Übernahme nicht mehr. Wird das Sortiment weiter bereinigt?
Schimmele: Wir haben einige Randartikel aus dem Sortiment genommen, um die Komplexität zu reduzieren. Weismainer hatte zuvor drei verschiedene Pilsbiere im Portfolio, jetzt nur noch zwei. Es wird weiterhin ein Helles und Weißbiere von Weismainer geben, obwohl wir bereits mit Maisel‘s Weisse und Bayreuther Hell sehr gut aufgestellt sind. Mit dem Weismainer Sortiment haben wir eine gute Ergänzung unseres Portfolios. So zum Beispiel den dunklen Bock, der auch sehr erfolgreich exportiert wird. Wir sehen bei einigen Weismainer Bieren auch Potenziale über das Kerngebiet hinaus. Daran arbeiten wir, denn wir glauben an fränkische Bierspezialitäten.
Getränke News: Stichwort Wachstum und Kapazitäten: Wie geht es mit dem Neubau der Brauerei in Bayreuth voran?
Goebel: Wir haben von der Stadt Bayreuth eine Baugenehmigung erteilt bekommen, die nach wie vor Gültigkeit hat. Die Erschließung des Geländes ist bis auf den Strom abgeschlossen. Es gibt bereits eine Zufahrt und eine Wasserversorgung. Die Gerichtsverhandlung für die eingereichten Klagen gegen die Stadt wegen unseres Bauvorhabens ist in wenigen Wochen. Wir sind nach wie vor zuversichtlich, dass wir das Bayreuther Brauhaus bauen dürfen, und haben die Zeit intensiv genutzt und die Planungen intensiviert. Wir wollen im Frühjahr mit dem Bau beginnen und rechnen Ende 2026 mit ersten Inbetriebnahme-Tests.
Getränke News: Bei Weismainer wurde das Sortiment bereinigt, Komplexität reduziert. Sie leisten sich aber nach wie vor mit Maisel & Friends eine kleine Craftbier-Marke. Wie passt das zusammen?
Schimmele: Wir sind mit Maisel & Friends in den letzten Jahren zweistellig gewachsen und gewinnen mehr und mehr Bierliebhaber, auch in Deutschland. Es ist ein zartes Pflänzchen mit Potenzial. Wir glauben nach wie vor an die Marke und werden sie behutsam nach vorne entwickeln.
Getränke News: Sie glauben also nach wie vor an den Erfolg von Craftbieren in Deutschland?
Goebel: Wir bezeichnen unsere Maisel & Friends-Biere viel lieber als moderne Bierspezialitäten, nicht als Craftbiere. Sie sind geschmacklich nicht zu kompliziert und damit gut trinkbar. Hinzu kommt, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Gebraut werden sie größtenteils in der Maisel & Friends Brauwerkstatt, die direkt vom Restaurant Liebesbier aus einsehbar ist. So können Gäste das Brauhandwerk live erleben. Unter der Marke Maisel & Friends können wir kreativ sein und Neues probieren. So werden wir auch in diesem Jahr neue limitierte Sorten auf den Markt bringen und eine neue Serie starten, die jeweils nur mit einer Hopfensorte gebraut wird. Das Projekt „Hoplander“ starten wir gemeinsam mit dem Hopfenspezialisten Barth Haas, der auch auf dem Etikett zu sehen ist.
Getränke News: Wie geht es mit dem Hellbier-Markt weiter? Ist hier der Zenit bereits überschritten?
Schimmele: Das glaube ich nicht. Wir werden aber auch hier kein endloses Wachstum mehr sehen. Vielleicht gibt es in ein paar Jahren einen Trend hin zu einer anderen Biersorte. Das ist schwer zu prognostizieren. Noch glauben wir aber an den Hellbiermarkt und rechnen mit weiterem Wachstum für die Hellen mit authentischem bayerischem Absender.
Getränke News: Sie führen gerade mit Bayreuther Urstoff eine neue Sorte ein. Ein Pendant zu Augustiner Edelstoff?
Goebel: Die neue Sorte Urstoff ist vollmundiger und kräftiger im Geschmack und hat etwas mehr Alkohol als Bayreuther Hell. Es ist ein Bier wie man es früher gebraut hat, ein traditionelles Spezial. Preislich ist es etwas höher positioniert als unser Helles. Wir haben es seit Mai mit einigen Kunden erfolgreich in Getränkefachmärkten getestet und sind damit seit Oktober in der Gastronomie. Anfang nächsten Jahres gehen wir auch im Getränkefachhandel mit Urstoff in eine deutlich stärkere nationale Vermarktung. Die neue Sorte soll unser Sortiment abrunden.
Getränke News: Was ist mit Weißbier? Wo geht hier die Reise hin?
Schimmele: Der Weißbiermarkt ist ebenso wie der Pilsmarkt unter Druck. Dennoch wird es in den nächsten Jahren einen ausreichend großen Markt für Weißbier geben. Wir werden weiterhin eine gewisse Vielfalt anbieten und glauben, dass wir uns in diesem Segment positiv entwickeln können.
Getränke News: Sie planen trotz rückläufigem Biermarkt in den nächsten Jahren mit Wachstum?
Goebel: Wir arbeiten sowohl bei Maisel, bei der Bayreuther Bierbrauerei und bei der Weismainer Brauerei an vielen spannenden Ideen, von denen schon bald die ersten umgesetzt werden. Und ja, wir wollen weiter wachsen.