Bitburger Fassbrause
Anzeige
Alle Nachrichten auf Getränke News durchsuchen
„Wir müssen Mehrweg europäisch denken“
Logipack

„Wir müssen Mehrweg europäisch denken“

Getränke in Einwegverpackungen kommen zunehmend unter Druck: Seit 1. Januar gilt die Erweiterung der Einweg-Pfandpflicht und der Gesetzgeber plant weitere Maßnahmen zur Anhebung der Mehrwegquote. Getränke News sprach mit Torsten Hiller, Geschäftsführer von Logipack, über die Zukunft des deutschen Mehrwegsystems. Hiller ist seit über 30 Jahren in führenden Positionen in der Getränkewirtschaft tätig, seit 2006 als Geschäftsführer von Logipack, einem Dienstleister entlang der Mehrweg-Lieferkette.  


Torsten Hiller, Geschäftsführer Logipack
Torsten Hiller (Foto: Logipack)

Getränke News: Die Mehrwegquote soll rauf. Was wäre effektiver? Mehrweg-Quoten für den Handel oder eine Steuer/Lenkungsabgabe für Einweg?

Hiller: Eine verpflichtende Mehrwegquote würde die Zielsetzung die Mehrwegquote zu erhöhen sehr stark unterstützen. In Österreich wird ab 2024 eine verpflichtende Mehrwegquote für Handels-Outlets, die über 400 m² Verkaufsfläche haben, eingeführt. Mit einer solchen Verpflichtung wird die Mehrwegquote signifikant steigen.

Mit einer Lenkungsabgabe auf Einweg bestehen zusätzliche Chancen, die Quote zu steigern, wenn das Geld zielgerichtet in die Förderung der Mehrwegsysteme fließt.

Getränke News: Inwieweit wird sich die seit 1. Januar geltende erweiterte Pfandpflicht positiv auf das Mehrwegsystem auswirken?

Hiller: Es werden deutlich weniger Einwegflaschen in der Umwelt, dem Hausmüll oder gelben Sack landen. Die heutige Pfand-Kennzeichnung auf Einwegflaschen ist nicht eindeutig genug. Hier sollte klar gekennzeichnet sein, dass es sich um eine Einwegflasche handelt, die mit 25 Cent Einwegpfand belegt wird. Aktuell ist auf dem Etikett in der Regel lediglich das DPG-Pfandlogo zu sehen. Viele Verbraucher nehmen das nicht wahr und entsorgen die Flaschen in alter Gewohnheit im gelben Sack oder im Müll. Für die Inverkehrbringer ein gutes Geschäft: Jede Flasche, die nicht zurückgegeben wird, bringt 25 Cent Pfandschlupf. Hier bleiben Millionenbeträge bei den Inverkehrbringern, die die Konsumenten beim Kauf entrichtet haben.

Dass weinhaltige Getränke wie Cider nach wie vor von der Pfandpflicht ausgeschlossen sind, ist für das Mehrwegsystem eine große Belastung. Viele dieser Einwegglasflaschen landen aus Unwissen im Mehrwegkreislauf und müssen dann aufwendig und ohne Pfandersatz entsorgt werden. Das belastet das Mehrwegsystem unnötig.

Getränke News: Die letzten Jahre gab es immer wieder Engpässe beim Mehrweg-Leergut und in der Logistik. Kann eine höhere Mehrwegquote überhaupt gemanagt werden?

Hiller: Mit der hohen Anzahl von eingesetzten Individualkästen und Individualflaschen könnte das Mehrwegsystem in der Tat an seine Grenzen stoßen. Diese hohe Individualisierung belastet in den Spitzenzeiten die Sortierung in der Getränkelogistik massiv. Um eine höhere Mehrwegquote managen zu können, benötigen wir eine höhere Standardisierung von gesteuerten Kisten- und Flaschen-Pools.

Insbesondere die Multipacks sollten in neutralen Kisten geliefert werden. Warum werden die großen Mengen an Sixpacks in individualisierten Markenkisten transportiert? Der Konsument bekommt diese Kiste fast nie zu sehen. Die Sixpacks werden ins Regal geräumt, die Kiste verschwindet anschließend im Lager, muss aber später wieder genau zu der Brauerei zurück, von der sie kommt. Wenn das grundsätzlich neutrale gesteuerte Poolkiste wären, könnten sie von jeder Brauerei genutzt werden und die Transportwege würden sich massiv reduzieren. Es wird deutlich, dass die Individualität völlig überflüssig ist, das sollte sich die Branche aus Nachhaltigkeitsgründen, der zunehmend angespannten Frachtraumknappheit und der Entlastung des Mehrwegsystems nicht länger leisten.

Kostenloser wöchentlicher Newsletter

Getränke News: Was trägt Logipack zur Standardisierung bei?

Hiller: Unser Motto lautet: „Mehrweg einfach machen!“ Mit unseren neutralen gesteuerten Poolkisten- und Traysystemen bieten wir seit 16 Jahren eine optimale Alternative zum Individualgebinde und tragen damit kontinuierlich zur Standardisierung des Mehrwegsystems bei. Welcher Vorteil darin für die Getränkelogistik und die Mehrweg-Supply-Chain steckt, erkennen viele in der Branche leider noch nicht.

Wenn die Hersteller, die unsere neutralen Mehrwegpoolkisten nutzen, stattdessen individuelle Kisten nutzen würden, müssten die Logistiker jede dieser Individualkisten separieren und extra Leergutplätze bereitstellen.

Wir freuen uns sehr, dass wir in den letzten Jahren auch immer mehr große Markenartikler von der Sinnhaftigkeit unseres neutralen Systems überzeugen konnten. Heute werden bereits über 1.600 Produkte in unseren Systemkomponenten vermarktet. So werden seit Jahren beispielsweise die Multipacks von Gösser Naturradler mit unserem Kastensystem nach Deutschland exportiert und sehr erfolgreich vermarktet, ohne Individualflaschen und ohne Individualkisten einzusetzen.

Getränke News: Stichwort Leergutmangel: Könnte das Problem mit einem funktionierenden Mehrwegflaschen-Pool in den Griff zu bekommen sein?

Hiller: Ich bin überzeugt, dass das Mehrwegsystem langfristig mit gesteuerten Flaschen-Pools, wie den Pools der Gemema, deutlich besser gemanagt werden kann. Gesteuerte Pools funktionieren jedoch nur mit dem Erreichen einer kritischen Masse, die in weiten Teilen schon durch die Teilnahme der vier großen Initiatoren der Gemema erreicht werden.

Sehr positiv ist die Bekanntgabe, dass die Störtebeker Braumanufaktur als erste mittelständische Brauerei dem neu gegründeten Pool der Gemema beitritt. Es ist für das Mehrwegsystem wichtig, dass sich möglichst viele Getränkehersteller anschließen. Je mehr mitmachen, desto fitter und optimierter stellt sich das Mehrwegsystem für die zukünftigen Herausforderungen auf.

Wir müssen beim Mehrwegsystem europäischer denken, um mit der Steuerung von standardisierten Mehrwegkisten und Flaschen auch grenzüberschreitend agieren zu können. Darin liegen riesige Chancen zur Vermeidung von Verpackungsmüll und CO². In vielen europäischen Märkten laufen bereits Vorbereitungen zur Einführung von Pfandsystemen im Rahmen des Green Deals. Diese Märkte orientieren sich hierbei sehr stark an den funktionierenden deutschen Systemen.

Wir haben jetzt die Chance aus einem starken deutschen Mehrwegsystem heraus Impulse zu setzen, um Systeme auf europäischer Ebene zu standardisieren. Hier sind die Mehrwegpools der Obst- und Gemüsekisten beispielhaft, die seit Jahrzehnten in ganz Europa in standardisierten Mehrwegpools sehr effizient funktionieren.

Getränke News: Von einigen kleineren Brauereien gibt es die Forderungen nach höheren Flaschen-Pfandsätzen. Die letzte Pfandsatzerhöhung liegt in der Tat 40, 50 Jahre zurück. Ist eine Erhöhung notwendig?

Hiller: Eine Erhöhung der Mehrwegflaschen-Pfandsätze wäre eine völlig falsche Entscheidung und würde das Mehrwegsystem schwächen. Das Pfand muss deutlich unter dem Wiederbeschaffungspreis der Flaschen liegen. Läge das Flaschenpfand beispielsweise bei 10 Cent und der Neupreis der Flasche bei 11 Cent, dann würden sich die Getränkehersteller lieber eine neue Flasche kaufen als die genutzte Flasche im Mehrwegprozess zurückzuholen.

Damit das Mehrwegsystem funktioniert, darf die Differenz von Pfand und Flaschenpreis nicht zu gering sein, da die Flaschenpools sonst „überlaufen“.

Getränke News: Und wie sieht es mit den Pfandsätzen auf die Kästen aus?

Hiller: Das ist ein anderes Thema. Hier ist das Pfand heute definitiv zu niedrig. Eine Bierkiste kostet die Brauerei zwischen 4,50 und 7 Euro im Einkauf. Das Pfand liegt aber nur bei 1,50 Euro. Tatsache ist: Viele Kisten regionaler Hersteller, die in Ferngebiete liefern, kommen aufgrund der geringen Pfandwerte nicht zurück. Wenn zum Beispiel ein bayerischer Brauer vier Paletten Bier nach Berlin oder Hamburg ausliefert, kommen von den 160 Kästen mit Glück 80 zurück. Hier sind für die Logistiker die Kosten für den Rücktransport und das Handling dieser geringen Mengen zu hoch und der Pfandersatz zu gering. Bei dieser Art der Distribution würden auch neutrale Ladungsträger helfen.

Getränke News: Die Mehrweg-Getränkelogistik ist heute bereits am Limit. Ein großer Getränkelogistiker hat uns berichtet, dass 50 Prozent der Artikel für nicht einmal ein Prozent seines Absatzes stünden. Listet der Handel zu viel ein?

Hiller: Der Handel benötigt eine große Sortimentsbreite in der Warengruppe Getränke. Um diese Vielfalt künftig anbieten zu können, ohne dass das Mehrwegsystem überlastet wird, sollte deutlich prozessorientierter kalkuliert werden. Das heißt, der Mehraufwand durch Individualität bzw. der niedrigere Aufwand durch Standardisierung sollten sich in den Prozesskostenberechnungen bei der Belieferung durch den Streckenlieferanten niederschlagen.

Wenn beispielsweise die Multipacks in standardisierten Poolkisten geliefert werden, ist die Leergutsortierung deutlich effizienter. Statt für jede Markenkiste einen eigenen Leergutplatz bereitzustellen, gibt es lediglich zwei Leergutplätze: einen für die 24er Kästen und einen für die 20er Kästen. Damit werden die Komplexität und die Kosten deutlich reduziert und an dieser Kostenreduktion könnten die Kunden artikelbezogen beteiligt werden.

Des Weiteren haben die Logistiker in unserem Cycle Prozess keinerlei Kosten für die Rückführung des Leergutes, da wir als Systembetreiber national die kontinuierliche Abholung und Entpfandung aller Logipack Mehrwegsysteme kostenlos für die Getränkelogistiker oder LEH Zentrallager gewährleisten.

Getränke News: Wo steht das Mehrwegsystem in fünf Jahren? Welche Rolle spielt Logipack dabei?

Hiller: Ich bin überzeugt, dass die Mehrwegquoten in den nächsten Jahren deutlich steigen. Wir werden weniger Individualgebinde und mehr gesteuerte Kisten- und Flaschenpools haben. Unser Logipack-System wird einen wichtigen Anteil an dieser positiven Entwicklung für die Umwelt haben und in fünf Jahren den Standard für die Distribution von Mehrweg-Multipacks abbilden. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den angrenzenden europäischen Ländern.


Über Logipack

Logipack bietet Dienstleistungen entlang der Mehrweggetränke-Lieferkette an, wie die Nutzung neutraler Ladungsträger-Pools, die Flaschen-Feinsortierung, die Systemlogistik sowie Verpackungs- und Rampendienstleistungen. Das Logipack-System wird von Getränkeherstellern in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg genutzt.

Logipack wurde 2006 gegründet und gehört seit 2010 zur Unternehmensgruppe Kontor N, einem Zusammenschluss der vier Unternehmen Störtebeker Braumanufaktur, Beckröge, Logipack und Raum & Gast unter der Führung und im Besitz von Jürgen Nordmann. Logipack beschäftigt 94 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 53 Millionen Euro. Das Unternehmen betreibt fünf Leergut- und Verpackungszentren. Über 200 Getränkehersteller nutzen mehr als sechs Millionen Logipack-Poolmehrwegkisten und -Trays und distribuieren damit über 1.600 Produkte.

Kostenloser wöchentlicher Newsletter
„Wir müssen Mehrweg europäisch denken“
Logipack

„Wir müssen Mehrweg europäisch denken“

Getränke in Einwegverpackungen kommen zunehmend unter Druck: Seit 1. Januar gilt die Erweiterung der Einweg-Pfandpflicht und der Gesetzgeber plant weitere Maßnahmen zur Anhebung der Mehrwegquote. Getränke News sprach mit Torsten Hiller, Geschäftsführer von Logipack, über die Zukunft des deutschen Mehrwegsystems. Hiller ist seit über 30 Jahren in führenden Positionen in der Getränkewirtschaft tätig, seit 2006 als Geschäftsführer von Logipack, einem Dienstleister entlang der Mehrweg-Lieferkette.  


Torsten Hiller, Geschäftsführer Logipack
Torsten Hiller (Foto: Logipack)

Getränke News: Die Mehrwegquote soll rauf. Was wäre effektiver? Mehrweg-Quoten für den Handel oder eine Steuer/Lenkungsabgabe für Einweg?

Hiller: Eine verpflichtende Mehrwegquote würde die Zielsetzung die Mehrwegquote zu erhöhen sehr stark unterstützen. In Österreich wird ab 2024 eine verpflichtende Mehrwegquote für Handels-Outlets, die über 400 m² Verkaufsfläche haben, eingeführt. Mit einer solchen Verpflichtung wird die Mehrwegquote signifikant steigen.

Mit einer Lenkungsabgabe auf Einweg bestehen zusätzliche Chancen, die Quote zu steigern, wenn das Geld zielgerichtet in die Förderung der Mehrwegsysteme fließt.

Getränke News: Inwieweit wird sich die seit 1. Januar geltende erweiterte Pfandpflicht positiv auf das Mehrwegsystem auswirken?

Hiller: Es werden deutlich weniger Einwegflaschen in der Umwelt, dem Hausmüll oder gelben Sack landen. Die heutige Pfand-Kennzeichnung auf Einwegflaschen ist nicht eindeutig genug. Hier sollte klar gekennzeichnet sein, dass es sich um eine Einwegflasche handelt, die mit 25 Cent Einwegpfand belegt wird. Aktuell ist auf dem Etikett in der Regel lediglich das DPG-Pfandlogo zu sehen. Viele Verbraucher nehmen das nicht wahr und entsorgen die Flaschen in alter Gewohnheit im gelben Sack oder im Müll. Für die Inverkehrbringer ein gutes Geschäft: Jede Flasche, die nicht zurückgegeben wird, bringt 25 Cent Pfandschlupf. Hier bleiben Millionenbeträge bei den Inverkehrbringern, die die Konsumenten beim Kauf entrichtet haben.

Dass weinhaltige Getränke wie Cider nach wie vor von der Pfandpflicht ausgeschlossen sind, ist für das Mehrwegsystem eine große Belastung. Viele dieser Einwegglasflaschen landen aus Unwissen im Mehrwegkreislauf und müssen dann aufwendig und ohne Pfandersatz entsorgt werden. Das belastet das Mehrwegsystem unnötig.

Getränke News: Die letzten Jahre gab es immer wieder Engpässe beim Mehrweg-Leergut und in der Logistik. Kann eine höhere Mehrwegquote überhaupt gemanagt werden?

Hiller: Mit der hohen Anzahl von eingesetzten Individualkästen und Individualflaschen könnte das Mehrwegsystem in der Tat an seine Grenzen stoßen. Diese hohe Individualisierung belastet in den Spitzenzeiten die Sortierung in der Getränkelogistik massiv. Um eine höhere Mehrwegquote managen zu können, benötigen wir eine höhere Standardisierung von gesteuerten Kisten- und Flaschen-Pools.

Insbesondere die Multipacks sollten in neutralen Kisten geliefert werden. Warum werden die großen Mengen an Sixpacks in individualisierten Markenkisten transportiert? Der Konsument bekommt diese Kiste fast nie zu sehen. Die Sixpacks werden ins Regal geräumt, die Kiste verschwindet anschließend im Lager, muss aber später wieder genau zu der Brauerei zurück, von der sie kommt. Wenn das grundsätzlich neutrale gesteuerte Poolkiste wären, könnten sie von jeder Brauerei genutzt werden und die Transportwege würden sich massiv reduzieren. Es wird deutlich, dass die Individualität völlig überflüssig ist, das sollte sich die Branche aus Nachhaltigkeitsgründen, der zunehmend angespannten Frachtraumknappheit und der Entlastung des Mehrwegsystems nicht länger leisten.

Kostenloser wöchentlicher Newsletter

Getränke News: Was trägt Logipack zur Standardisierung bei?

Hiller: Unser Motto lautet: „Mehrweg einfach machen!“ Mit unseren neutralen gesteuerten Poolkisten- und Traysystemen bieten wir seit 16 Jahren eine optimale Alternative zum Individualgebinde und tragen damit kontinuierlich zur Standardisierung des Mehrwegsystems bei. Welcher Vorteil darin für die Getränkelogistik und die Mehrweg-Supply-Chain steckt, erkennen viele in der Branche leider noch nicht.

Wenn die Hersteller, die unsere neutralen Mehrwegpoolkisten nutzen, stattdessen individuelle Kisten nutzen würden, müssten die Logistiker jede dieser Individualkisten separieren und extra Leergutplätze bereitstellen.

Wir freuen uns sehr, dass wir in den letzten Jahren auch immer mehr große Markenartikler von der Sinnhaftigkeit unseres neutralen Systems überzeugen konnten. Heute werden bereits über 1.600 Produkte in unseren Systemkomponenten vermarktet. So werden seit Jahren beispielsweise die Multipacks von Gösser Naturradler mit unserem Kastensystem nach Deutschland exportiert und sehr erfolgreich vermarktet, ohne Individualflaschen und ohne Individualkisten einzusetzen.

Getränke News: Stichwort Leergutmangel: Könnte das Problem mit einem funktionierenden Mehrwegflaschen-Pool in den Griff zu bekommen sein?

Hiller: Ich bin überzeugt, dass das Mehrwegsystem langfristig mit gesteuerten Flaschen-Pools, wie den Pools der Gemema, deutlich besser gemanagt werden kann. Gesteuerte Pools funktionieren jedoch nur mit dem Erreichen einer kritischen Masse, die in weiten Teilen schon durch die Teilnahme der vier großen Initiatoren der Gemema erreicht werden.

Sehr positiv ist die Bekanntgabe, dass die Störtebeker Braumanufaktur als erste mittelständische Brauerei dem neu gegründeten Pool der Gemema beitritt. Es ist für das Mehrwegsystem wichtig, dass sich möglichst viele Getränkehersteller anschließen. Je mehr mitmachen, desto fitter und optimierter stellt sich das Mehrwegsystem für die zukünftigen Herausforderungen auf.

Wir müssen beim Mehrwegsystem europäischer denken, um mit der Steuerung von standardisierten Mehrwegkisten und Flaschen auch grenzüberschreitend agieren zu können. Darin liegen riesige Chancen zur Vermeidung von Verpackungsmüll und CO². In vielen europäischen Märkten laufen bereits Vorbereitungen zur Einführung von Pfandsystemen im Rahmen des Green Deals. Diese Märkte orientieren sich hierbei sehr stark an den funktionierenden deutschen Systemen.

Wir haben jetzt die Chance aus einem starken deutschen Mehrwegsystem heraus Impulse zu setzen, um Systeme auf europäischer Ebene zu standardisieren. Hier sind die Mehrwegpools der Obst- und Gemüsekisten beispielhaft, die seit Jahrzehnten in ganz Europa in standardisierten Mehrwegpools sehr effizient funktionieren.

Getränke News: Von einigen kleineren Brauereien gibt es die Forderungen nach höheren Flaschen-Pfandsätzen. Die letzte Pfandsatzerhöhung liegt in der Tat 40, 50 Jahre zurück. Ist eine Erhöhung notwendig?

Hiller: Eine Erhöhung der Mehrwegflaschen-Pfandsätze wäre eine völlig falsche Entscheidung und würde das Mehrwegsystem schwächen. Das Pfand muss deutlich unter dem Wiederbeschaffungspreis der Flaschen liegen. Läge das Flaschenpfand beispielsweise bei 10 Cent und der Neupreis der Flasche bei 11 Cent, dann würden sich die Getränkehersteller lieber eine neue Flasche kaufen als die genutzte Flasche im Mehrwegprozess zurückzuholen.

Damit das Mehrwegsystem funktioniert, darf die Differenz von Pfand und Flaschenpreis nicht zu gering sein, da die Flaschenpools sonst „überlaufen“.

Getränke News: Und wie sieht es mit den Pfandsätzen auf die Kästen aus?

Hiller: Das ist ein anderes Thema. Hier ist das Pfand heute definitiv zu niedrig. Eine Bierkiste kostet die Brauerei zwischen 4,50 und 7 Euro im Einkauf. Das Pfand liegt aber nur bei 1,50 Euro. Tatsache ist: Viele Kisten regionaler Hersteller, die in Ferngebiete liefern, kommen aufgrund der geringen Pfandwerte nicht zurück. Wenn zum Beispiel ein bayerischer Brauer vier Paletten Bier nach Berlin oder Hamburg ausliefert, kommen von den 160 Kästen mit Glück 80 zurück. Hier sind für die Logistiker die Kosten für den Rücktransport und das Handling dieser geringen Mengen zu hoch und der Pfandersatz zu gering. Bei dieser Art der Distribution würden auch neutrale Ladungsträger helfen.

Getränke News: Die Mehrweg-Getränkelogistik ist heute bereits am Limit. Ein großer Getränkelogistiker hat uns berichtet, dass 50 Prozent der Artikel für nicht einmal ein Prozent seines Absatzes stünden. Listet der Handel zu viel ein?

Hiller: Der Handel benötigt eine große Sortimentsbreite in der Warengruppe Getränke. Um diese Vielfalt künftig anbieten zu können, ohne dass das Mehrwegsystem überlastet wird, sollte deutlich prozessorientierter kalkuliert werden. Das heißt, der Mehraufwand durch Individualität bzw. der niedrigere Aufwand durch Standardisierung sollten sich in den Prozesskostenberechnungen bei der Belieferung durch den Streckenlieferanten niederschlagen.

Wenn beispielsweise die Multipacks in standardisierten Poolkisten geliefert werden, ist die Leergutsortierung deutlich effizienter. Statt für jede Markenkiste einen eigenen Leergutplatz bereitzustellen, gibt es lediglich zwei Leergutplätze: einen für die 24er Kästen und einen für die 20er Kästen. Damit werden die Komplexität und die Kosten deutlich reduziert und an dieser Kostenreduktion könnten die Kunden artikelbezogen beteiligt werden.

Des Weiteren haben die Logistiker in unserem Cycle Prozess keinerlei Kosten für die Rückführung des Leergutes, da wir als Systembetreiber national die kontinuierliche Abholung und Entpfandung aller Logipack Mehrwegsysteme kostenlos für die Getränkelogistiker oder LEH Zentrallager gewährleisten.

Getränke News: Wo steht das Mehrwegsystem in fünf Jahren? Welche Rolle spielt Logipack dabei?

Hiller: Ich bin überzeugt, dass die Mehrwegquoten in den nächsten Jahren deutlich steigen. Wir werden weniger Individualgebinde und mehr gesteuerte Kisten- und Flaschenpools haben. Unser Logipack-System wird einen wichtigen Anteil an dieser positiven Entwicklung für die Umwelt haben und in fünf Jahren den Standard für die Distribution von Mehrweg-Multipacks abbilden. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den angrenzenden europäischen Ländern.


Über Logipack

Logipack bietet Dienstleistungen entlang der Mehrweggetränke-Lieferkette an, wie die Nutzung neutraler Ladungsträger-Pools, die Flaschen-Feinsortierung, die Systemlogistik sowie Verpackungs- und Rampendienstleistungen. Das Logipack-System wird von Getränkeherstellern in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg genutzt.

Logipack wurde 2006 gegründet und gehört seit 2010 zur Unternehmensgruppe Kontor N, einem Zusammenschluss der vier Unternehmen Störtebeker Braumanufaktur, Beckröge, Logipack und Raum & Gast unter der Führung und im Besitz von Jürgen Nordmann. Logipack beschäftigt 94 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 53 Millionen Euro. Das Unternehmen betreibt fünf Leergut- und Verpackungszentren. Über 200 Getränkehersteller nutzen mehr als sechs Millionen Logipack-Poolmehrwegkisten und -Trays und distribuieren damit über 1.600 Produkte.

Kostenloser wöchentlicher Newsletter
Anzeige

Serie


© Getränke News 2018 - 2022