Bei Behn ist die fünfte Generation am Start: Lisa Behn hat, zusammen mit ihrem Cousin Asmus, zu Jahresbeginn die Geschäftsführung des Spirituosenherstellers und Getränkefachgroßhändlers aus Eckernförde übernommen. Wie fühlt es sich an, in schweren Zeiten Verantwortung zu übernehmen, wo liegen die größten Herausforderungen, und was soll sich unter der neuen Leitung ändern? Darüber sprach die Jungunternehmerin im Interview mit Getränke News.
Getränke News: Der Getränkemarkt ist seit Jahren krisengebeutelt, sowohl der Fachhandel als auch die Spirituosenhersteller stehen vor großen Problemen. Wann sind Sie zu dem Entschluss gekommen, das Unternehmen Ihres Vaters und Onkels trotz der schwierigen Zeiten zu übernehmen?
Behn: Das ist schon lange her. Mein Cousin Asmus und ich konnten uns schon, als wir ungefähr 15 und 17 Jahre alt waren, vorstellen, die Führung zu übernehmen. Wir haben beide ältere Geschwister, die aber andere Pläne hatten. Damals war unsere Entscheidung natürlich noch nicht in Stein gemeißelt, aber wir haben unsere Wege so ausgerichtet, dass es eine Option sein konnte.
Getränke News: Welche Gründe waren letztlich für Ihren Entschluss ausschlaggebend?
Behn: Unser Familienunternehmen besteht ja bereits seit 1892, und in dieser langen Geschichte ging es auch nicht immer nur bergauf. Unsere Vorfahren und auch unsere Väter haben die Firma immer wieder durch Krisen geführt. Wer Unternehmer sein will, braucht immer Mut und Zuversicht. Die haben mein Cousin und ich. Wir sind eben von der Unternehmerfamilie geprägt, und unsere Väter haben uns das sehr positiv vorgelebt, so dass wir wirklich Lust haben, Verantwortung zu übernehmen. In dem uns möglichen Rahmen möchten wir zu einer starken Wirtschaft beitragen, ein guter Arbeitgeber sein und Zukunft mitgestalten.
Getränke News: Wie fühlt sich das an, wenn man als Vertreterin der fünften Generation an die Spitze eines Familienunternehmens tritt?
Behn: Bei der Frage bekomme ich wirklich gerade Gänsehaut, denn da kommen starke Gefühle auf. Asmus und ich haben viel Respekt vor der Leistung früherer Generationen, vor allem unserer Väter. Sie haben ein großes Lebenswerk hinterlassen: Als sie vor über 40 Jahren das Unternehmen übernahmen, stand Behn noch lange nicht so gut da wie heute. Das gibt uns auch Respekt vor unserer Aufgabe, immerhin tragen wir die Verantwortung für 400 Kolleginnen und Kollegen und ihre Familien.
Und wir sind sehr stolz, dass unsere Väter an uns glaubten, und darauf, dass wir das Unternehmen eines Tages in die sechste Generation führen können.
Ein drittes Gefühl ist Zuversicht, denn wir müssen die Herausforderungen ja nicht allein lösen. Mein Cousin und ich haben sehr unterschiedliche Stärken und sind damit füreinander sehr gute Sparringspartner. Zudem haben wir unser großartiges Behn-Team im Hintergrund mit viel Wissen und Erfahrung, das immer mitzieht.

Getränke News: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?
Behn: Beide Unternehmensteile – der Getränkefachgroßhandel Behn Getränke und der Spirituosenhersteller Waldemar Behn – leiden natürlich, wie derzeit auch andere Teile der Wirtschaft, unter steigenden Preisen. Die allgemeine Kaufzurückhaltung ist deutlich zu spüren, die Leute achten auf ihr Portemonnaie, verbringen mehr Abende zu Hause als in der Gastronomie. Auch gesellige Veranstaltungen, wo zum Beispiel unser „Kleiner Feigling“ getrunken wird, sind seltener.
Getränke News: Jüngere Generationen trinken immer weniger Alkohol, zudem stehen alkoholische Getränke auch politisch und gesellschaftlich unter Beschuss …
Behn: Ja, der Langlebigkeitstrend ist für Alkoholhersteller eine Herausforderung. Gerade viele junge Leute tragen Smartwatches, und die zeigen ihnen ganz genau, was der Alkoholkonsum mit ihrem Körper macht. Und dann lesen sie regelmäßig in den Medien über Studien, die das ebenfalls thematisieren.
Was mir bei diesen Studien fehlt, ist die Frage: „Was macht der Verzicht auf Geselligkeit mit der mentalen Gesundheit?“ Man muss sich ja nicht gleich „abschießen“, aber in geselliger Runde sind schon viele Freundschaften, Beziehungen und sogar Ehen entstanden. Und zu Geselligkeit gehört Alkohol im Rahmen des verantwortungsvollen Genusses oft dazu.
Getränke News: Wie stellen Sie sich als Spirituosenunternehmen auf den rückläufigen Alkoholkonsum ein?
Behn: Laut Konsummusterstudie des BSI trinken etwa 21 Prozent der deutschen Bevölkerung gar keinen Alkohol, also schon jeder Fünfte. Wir müssen uns daher fragen: Wo und bei welchen Gelegenheiten trinken sie? Was trinken sie, wenn sie keinen Alkohol trinken? Selbstverständlich beschäftigen wir uns viel mit dem Thema „No & low“.
Den „Andalö Spritz“, der vor gut einem Jahr auf den Markt kam, haben wir bewusst als Low-Variante mit nur 5,3 Volumenprozent herausgebracht, die meisten Ready-to-drink-Produkte haben fast das Doppelte. Er ist ein Beispiel dafür, dass wir die junge Generation anders abholen.
Getränke News: Auch bei Danzka Vodka setzen Sie jetzt offenbar auf Ready-to-drinks …
Behn: Ja, Anfang April haben wir unter der Marke drei RTDs in der Dose auf den Markt gebracht, um diesen superspannenden Trend für uns zu nutzen.
Zum Mixen regen wir auch mit „Küstennebel“ an, der traditionell eher pur getrunken wird. Beim Herumprobieren haben wir festgestellt, dass der Anislikör hervorragend im Mix mit „Granini Pornstar“ schmeckt. Nach einem Ausschank bei unserem Betriebsfest war klar, dass das viele so sehen, und nun schlagen wir ihn aktiv unseren Kunden vor. Der Außendienst weist unsere Gastronomen auf das neue Geschmackserlebnis hin und auch auf Social Media ist der Mix ein Thema.
Auch da können wir Impulsgeber sein.

Getränke News: Ihre größte Marke ist nach wie vor der „Kleine Feigling“. Sie gibt es schon länger als 30 Jahre. Wie schaffen Sie es, die Marke immer wieder für junge Zielgruppen attraktiv zu machen?
Behn: Wie der Name schon sagt, wurde die Marke 1992 als Wodka mit Feige gegründet. Um junge Zielgruppen zu erreichen, haben wir den „Kleinen Feigling“ seit 2013 immer wieder durch neue Geschmackssorten und Sondereditionen ergänzt, wie jetzt zur Fußball-WM zum Beispiel mit der Variante „Cola-Kick“. In diesem Bereich sehen wir noch viel Potenzial.
Getränke News: Mit Ihrem Getränkefachgroßhandel beliefern Sie schwerpunktmäßig die Gastronomie, die allerdings in weiten Teilen in der Krise steckt. Wie begegnen Sie den Schwierigkeiten?
Behn: Wir sehen weiterhin viele Insolvenzen, Betreiberwechsel und andere schwierige Situationen. Es gibt aber durchaus auch Lichtblicke: Wir kennen viele Gastronomen, bei denen auch in schwierigen Zeiten das Geschäft brummt, weil sie professionell an die Sache herangehen und einen richtig guten Job machen.
Mit einer guten Dienstleistung können auch wir zum Erfolg unserer Kunden beitragen. Das beginnt bei der Belieferung damit, dass wir unsere Fahrer motivieren, die Ware bis in den Keller zu bringen, weil die Wirte das zeitlich und personell oft nicht unterbekommen. Zudem sehen wir uns aber auch als Berater, zum Beispiel darüber, welche Artikel die richtigen für die Kunden sind, womit sie eine Alleinstellung zeigen und mehr aus den Sortimenten herausholen können.
Getränke News: Zu Jahresbeginn ist Ihr neues Joint Venture mit Bartels-Langness, GLN Getränkelogistik Nord, an den Start gegangen. Welche Ziele verfolgen Sie damit?
Behn: Als Reaktion auf den verschärften Wettbewerb hat Rewe sich bekanntlich an Trinks beteiligt, Edeka plant eine Einkaufskooperation mit Getränke Hoffmann. Vor diesem Hintergrund ist auch unsere Kooperation mit Bela zu verstehen, die für beide Partner eine Win-Situation ist: Wir tragen unsere Expertise in der Getränkelogistik bei und bekommen dafür – statt kurzfristiger Lieferverträge – eine größere Planungssicherheit.
Zudem lernen wir viel über die Belieferung des LEH, und das nicht nur im direkten Umkreis, sondern in einem größeren Radius. Da wir nun alle Bela-Märkte beliefern, bewegen wir auch deutlich größere Mengen. Für uns ist die Gründung des Joint Ventures ein wichtiger strategischer Schritt, weil wir neben dem Gastronomie-Geschäft ein weiteres starkes Standbein im Handel aufbauen und in diesem Mix die Risiken besser streuen.
Getränke News: Ende Januar haben Sie zudem in Oeversee einen neuen Standort in Betrieb genommen, der den zweiten, zu klein gewordenen Firmensitz in Flensburg ersetzt …
Behn: Das war nur zufällig fast gleichzeitig, ist aber sehr hilfreich. Denn durch den Neubau können wir die höheren Mengen viel besser bewältigen.

Getränke News: Ein Generationswechsel ist ja immer auch eine Gelegenheit für Veränderungen. Was möchten Sie anders machen als die Generation vor Ihnen?
Behn: Wir wollen nicht per se Dinge anders machen, nur um sie anders zu machen. Im Laufe der Zeit verändern sich die Rahmenbedingungen, also muss jede Generation neue Wege gehen. Das war auch bei unseren Vätern so. Wir richten unser Tun auf das Ziel aus, das Unternehmen eines Tages gesund in die sechste Generation übergeben zu können.
Die Voraussetzungen sind schon deshalb gut, da wir auf drei Beinen stehen – oder wie wir sagen „auf drei Behnen“: Neben dem Spirituosenhersteller Waldemar Behn und dem GFGH Behn Getränke gehört zur Gruppe die Firma Nannerl, ein Hersteller von Spirituosen und Lebensmitteln mit Sitz in Anthering bei Salzburg. Diese breite Risikostreuung gibt uns viel Flexibilität und Gestaltungsspielraum.
Zur Person
Lisa Behn ist seit Jahresbeginn 2026 geschäftsführende Gesellschafterin der eng miteinander verzahnten Familienunternehmen Waldemar Behn GmbH (Spirituosenherstellung) und Behn Getränke GmbH (Getränkefachgroßhandel). Zusammen mit ihr trat ihr Cousin Asmus Behn an die Unternehmensspitze.
Lisa Behn wurde bereits nach dem Tod ihres Vaters Waldemar Behn im März 2023 Gesellschafterin beider Firmenteile. Zunächst durchlief sie in einem zweijährigen Trainee-Programm alle Abteilungen des Unternehmens. Ihr Cousin begann im Januar 2024 mit seiner Einarbeitung. Sein Vater Rüdiger Behn zog sich Anfang 2026 aus der Führung zurück.
Seit diesem Jahr leiten Lisa und Asmus Behn das Unternehmen in fünfter Generation als geschäftsführende Gesellschafter in einer Doppelspitze mit den bereits aktiven Geschäftsführern Jens Kundrun (Behn Getränke) und Philipp Fellmann (Waldemar Behn).
























































































