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AfG-Markt

Wie stark werden die Wassersprudler?

Die Nachricht sorgte in der Getränkebranche für Gesprächsstoff: Vor ziemlich genau einem Jahr kündigte Sodastream an, eine Sirup-Range der Limo- und Cola-Marken von Pepsico in den Handel zu bringen und damit „den Getränkemarkt in Deutschland mächtig umzukrempeln“, wie der Sprudlerhersteller es nannte. Eine Kampfansage insbesondere an die Mineralbrunnen, die Anbieter klassischer Erfrischungsgetränke und nicht zuletzt die Getränkefachhändler, die damit die Konkurrenz der Wassersprudler weiter erstarken sehen.

Tatsächlich hat sich seither in dem Segment einiges bewegt: Laut Erhebungen des Marktforschungsinstituts IRI legte der Umsatz der Kategorie allein im Jahr 2020 um 44 Prozent auf fast 166 Millionen Euro zu. Als einen Grund für den Kauf von Getränkesirupen sieht IRI-Getränkeexperte Aleksandar Adamovic das wachsende Umweltbewusstsein. Viele Verbraucher würden sich ihre Erfrischungsgetränke mit Sirup zubereiten, um weniger Flaschen zu verwenden und damit Verpackungsmüll zu sparen. Zudem stecke wohl auch ein Convenience-Gedanke hinter der Entscheidung für den Einsatz von Sprudlern: „Gerade in Städten, wo Parkplätze in der Nähe der Wohnung rar sind, sparen sich immer mehr Konsumenten das Kistenschleppen“, so Adamovic.

Vorläufiger Höhepunkt: der Markttest von Coca-Cola

Beide Trends haben inzwischen neue Anbieter auf den Plan gerufen: So brachten bereits im letzten Jahr weitere Limonadenhersteller ihre Getränke alternativ auch als Sirup auf den Markt, wie etwa im Mai 2020 Almdudler. Und die Geschichte geht 2021 weiter: Ende Februar meldete der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach, künftig mit dem Sprudler-Hersteller Sodapop zu kooperieren, der die Marken Afri und Bluna in Lizenz vertreiben wird. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte das Thema Anfang März mit dem Engagement des Branchenriesen Coca-Cola, der im Rahmen eines Pilotprojekts Sirupe von Fanta, Sprite und Mezzo Mix im Markt testet.

IRI-Chart
Die Marktdaten von IRI zeigen, dass die Sirupe besonders stark während der Lockdowns zulegen konnten.
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Die Corona-Krise hat der Kategorie einen weiteren Schub versetzt, wie die Dokumentation von IRI zeigt: Gerade während der Lockdown-Phasen schnellten die Umsätze in die Höhe: In den Kalenderwochen 9 bis 17/2020 legten die Sirupe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 42 Prozent sprunghaft zu, in den Wochen 49/2020 bis 7/2021 sogar um beinahe 49 Prozent. „Viele Menschen gehen nur so oft einkaufen wie unbedingt notwendig und wollen zudem so wenige verschiedene Geschäfte aufsuchen wie möglich“, erklärt IRI-Marktforscher Adamovic.

Bald eine feste Größe im Markt?

Für Sodastream geht damit die Rechnung auf: Die Markteinführung der Pepsico-Sirupe sei „sehr erfolgreich“ gewesen, freut sich Marc Steinebach, Sales-Direktor von Sodastream Deutschland und Österreich. Sie habe zu einem „regelrechten Nachfrageboom“ nach allen Sodastream-Produkten geführt, so der Vertriebschef. Die Sirupe seien vielerorts bereits nach kurzer Zeit ausverkauft gewesen. Auch für die Zukunft sind die Erwartungen hoch: Bei Sodastream sei man überzeugt, dass sich die Sirupe „zu einer festen Größe auf dem Getränkemarkt“ entwickeln werden.

Weniger dramatisch sehen offenbar die Hersteller „klassischer“ alkoholfreier Getränke die Entwicklung. Getränkesirupe zum Selbermixen seien „schon seit Jahrzehnten auf dem Markt“, wenn es auch inzwischen „weitere Konzepte und neue Anbieter“ gebe, kommentiert Dr. Detlef Groß, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands Wafg, das Marktgeschehen. Er hebt hervor, dass zugleich herkömmliche Erfrischungsgetränke eine große Vielfalt böten – nicht nur für den heimischen Konsum, sondern auch fürs Büro, für Reisen, beim Sport und in der Gastronomie.

Wachsende Akzeptanz von Leitungswasser steigert Erfolg

Im Getränkefachhandel indessen beobachtet man die Entwicklung sehr genau. Der Markteinstieg ins Sirup-Geschäft habe seinen Ursprung in der aktuell zunehmenden Akzeptanz von Leitungswasser als Trinkwasser, glaubt Dirk Reinsberg, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels. Sprudler-Hersteller, Wasserwerke und die Politik würden Konsumenten suggerieren, Leitungswasser sei „eine gleichwertige Alternative zu Mineralwasser“. Zusammen mit einem sich verändernden Kaufverhalten mache dies Getränke zum Selbermixen für manche Verbraucher attraktiv.

Dabei gingen viele bei dem Thema von falschen Voraussetzungen aus, meint Reinsberg. Abgesehen davon, dass Leitungs- und Mineralwasser „zwei grundverschiedene Produkte“ seien, erreiche ein selbstgemixtes Getränk seiner Meinung nach nicht dieselbe und vor allem nicht die gleichbleibende Qualität wie ein Fertiggetränk, gibt er zu bedenken. Nicht zuletzt sei der so oft hervorgehobene vermeintliche Umweltvorteil von Wassersprudlern bislang nicht bewiesen.

Am Ende entscheidet der Verbraucher

Noch gravierender als für den Handel dürften die Marktveränderungen indessen für die Mineralbrunnenbranche sein, die genau diese Konfliktfelder immer wieder beklagt, da jede Stärkung des Sprudlergeschäfts am Ende einen Rückgang des Mineralwasser-Absatzes bedeuten kann. Der Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) lehnte allerdings eine Stellungnahme zur Anfrage von Getränke News ab.

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In den letzten Monaten brachten unter anderem Coca-Cola, Afri und Almdudler Sirupe auf den Markt. (Fotos: Coca-Cola, Mineralbrunnen Überkingen-Teinach, Almdudler, Fotomontage GN)

Gedanken über die wachsende Kategorie macht sich derweil Axel Heidebrecht, Inhaber und Geschäftsführer der Fachmarktkette Getränkeland. Bislang sehe er die Kategorie noch nicht als „ernstzunehmendes Segment für Getränkefachmärkte“ an. Zumindest in dem meist eher ländlichen Raum, in dem seine Märkte angesiedelt sind, spiele das Problem des Kistenschleppens nicht so eine Rolle wie in Großstädten. Er will die Entwicklung dennoch aufmerksam verfolgen. Am Ende komme es darauf, die Wünsche der Kunden zu kennen. „Nur danach richten wir uns.“

Segment könnte den Markt nachhaltig verändern

Wie bedeutsam die Sirupe für den Markt noch werden, bleibt vorerst abzuwarten. Die steigende Auswahl an Sirupen mit Marken-Absender könnte allerdings auch den Sprudlergeräten noch ordentlich Auftrieb geben. Wie schnell sich das Wachstum vollzieht, dürfte auch davon abhängen, wie der Markttest von Coca-Cola ausgeht.

Sollte der Konzern seine Bemühungen in Richtung Sirup verstärken und neben den Limonaden vielleicht auch die Hauptmarke Coca-Cola als Sirup anbieten, würde das den Trend sicherlich noch einmal befeuern. Zusammen mit Sodastream, die den Druck im Markt in den letzten Jahren kräftig erhöht und die Pepsico-Sirupe seit Herbst letzten Jahres auch erstmals im Fernsehen beworben haben. Falls das Sortiment für noch mehr Verbraucher zu einer Alternative wird, könnte dies den Markt längerfristig verändern. Mit Folgen nicht nur für Erfrischungsgetränke-Hersteller und Brunnen, sondern für die gesamte Lieferkette.

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Wie stark werden die Wassersprudler?

Die Nachricht sorgte in der Getränkebranche für Gesprächsstoff: Vor ziemlich genau einem Jahr kündigte Sodastream an, eine Sirup-Range der Limo- und Cola-Marken von Pepsico in den Handel zu bringen und damit „den Getränkemarkt in Deutschland mächtig umzukrempeln“, wie der Sprudlerhersteller es nannte. Eine Kampfansage insbesondere an die Mineralbrunnen, die Anbieter klassischer Erfrischungsgetränke und nicht zuletzt die Getränkefachhändler, die damit die Konkurrenz der Wassersprudler weiter erstarken sehen.

Tatsächlich hat sich seither in dem Segment einiges bewegt: Laut Erhebungen des Marktforschungsinstituts IRI legte der Umsatz der Kategorie allein im Jahr 2020 um 44 Prozent auf fast 166 Millionen Euro zu. Als einen Grund für den Kauf von Getränkesirupen sieht IRI-Getränkeexperte Aleksandar Adamovic das wachsende Umweltbewusstsein. Viele Verbraucher würden sich ihre Erfrischungsgetränke mit Sirup zubereiten, um weniger Flaschen zu verwenden und damit Verpackungsmüll zu sparen. Zudem stecke wohl auch ein Convenience-Gedanke hinter der Entscheidung für den Einsatz von Sprudlern: „Gerade in Städten, wo Parkplätze in der Nähe der Wohnung rar sind, sparen sich immer mehr Konsumenten das Kistenschleppen“, so Adamovic.

Vorläufiger Höhepunkt: der Markttest von Coca-Cola

Beide Trends haben inzwischen neue Anbieter auf den Plan gerufen: So brachten bereits im letzten Jahr weitere Limonadenhersteller ihre Getränke alternativ auch als Sirup auf den Markt, wie etwa im Mai 2020 Almdudler. Und die Geschichte geht 2021 weiter: Ende Februar meldete der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach, künftig mit dem Sprudler-Hersteller Sodapop zu kooperieren, der die Marken Afri und Bluna in Lizenz vertreiben wird. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte das Thema Anfang März mit dem Engagement des Branchenriesen Coca-Cola, der im Rahmen eines Pilotprojekts Sirupe von Fanta, Sprite und Mezzo Mix im Markt testet.

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Die Marktdaten von IRI zeigen, dass die Sirupe besonders stark während der Lockdowns zulegen konnten.
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Bald eine feste Größe im Markt?

Für Sodastream geht damit die Rechnung auf: Die Markteinführung der Pepsico-Sirupe sei „sehr erfolgreich“ gewesen, freut sich Marc Steinebach, Sales-Direktor von Sodastream Deutschland und Österreich. Sie habe zu einem „regelrechten Nachfrageboom“ nach allen Sodastream-Produkten geführt, so der Vertriebschef. Die Sirupe seien vielerorts bereits nach kurzer Zeit ausverkauft gewesen. Auch für die Zukunft sind die Erwartungen hoch: Bei Sodastream sei man überzeugt, dass sich die Sirupe „zu einer festen Größe auf dem Getränkemarkt“ entwickeln werden.

Weniger dramatisch sehen offenbar die Hersteller „klassischer“ alkoholfreier Getränke die Entwicklung. Getränkesirupe zum Selbermixen seien „schon seit Jahrzehnten auf dem Markt“, wenn es auch inzwischen „weitere Konzepte und neue Anbieter“ gebe, kommentiert Dr. Detlef Groß, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands Wafg, das Marktgeschehen. Er hebt hervor, dass zugleich herkömmliche Erfrischungsgetränke eine große Vielfalt böten – nicht nur für den heimischen Konsum, sondern auch fürs Büro, für Reisen, beim Sport und in der Gastronomie.

Wachsende Akzeptanz von Leitungswasser steigert Erfolg

Im Getränkefachhandel indessen beobachtet man die Entwicklung sehr genau. Der Markteinstieg ins Sirup-Geschäft habe seinen Ursprung in der aktuell zunehmenden Akzeptanz von Leitungswasser als Trinkwasser, glaubt Dirk Reinsberg, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels. Sprudler-Hersteller, Wasserwerke und die Politik würden Konsumenten suggerieren, Leitungswasser sei „eine gleichwertige Alternative zu Mineralwasser“. Zusammen mit einem sich verändernden Kaufverhalten mache dies Getränke zum Selbermixen für manche Verbraucher attraktiv.

Dabei gingen viele bei dem Thema von falschen Voraussetzungen aus, meint Reinsberg. Abgesehen davon, dass Leitungs- und Mineralwasser „zwei grundverschiedene Produkte“ seien, erreiche ein selbstgemixtes Getränk seiner Meinung nach nicht dieselbe und vor allem nicht die gleichbleibende Qualität wie ein Fertiggetränk, gibt er zu bedenken. Nicht zuletzt sei der so oft hervorgehobene vermeintliche Umweltvorteil von Wassersprudlern bislang nicht bewiesen.

Am Ende entscheidet der Verbraucher

Noch gravierender als für den Handel dürften die Marktveränderungen indessen für die Mineralbrunnenbranche sein, die genau diese Konfliktfelder immer wieder beklagt, da jede Stärkung des Sprudlergeschäfts am Ende einen Rückgang des Mineralwasser-Absatzes bedeuten kann. Der Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) lehnte allerdings eine Stellungnahme zur Anfrage von Getränke News ab.

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In den letzten Monaten brachten unter anderem Coca-Cola, Afri und Almdudler Sirupe auf den Markt. (Fotos: Coca-Cola, Mineralbrunnen Überkingen-Teinach, Almdudler, Fotomontage GN)

Gedanken über die wachsende Kategorie macht sich derweil Axel Heidebrecht, Inhaber und Geschäftsführer der Fachmarktkette Getränkeland. Bislang sehe er die Kategorie noch nicht als „ernstzunehmendes Segment für Getränkefachmärkte“ an. Zumindest in dem meist eher ländlichen Raum, in dem seine Märkte angesiedelt sind, spiele das Problem des Kistenschleppens nicht so eine Rolle wie in Großstädten. Er will die Entwicklung dennoch aufmerksam verfolgen. Am Ende komme es darauf, die Wünsche der Kunden zu kennen. „Nur danach richten wir uns.“

Segment könnte den Markt nachhaltig verändern

Wie bedeutsam die Sirupe für den Markt noch werden, bleibt vorerst abzuwarten. Die steigende Auswahl an Sirupen mit Marken-Absender könnte allerdings auch den Sprudlergeräten noch ordentlich Auftrieb geben. Wie schnell sich das Wachstum vollzieht, dürfte auch davon abhängen, wie der Markttest von Coca-Cola ausgeht.

Sollte der Konzern seine Bemühungen in Richtung Sirup verstärken und neben den Limonaden vielleicht auch die Hauptmarke Coca-Cola als Sirup anbieten, würde das den Trend sicherlich noch einmal befeuern. Zusammen mit Sodastream, die den Druck im Markt in den letzten Jahren kräftig erhöht und die Pepsico-Sirupe seit Herbst letzten Jahres auch erstmals im Fernsehen beworben haben. Falls das Sortiment für noch mehr Verbraucher zu einer Alternative wird, könnte dies den Markt längerfristig verändern. Mit Folgen nicht nur für Erfrischungsgetränke-Hersteller und Brunnen, sondern für die gesamte Lieferkette.

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