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Politik plant neue Werbeverbote
Alkoholpolitik

Werbeverbote zurück auf der Agenda

Die Hersteller alkoholhaltiger Getränke müssen sich auf weitere Restriktionen einstellen. Werbeverbote, Warnhinweise, eine Anhebung des Abgabealters und Steuererhöhungen werden offenbar gerade politisch vorbereitet. Die EU-Kommission hat heute ihr Strategiepapier zur Krebsbekämpfung veröffentlicht. Es enthält an verschiedenen Stellen Vorschläge zur Begrenzung der Alkoholwerbung. Insbesondere werden Werbebeschränkungen im Onlinebereich auf Homepages und in den sozialen Netzwerken gefordert.

Restriktionen in Vorbereitung

Auch in Deutschland stehen neue Restriktionen auf der Agenda: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), hat sich überzeugt gezeigt von den Zielen der Initiative „bcgh – Für ein Alkoholwerbeverbot im sportlichen Umfeld“. Auch die Grünen wollen Werbeverbote: In einem aktuellen Antrag fordert die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen von der Bundesregierung, eine nationale Alkoholpräventionsstrategie zu entwickeln und Werbeverbote, Steuererhöhungen sowie Beschränkungen der Verfügbarkeit zu prüfen.

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Die Abgeordneten wollen zudem eine wirksamere Durchsetzung des Jugendschutzes und bessere Hilfen für suchtbelastete Familien und deren Kinder. Alkoholassoziierte Erkrankungen forderten in Deutschland jährlich etwa 74.000 Todesopfer und verursachten mehr als 50 Milliarden Euro direkte und indirekte Kosten für das Gesundheitssystem, heißt es in dem Antrag der Fraktion.

Junge Wähler sind für Werbeverbote

Branchenexperten sind sicher: Sollten die Grünen nach der Bundestagswahl in der Regierung sitzen, werden sich die Maßnahmen gegen Alkohol verschärfen. Der gerade eingereichte Antrag sei eine Blaupause dafür. Mit ihrem Vorstoß gegen Alkohol trifft die Politik besonders bei jungen Wählern auf offene Ohren: Laut einer aktuellen Umfrage wünschen sich gerade die jungen Bundesbürger mehr staatliche Aktivitäten zur Förderung eines gesunden Lebensstils. So sprechen sich 70 Prozent für ein Werbeverbot für Tabak und Alkohol aus. Zu diesem Ergebnis kommt die repräsentative Studie „Zukunft Gesundheit 2020“ der Schwenninger Krankenkasse und der Stiftung „Die Gesundarbeiter“.

Auf Eigenverantwortung setzen

Die deutsche Brauwirtschaft unterstützt den Ansatz, ausgewogene und wirksame Präventionsstrategien umzusetzen. Diese müssten aber auf die Selbstverantwortung und Selbstbestimmung der Menschen setzen und gleichzeitig der gesellschaftlichen und politischen Verantwortung gerecht werden, erklärt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes. „Forderungen nach weiteren Eingriffen in Werbung, Sponsoring, Preise oder den Handel sehen wir sehr kritisch“, sagt Eichele. Gemeinsames Ziel von Politik, Behörden, Wirtschaft und Gesellschaft müsse es sein, bestehende Vollzugsdefizite bei der Kontrolle und Durchsetzung der geltenden Vorschriften zu beseitigen. „Ein wichtiger Punkt ist das Abgabealter: Hier darf es beim Jugendschutz keine Kompromisse geben, weder im Handel noch in der Gastronomie“, so der Verbandschef.

Alkoholkonsum gestiegen?

Tatsache ist: Alkohol steht seit Pandemiebeginn wieder verstärkt im Fokus. In den Medien wird über erhöhten Alkoholkonsum in der Krise berichtet, Suchtexperten warnen vor langfristigen Folgen für die Gesellschaft. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage ist der Konsum von Alkohol in der Corona-Krise deutlich gestiegen. Von denjenigen, die bereits mehrmals in der Woche Alkohol zu sich nehmen, trinkt rund ein Viertel seit Beginn der Pandemie mehr, wie die Untersuchung ergab. Die große Gefahr dabei sei, „dass aus dem vermehrten Konsum während einer schweren Phase eine Gewohnheit wird und dadurch ein noch höheres Risiko für eine Abhängigkeit entsteht“, warnen Experten.

Nach Informationen des Deutschen Sektverbands konnte allerdings keine Steigerung des Alkoholkonsums seit Beginn der Pandemie verzeichnet werden. „Es scheinen im Gegenteil sogar diverse Alkoholsparten rückläufig zu sein“, sagt Geschäftsführer Dr. Alexander Tacer. Auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Bierabsatz in Deutschland sind eindeutig: 2020 ging dieser hierzulande um 5,5 Prozent zurück, es wurden rund 510 Millionen Liter Bier weniger getrunken.

Kaufverhalten falsch interpretiert

Klar ist: Im Frühjahr 2020, also in der Hochphase des ersten Lockdowns, wurden bei alkoholischen Getränken Zuwachsraten im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) als Indiz für einen gestiegenen Alkoholkonsum interpretiert. Dabei handelt es sich aber laut Deutschem Sektverband um eine Fehlinterpretation, da der vollständige Wegfall des Außer-Haus-Marktes bei dem Verweis auf die Zahlen des LEH regelmäßig unerwähnt bleibt.

Vielmehr hätten die starken Rückgänge in den Sparten Tourismus, Events, Duty Free und Gastronomie nur bedingt durch die teilweisen Zuwächse im Lebensmitteleinzelhandel kompensiert werden können. „Speziell auf das Segment der Schaumweine bezogen macht sich überdies bemerkbar, dass nahezu alle feierlichen und geselligen Anlässe, also die typischen Ereignisse, bei denen regelmäßig Sekt und andere Sparkling-Varianten konsumiert werden, ersatzlos weggefallen sind“, erklärt Alexander Tacer.

Aufklärung als wirksames Mittel

Der Geschäftsführer des Sektverbandes geht nicht davon aus, dass es nach der Pandemie mehr Alkoholkranke geben wird. Hierfür lägen keinerlei Anhaltspunkte vor. „Prävention und Aufklärung über die Folgen eines nicht moderaten Konsums sind uns gleichwohl auch unabhängig von der Pandemie ganz besondere Anliegen“, so Tacer.

Auch für den Spirituosenverband BSI und den Deutschen Brauer-Bund sind Prävention und Aufklärung das wirksamste Mittel gegen Alkoholmissbrauch. „Die Bundesregierung hat bisher Strafsteuern, Warnhinweise und weitere Werbeverbote als untauglich abgelehnt und stattdessen die Bedeutung der auf bestimmte Zielgruppen zugeschnittenen Aufklärungsarbeit hervorgehoben“, erklärt Brauer-Bund-Geschäftsführer Holger Eichele. „Die vielen positiven, durch Studien nachgewiesenen Entwicklungen belegen, dass Prävention wirkt. Der Konsum bei Kindern und Jugendlichen zum Beispiel geht seit Jahren deutlich zurück“, so Eichele. Für die Branche bleibt abzuwarten, ob die künftige Bundesregierung und die EU das auch so sehen. Ansonsten müssen sich die Hersteller alkoholhaltiger Getränke möglicherweise auf weitere Restriktionen einstellen.

Politik durch Stimmungsbild ermutigt

Auch der geringe Widerstand gegen die vielerorts verhängten Konsumverbote an öffentlichen Plätzen während der Corona-Pandemie könnte die Politik künftig zu schärferen Maßnahmen ermutigen. Eine Mehrheit der Bevölkerung hält dies zur Eindämmung der Pandemie für angemessen, wie eine Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung Mitte November ergab. Ob dies allerdings außerhalb der Corona-Krise ebenso akzeptiert würde, bleibt fraglich.

 

Politik plant neue Werbeverbote
Alkoholpolitik

Werbeverbote zurück auf der Agenda

Die Hersteller alkoholhaltiger Getränke müssen sich auf weitere Restriktionen einstellen. Werbeverbote, Warnhinweise, eine Anhebung des Abgabealters und Steuererhöhungen werden offenbar gerade politisch vorbereitet. Die EU-Kommission hat heute ihr Strategiepapier zur Krebsbekämpfung veröffentlicht. Es enthält an verschiedenen Stellen Vorschläge zur Begrenzung der Alkoholwerbung. Insbesondere werden Werbebeschränkungen im Onlinebereich auf Homepages und in den sozialen Netzwerken gefordert.

Restriktionen in Vorbereitung

Auch in Deutschland stehen neue Restriktionen auf der Agenda: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), hat sich überzeugt gezeigt von den Zielen der Initiative „bcgh – Für ein Alkoholwerbeverbot im sportlichen Umfeld“. Auch die Grünen wollen Werbeverbote: In einem aktuellen Antrag fordert die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen von der Bundesregierung, eine nationale Alkoholpräventionsstrategie zu entwickeln und Werbeverbote, Steuererhöhungen sowie Beschränkungen der Verfügbarkeit zu prüfen.

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Die Abgeordneten wollen zudem eine wirksamere Durchsetzung des Jugendschutzes und bessere Hilfen für suchtbelastete Familien und deren Kinder. Alkoholassoziierte Erkrankungen forderten in Deutschland jährlich etwa 74.000 Todesopfer und verursachten mehr als 50 Milliarden Euro direkte und indirekte Kosten für das Gesundheitssystem, heißt es in dem Antrag der Fraktion.

Junge Wähler sind für Werbeverbote

Branchenexperten sind sicher: Sollten die Grünen nach der Bundestagswahl in der Regierung sitzen, werden sich die Maßnahmen gegen Alkohol verschärfen. Der gerade eingereichte Antrag sei eine Blaupause dafür. Mit ihrem Vorstoß gegen Alkohol trifft die Politik besonders bei jungen Wählern auf offene Ohren: Laut einer aktuellen Umfrage wünschen sich gerade die jungen Bundesbürger mehr staatliche Aktivitäten zur Förderung eines gesunden Lebensstils. So sprechen sich 70 Prozent für ein Werbeverbot für Tabak und Alkohol aus. Zu diesem Ergebnis kommt die repräsentative Studie „Zukunft Gesundheit 2020“ der Schwenninger Krankenkasse und der Stiftung „Die Gesundarbeiter“.

Auf Eigenverantwortung setzen

Die deutsche Brauwirtschaft unterstützt den Ansatz, ausgewogene und wirksame Präventionsstrategien umzusetzen. Diese müssten aber auf die Selbstverantwortung und Selbstbestimmung der Menschen setzen und gleichzeitig der gesellschaftlichen und politischen Verantwortung gerecht werden, erklärt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes. „Forderungen nach weiteren Eingriffen in Werbung, Sponsoring, Preise oder den Handel sehen wir sehr kritisch“, sagt Eichele. Gemeinsames Ziel von Politik, Behörden, Wirtschaft und Gesellschaft müsse es sein, bestehende Vollzugsdefizite bei der Kontrolle und Durchsetzung der geltenden Vorschriften zu beseitigen. „Ein wichtiger Punkt ist das Abgabealter: Hier darf es beim Jugendschutz keine Kompromisse geben, weder im Handel noch in der Gastronomie“, so der Verbandschef.

Alkoholkonsum gestiegen?

Tatsache ist: Alkohol steht seit Pandemiebeginn wieder verstärkt im Fokus. In den Medien wird über erhöhten Alkoholkonsum in der Krise berichtet, Suchtexperten warnen vor langfristigen Folgen für die Gesellschaft. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage ist der Konsum von Alkohol in der Corona-Krise deutlich gestiegen. Von denjenigen, die bereits mehrmals in der Woche Alkohol zu sich nehmen, trinkt rund ein Viertel seit Beginn der Pandemie mehr, wie die Untersuchung ergab. Die große Gefahr dabei sei, „dass aus dem vermehrten Konsum während einer schweren Phase eine Gewohnheit wird und dadurch ein noch höheres Risiko für eine Abhängigkeit entsteht“, warnen Experten.

Nach Informationen des Deutschen Sektverbands konnte allerdings keine Steigerung des Alkoholkonsums seit Beginn der Pandemie verzeichnet werden. „Es scheinen im Gegenteil sogar diverse Alkoholsparten rückläufig zu sein“, sagt Geschäftsführer Dr. Alexander Tacer. Auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Bierabsatz in Deutschland sind eindeutig: 2020 ging dieser hierzulande um 5,5 Prozent zurück, es wurden rund 510 Millionen Liter Bier weniger getrunken.

Kaufverhalten falsch interpretiert

Klar ist: Im Frühjahr 2020, also in der Hochphase des ersten Lockdowns, wurden bei alkoholischen Getränken Zuwachsraten im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) als Indiz für einen gestiegenen Alkoholkonsum interpretiert. Dabei handelt es sich aber laut Deutschem Sektverband um eine Fehlinterpretation, da der vollständige Wegfall des Außer-Haus-Marktes bei dem Verweis auf die Zahlen des LEH regelmäßig unerwähnt bleibt.

Vielmehr hätten die starken Rückgänge in den Sparten Tourismus, Events, Duty Free und Gastronomie nur bedingt durch die teilweisen Zuwächse im Lebensmitteleinzelhandel kompensiert werden können. „Speziell auf das Segment der Schaumweine bezogen macht sich überdies bemerkbar, dass nahezu alle feierlichen und geselligen Anlässe, also die typischen Ereignisse, bei denen regelmäßig Sekt und andere Sparkling-Varianten konsumiert werden, ersatzlos weggefallen sind“, erklärt Alexander Tacer.

Aufklärung als wirksames Mittel

Der Geschäftsführer des Sektverbandes geht nicht davon aus, dass es nach der Pandemie mehr Alkoholkranke geben wird. Hierfür lägen keinerlei Anhaltspunkte vor. „Prävention und Aufklärung über die Folgen eines nicht moderaten Konsums sind uns gleichwohl auch unabhängig von der Pandemie ganz besondere Anliegen“, so Tacer.

Auch für den Spirituosenverband BSI und den Deutschen Brauer-Bund sind Prävention und Aufklärung das wirksamste Mittel gegen Alkoholmissbrauch. „Die Bundesregierung hat bisher Strafsteuern, Warnhinweise und weitere Werbeverbote als untauglich abgelehnt und stattdessen die Bedeutung der auf bestimmte Zielgruppen zugeschnittenen Aufklärungsarbeit hervorgehoben“, erklärt Brauer-Bund-Geschäftsführer Holger Eichele. „Die vielen positiven, durch Studien nachgewiesenen Entwicklungen belegen, dass Prävention wirkt. Der Konsum bei Kindern und Jugendlichen zum Beispiel geht seit Jahren deutlich zurück“, so Eichele. Für die Branche bleibt abzuwarten, ob die künftige Bundesregierung und die EU das auch so sehen. Ansonsten müssen sich die Hersteller alkoholhaltiger Getränke möglicherweise auf weitere Restriktionen einstellen.

Politik durch Stimmungsbild ermutigt

Auch der geringe Widerstand gegen die vielerorts verhängten Konsumverbote an öffentlichen Plätzen während der Corona-Pandemie könnte die Politik künftig zu schärferen Maßnahmen ermutigen. Eine Mehrheit der Bevölkerung hält dies zur Eindämmung der Pandemie für angemessen, wie eine Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung Mitte November ergab. Ob dies allerdings außerhalb der Corona-Krise ebenso akzeptiert würde, bleibt fraglich.

 

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