Die Stimmung im deutschen Weinfachhandel ist besser als die tatsächliche Lage. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die im Studiengang „Weinmarketing und Management“ der Hochschule Heilbronn durchgeführt und anlässlich der Fachmesse Eurovino Anfang März dem Fachpublikum vorgestellt wurde. Trotz der rückläufigen Nachfrage und dem hohen wirtschaftlichen Druck schätzen viele Betriebe die Perspektiven ihres eigenen Unternehmens als positiv oder zumindest stabil ein.
Konkret gaben bei der Frage, wie zufrieden sie mit ihrer aktuellen Geschäftssituation seien, fast 26 Prozent „zufrieden“, zwei Prozent „sehr zufrieden“ und rund 33 Prozent zumindest „neutral“ an. Demgegenüber stehen allerdings auch fast 37 Prozent „Unzufriedene“ und drei Prozent „sehr Unzufriedene“. Besser fällt der Blick in die Zukunft aus: Über 70 Prozent der Umfrage-Teilnehmer schätzen ihre zukünftige Entwicklung „gleichbleibend“ (34 %) oder „positiv“ (37 %) ein, nur 25 Prozent gehen von einer „negativen“ Entwicklung aus.
Gleichwohl spüren die Betriebe deutlich auch die großen Herausforderungen, allen voran die steigenden Kosten, die intensiven Preisaktionen großer Anbieter, der Wettbewerb im Netz und die wachsende Bürokratie. Sorgen machen vielen auch der insgesamt rückläufige Alkoholkonsum insbesondere bei jüngeren Zielgruppen, die zunehmenden Anti-Alkohol-Kampagnen und das starke Preisbewusstsein der Kunden.
Beratung als größter Vorteil im Wettbewerb
Doch der Fachhandel ist sich in schwierigen Zeiten durchaus auch seiner Stärken bewusst. Als besonders wichtig stufen die Händler ihre Beratungskompetenz ein. So stimmen 69 Prozent „voll und ganz“ der Aussage zu, persönliche Beratung sei der größte Wettbewerbsvorteil des Weinfachhandels, 18 Prozent stimmen dem „eher“ zu.
Als weiteren Vorteil führen viele ihre exklusiven Sortimente mit regionalen Schwerpunkten an. Wichtig sei es auch, so die Forscher, Mehrwertangebote wie Service, Events und Erlebnis als Mittel emotionaler Kundenbindung zu bieten, um sich im Wettbewerb mit dem Lebensmittelhandel und Online-Plattformen zu behaupten. „Wein verkaufen allein reicht nicht mehr“, so das Fazit.
Eine große Rolle schreiben die Teilnehmer zudem der Digitalisierung zu – vom professionellen Online-Auftritt über Social Media bis zur besseren Verzahnung von stationärem Geschäft und Online-Shop. Viele, vor allem kleinere, Betriebe sehen hier noch erheblichen Entwicklungsbedarf.
Für die Studie wurden im Februar knapp 200 Weinfachhändler online befragt. Das studentische Projekt wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Ruth Fleuchaus und Michael Pleitgen an der Hochschule Heilbronn durchgeführt.






















































































