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"Verbraucher wollen wissen, was sie trinken"
Lebensmittelkennzeichnung

„Verbraucher wollen wissen, was sie trinken“

Der Deutsche Brauer-Bund und der Verband Private Brauereien Deutschland haben gemeinsam eine Initiative für mehr Transparenz bei der Kennzeichnung von Bier gestartet. Künftig sollen auf den Etiketten die Kalorien ausgewiesen werden. Getränke News sprach mit Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds, über die Hintergründe.

 

Getränke News: Wird der politische Druck zu groß oder wie kam es zu der Initiative?

Eichele: Wir empfehlen unseren Mitgliedsbrauereien, in Zukunft auch den Kaloriengehalt auf dem Etikett zu deklarieren. Damit wollen wir einen Beitrag zu mehr Transparenz und besserer Verbraucherinformation leisten. Alle Brauereiverbände in Europa machen mit. Es handelt sich auch bei uns in Deutschland um eine freiwillige Initiative, die Schritt für Schritt umgesetzt wird.

Zum Hintergrund: Bisher sind alkoholische Getränke mit über 1,2 Volumenprozent in Europa von der Pflicht zur Zutaten- und Kalorienkennzeichnung ausgenommen – im Unterschied zu allen anderen Lebens- und Genussmitteln. Nicht nur die EU-Kommission und die Bundesregierung fordern hier mehr Transparenz ein. Auch immer mehr Verbraucher wollen wissen, was genau sie trinken.

Getränke News: Die Kalorien des Bieres sollen künftig aufs Etikett. Warum? Der Kaloriengehalt ist doch dem Biertrinker egal, oder?

Eichele: Das Bild, das wir aus Umfragen kennen, ist durchaus widersprüchlich: Auf der einen Seite wissen wir, dass beim Kauf von Bier in Deutschland allenfalls zehn Prozent der Kunden aufs Etikett sehen. Verständlich, denn sie wissen, was sie bekommen – Stichwort Reinheitsgebot. Andererseits sagt aktuell auch eine Mehrheit der Verbraucher, dass es gut wäre, wenn künftig alle Biere, Weine und Spirituosen die Kalorienzahl auf dem Etikett hätten.

Die Verbraucher wollen einfach mehr Information – das ist seit Jahren im gesamten Lebensmittelbereich ein klarer Trend. Ob und wie sie diese Information dann nutzen, ist eine andere Frage. Für die Brauer jedenfalls steht fest: Wir sind stolz auf unsere Biere, stolz auf unsere Vielfalt und Qualität – und wir haben nichts zu verstecken. Es ist ja ohnehin so, dass sehr viele Verbraucher den Kaloriengehalt von Bier höher einschätzen als er tatsächlich ist.

Getränke News: Wie viele Brauer beteiligen sich an der freiwilligen Kennzeichnung?

Eichele: In Europa hat bereits rund die Hälfte aller verkauften Biere Kalorienangaben. Durch die Zusammenarbeit mit dem Verband Private Brauereien ist in Deutschland ein breites Bündnis entstanden, das einen großen Teil der Betriebe abdeckt. Wir bekommen aus der Branche positive Rückmeldungen, von Brauereien jeder Größe.

Klar ist: Die Betriebe brauchen Zeit. Die Umsetzung soll schrittweise erfolgen, selbstverständlich können alle Etikettenbestände aufgebraucht werden. Und die meisten konzentrieren sich auf Kalorien und Joule, also die Angabe des Brennwerts. Dafür sind keine aufwändigen Laboranalysen notwendig.

Getränke News: Gibt es eine einheitliche grafisch gestaltete Vorlage?

Eichele: Wie in anderen Ländern Europas werden sich die meisten Brauereien auf die Angabe des Brennwertes beschränken, indem sie bei einem Pils-Etikett beispielsweise den Hinweis „Energie pro 100 ml: 38 kcal/160 kJ“ aufdrucken. Das ist platzsparend und funktioniert auch bei Biermarken, die nur ein Vorderetikett haben. Und das sind sehr viele.

Getränke News: Inwieweit wird in Sachen Kennzeichnung mit den Verbänden der Weinwirtschaft und der Spirituosenindustrie zusammengearbeitet?

Eichele: Es ist kein Geheimnis, dass die Politik sich gewünscht hätte, dass alle Hersteller in Europa einheitlich den Brennwert und die Zutaten ihrer Getränke aufs Etikett drucken. Leider gibt es hiergegen in den anderen Branchen zum Teil beträchtliche Vorbehalte und Widerstände. Wir Brauer sind bereit, diesen Schritt zu machen – jetzt sind die anderen am Zug.

Getränke News: Noch ist die Kennzeichnung eine freiwillige Selbstverpflichtung. Wird sie irgendwann Pflicht?

Eichele: Das müssen Sie die EU-Kommission und die Bundesregierung fragen. Eines ist klar: Mit einer freiwilligen Kennzeichnung können wir viel schneller für mehr Transparenz sorgen als es auf politischem Wege mit einem jahrelangen Gesetzgebungsverfahren jemals möglich wäre.

 

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