Während der deutsche Biermarkt 2025 so stark schrumpfte wie seit Jahrzehnten nicht mehr, konnte die Brauerei Veltins ihren Ausstoß leicht erhöhen. Das Unternehmen steigerte den Absatz um 0,3 Prozent auf 3,37 Millionen Hektoliter und erzielte einen Umsatz von 461 Millionen Euro (+0,4 Prozent). Das geht aus den Geschäftszahlen hervor, die das Unternehmen heute vorgestellt hat.
Die Brauerei führt die stabile Entwicklung auf die Zusammensetzung ihres Sortiments zurück. „Unsere Investitionen in ein breites, verbraucherattraktives Sortiment tragen spürbare Früchte, denn die ergänzenden Marken können heute Mengeneinbußen im Stammgeschäft exzellent ausgleichen“, sagt Dr. Volker Kuhl, Sprecher der Geschäftsführung. Seit Beginn des Jahrzehnts sei der Bierausstoß von Veltins um etwa 25 Prozent gestiegen, während der deutsche Biermarkt im gleichen Zeitraum nahezu 11 Prozent an Menge verloren habe. Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich seitdem um 64 auf 754.
Pülleken wächst weiter
Wachstumstreiber des Portfolios war 2025 erneut die Hellbiermarke Pülleken. Der Absatz legte um 13,6 Prozent auf 374.000 Hektoliter zu. Bundesweit liegt Pülleken laut Unternehmensangaben im Hellbiersegment weiterhin auf Platz drei, in Nordrhein-Westfalen ist die Marke im Handel Marktführer.
Die Kernmarke Veltins Pils blieb trotz eines Absatzrückgangs von 1,8 Prozent auf 2,32 Millionen Hektoliter das mit Abstand wichtigste Produkt. Sie steht nach Unternehmensangaben für rund zwei Drittel des Gesamtvolumens. Der nationale Marktanteil stieg auf 6,6 Prozent. In Nordrhein-Westfalen erreichte die Marke 14,1 Prozent und belegt dort Platz zwei.

Auch im alkoholfreien Segment verzeichnete das Unternehmen Zuwächse. Fassbrausen sowie alkoholfreie Biere und Radler kamen zusammen auf 241.000 Hektoliter, ein Plus von 10,4 Prozent. Das Fassbiergeschäft erreichte 444.000 Hektoliter. „Damit sind wir angesichts der Rahmenbedingungen im Vertriebskanal von Gastronomie und Events weiter auf Kurs“, sagt Vertriebs-Geschäftsführer Rainer Emig. Rückläufig entwickelten sich dagegen einzelne Spezialitäten- und Mixgetränke. Die Marke Grevensteiner kam auf 112.000 Hektoliter, ein Minus von 13,5 Prozent. Die Biermixmarke V+ erreichte 270.000 Hektoliter und verlor 5,5 Prozent.
Im Ausland blieb die Präsenz der Brauerei stabil. In den Schwerpunktmärkten Italien, Spanien, den Niederlanden, Großbritannien und den USA wurden 113.000 Hektoliter abgesetzt.
Neue Produkte vor dem Start
Für 2026 kündigte Emig neue Produkte an, darunter die Sorte „V+ Saure Zungen Cherry“, eine alkoholfreie Variante von Pülleken sowie saisonale Fassbrausen. Zudem ist die Marke Karamalz seit Jahresbeginn vollständig in Produktion und Vertrieb in Grevenstein integriert. „Wir halten die Taktzahl von Produkteinführungen hoch, führen jedes Produkt aber mit Augenmaß in den Markt ein“, sagt Emig.

Brauwirtschaft vor Strukturprozess
In der Einschätzung der Branchenlage zeichnete das Unternehmen ein deutlich kritisches Bild. „Für viele Betriebe wird sich in naher Zukunft leider die Existenzfrage stellen. Die geringer werdenden Verkaufsmengen bei einem unverändert herausfordernden Kostenniveau werden vielerorts den Marktaustritt bedeuten“, erklärt Kuhl. Das vergangene Geschäftsjahr mit einer steigenden Zahl von Betriebsaufgaben sei aus seiner Sicht „erst als Anfang eines tiefgreifenden Strukturprozesses der Brauwirtschaft“ zu werten.

Auch wenn die Brauwirtschaft unter den krisenhaften Umsatzrückgängen in der Gastronomie deutlich zu leiden hatte, setzt Veltins unverändert auf das traditionelle Geschäftsfeld. „Erfreulicherweise zeigen immer mehr Existenzgründer den Mut zum Aufbruch, um sich mit neuen Konzepten selbstständig zu machen. Die Chancen sind in diesen Jahren günstig, weil durch viele Betriebsaufgaben und mangels Nachfolger Standorte zur Verfügung stehen, an die vor einigen Jahren nicht zu denken war“, ist Emig überzeugt. „Die Gastronomie, die wir im nächsten Jahrzehnt erleben, wird eine andere sein als heute.“
Investitionen in Windkraft
Investiv setzte Veltins 2025 den Ausbau des Standorts Grevenstein fort. Nach Abschluss einer 400-Millionen-Euro-Investitionsoffensive flossen weitere 51 Millionen Euro in ergänzende Maßnahmen. Für die kommenden Jahre plant das Unternehmen zusätzliche Ausgaben zur Beschleunigung der energetischen Transformation. Der Aufbau einer eigenen Windradinfrastruktur soll allein rund 60 Millionen Euro kosten. Ziel sei es, dauerhaft auf fossile Brennstoffe zu verzichten.



























































































