Die von der Bundesregierung geplante Erhöhung der Schaumweinsteuer würde die ohnehin bereits unter Druck stehende Sektbranche stark belasten. Im vergangenen Jahr war der Sparkling-Markt erneut im einstelligen Prozentbereich rückläufig, die Hersteller sehen sich in herausfordernden Zeiten, beklagen eine verhaltene Konsumstimmung und wachsende Preissensibilität.
Dabei melden verschiedene Marktforschungsinstitute für 2025 unterschiedlich starke Verluste. Das britische Unternehmen IWSR etwa hat insgesamt ein Mengenminus von fünf Prozent und einen um ein Prozent abnehmenden Umsatz ermittelt, Circana zum Beispiel sieht einen Wertverlust sogar von vier Prozent.
Folgen für gesamte Wertschöpfungskette
Sollte die Steuererhöhung tatsächlich kommen, hätte dies „drastische Auswirkungen“ auf die mittelständisch geprägte Branche, glaubt Sivia Wiesner, CEO von Rotkäppchen-Mumm. Nicht nur die Erzeuger wären betroffen, sondern nach ihrer Einschätzung „die gesamte Wertschöpfungskette“, also auch Handel, Gastronomie, Hotellerie und Eventwirtschaft.
Dabei darf wohl an der Wirksamkeit der Steuererhöhung gezweifelt werden. Da Konsumenten erfahrungsgemäß mit Konsumzurückhaltung auf gestiegene Preise reagierten und auf andere Produkte auswichen, könnten die erwarteten Mehreinnahmen deutlich geringer ausfallen als erwartet, glaubt Vanessa Lehmann, Head of Communications bei Henkell Freixenet. Im schlimmsten Falle könnte sich die Maßnahme sogar „als fiskalisches Nullsummenspiel erweisen“.
Wie Rotkäppchen-Mumm spricht sich auch Henkell Freixenet gegen die Umsetzung aus. „Eine nachhaltige und wirksame Politik sollte auf belastbaren Erkenntnissen basieren“, kritisiert Lehmann, die zusätzlich auf die kulturelle Bedeutung der Branche verweist, die es angemessen zu berücksichtigen gelte.
Steuer würde Investitionen bremsen
In ihrer Kritik haben die Unternehmen nicht allein Angst vor Absatzverlusten, sondern fürchten auch, aktuelle Zukunftsperspektiven zu verlieren, da höhere Steuern Investitionen und Innovationen ausbremsen könnten. Innovationen würden aus dem Kerngeschäft finanziert, unterstreicht Rotkäppchen-Chefin Wiesner, und sieht insbesondere die Bemühungen um alkoholfreie Alternativen in Gefahr, in die der Marktführer seit vielen Jahren viel Geld steckt. „Wir wollen mehr alkoholfreie Alternativen ermöglichen und den Markt aktiv weiterentwickeln. Gleichzeitig schwächt die geplante Schaumweinsteuer die Grundlage, die genau das trägt.“
Exakt diese Warengruppe ist eine der wenigen, die überhaupt noch positiv aus dem Markt herausstechen und auch perspektivisch weiteres Wachstum erwarten lassen. Laut Circana-Marktforschung legte die Kategorie 2025 um fast 16 Prozent im Umsatz zu, wenn auch noch auf einer relativ niedrigen Basis.
Das Bewusstsein der Verbraucher verändere sich immer stärker in Richtung eines bewussteren Alkoholkonsums, ist sich Fernanda Saldaña Rodríguez, Senior Market Analyst beim IWSR, sicher. Da Geschmack und Qualität inzwischen deutlich verbessert wurden, sieht sie für die Alkoholfreien eine erfolgreiche Zukunft. Zudem profitiere das Segment davon, dass es gesellige Anlässe inklusiver gestalte.
Alkoholfreie werden weiter wachsen
Auch bei Rotkäppchen-Mumm erwartet man eine Fortsetzung des Trends. „Wir sehen hier keinen kurzfristigen Hype, sondern eine Veränderung der Genusskultur“, unterstreicht Claudia Burgdorf, Head of Corporate Consumer & Market Knowledge. Alkoholfreie würden heute selbstverständlich in viele Alltagssituationen integriert – beim Essen, Anstoßen oder beim After Work. Jüngere Konsumenten gingen offener mit Kategorien um: Je nach Anlass werde individuell zwischen alkoholischen und alkoholfreien Alternativen gewechselt.
Dazu passt auch die anhaltend hohe Nachfrage nach Ready-to-drinks. Konsumenten suchten zunehmend unkomplizierte, trinkfertige Produkte, „die zu spontanen und flexiblen Genussmomenten passen“, so Burgdorf. Auch bei Henkell Freixenet sieht man die RTDs ebenso wie die Spritzgetränke als weiterhin vielversprechend an. Sie seien vor allem „eine Erweiterung bestehender Genussmomente“, erklärt Vanessa Lehmann. „Damit schaffen diese Segmente zusätzliche Konsumanlässe und sprechen insbesondere jüngere Zielgruppen an.“
Wenig Positives bei klassischen Kategorien
Doch wie sieht es eigentlich in den klassischen Kategorien aus? Viele rote Zahlen und wenig Lichtblicke, könnte man die Marktentwicklung zusammenfassen. Gegenüber den jüngeren Kategorien Alkoholfrei, RTD, Aperitivo, Spritz – und etwa auch neuen Kreationen wie dem Secco-Limonaden-Mix Rotkäppchen Secconade – fallen die meisten Kategorien deutlich ab.
Vanessa Lehmann von Henkell Freixenet hebt einzig Prosecco und Crémant als „klare Wachstumssegmente“ hervor. Laut Fernanda Saldaña Rodríguez vom IWSR verlangsamt sich allerdings auch der Prosecco-Trend inzwischen etwas – weil er strukturell eng mit dem Spritz- und Aperitivo-Trend verknüpft sei, der ebenfalls „an Dynamik verloren“ habe.
Eine erstaunliche Sonderentwicklung zeigt seit einigen Jahren Crémant – wenn auch in Deutschland noch auf niedrigem Niveau. Laut IWSR kommt das Interesse „von beiden Enden des Spektrums“: von Konsumenten, die vom teureren Champagner auf eine günstigere Alternative umsteigen, und – andererseits – von solchen, die vom Preiseinstieg zu höherwertigeren Schaumweinen wechseln.
Premium und starke Marken gefragt
Bei den Preisklassen schnitt laut dem Marktforschungsinstitut insgesamt das Premiumsegment besser ab als das untere Ende der Sparkling-Kategorie. Hier fiel vor allem ins Gewicht, dass Premium-Champagner in der Gastronomie weiter an Boden gewann, während der Absatz im Einzelhandel stark durch Preisaktionen getrieben wurde. Dies habe das Standardsegment von beiden Seiten stark unter Druck gesetzt.
Von erfolgreichen Performance gehobenerer Qualitäten berichtet auch Henkell-Freixenet-Sprecherin Vanessa Lehmann. So hätten sich insbesondere die Kategorien von 5,- bis 6,99 Euro und über 7,- Euro positiv entwickelt. „Gerade in einem anspruchsvollen Marktumfeld bleiben starke Marken, eine klare Preispositionierung und ein überzeugendes Qualitätsversprechen entscheidend“, so ihr Fazit.
Claudia Burgdorf von Rotkäppchen-Mumm betont indessen die Bedeutung eines breiten Portfolios in schwierigen Zeiten – von Preiseinstieg bis Premium. „Wir haben für jeden Geldbeutel und jeden Anlass das richtige Produkt.“ Angesichts von Konsumzurückhaltung und Preissensibilität sei dies besonders wichtig, „denn unsere Produkte sind solche, die man sich gönnt und genießt, nicht solche, die man kaufen muss“.























































































