Thilo R. Pomykala verlässt Oettinger Getränke bereits gut drei Monate nach seinem Amtsantritt als CEO. Der 55-Jährige hatte die Position erst zum 1. April 2026 übernommen. Nach Angaben des Unternehmens erfolgt die Trennung im gegenseitigen Einvernehmen mit der Gesellschafterfamilie. Hintergrund seien unterschiedliche Auffassungen über die weitere strategische Ausrichtung. Die Suche nach einem Nachfolger sei bereits eingeleitet, heißt es.
Pomykala war im Frühjahr auf Stefan Blaschak gefolgt (wir berichteten) und verantwortete Marketing, Vertrieb, Produktentwicklung und Logistik. Zuvor war er mehr als sechs Jahre Geschäftsführer bei Hochwald Foods. Weitere Stationen seiner Laufbahn waren unter anderem Unilever, Semper idem Underberg, Meggle und Hochland Deutschland.
„Ich bedauere diese Entwicklung und möchte Herrn Pomykala für die Zusammenarbeit und die von ihm gesetzten Impulse danken. Für die Zukunft wünsche ich ihm persönlich alles Gute“, sagt Mehrheitsgesellschafterin Pia Kollmar.
Geschäftsführung wieder unvollständig
Mit Pomykalas Ausscheiden steht die Führung des Familienunternehmens innerhalb weniger Monate erneut vor einer Neuordnung. Sein Vorgänger Stefan Blaschak hatte im November 2025 angekündigt, seinen Vertrag nicht über den Sommer 2026 hinaus zu verlängern, schied dann aber bereits im März aus.
Im Februar war Pia Kollmar in die operative Geschäftsführung zurückgekehrt und hatte die Verantwortung für Finanzen und Strategie übernommen. Dominika Steinberg, seit 2015 im Unternehmen, rückte ebenfalls in die Geschäftsführung auf und verantwortet Personal, IT, Produktion und Technik. Mit Pomykalas Berufung zum 1. April galt der Umbau der Unternehmensspitze zunächst als abgeschlossen.
Absatz- und Umsatzrückgang
Die Zahlen zeigen den Druck, unter dem das Unternehmen zuletzt stand. Im Geschäftsjahr 2024 sank der Absatz der Oettinger Brauerei GmbH um 13,1 Prozent von 7,3 Millionen auf 6,4 Millionen Hektoliter. Der Umsatz ging um 9,5 Prozent von 376,5 Millionen auf 340,8 Millionen Euro zurück. Seitdem dürfte der wirtschaftliche Druck auf Oettinger weiter zugenommen haben. Der deutsche Biermarkt verzeichnete 2025 mit einem Minus von 6 Prozent den stärksten Absatzrückgang seit Beginn der Statistik im Jahr 1993. Gleichzeitig hat Oettinger seine Produktionsstruktur weiter gestrafft und Ende 2025 die Produktion in Braunschweig eingestellt. Aktuelle Geschäftszahlen für 2025 hat das Unternehmen bislang nicht veröffentlicht.
Damit konzentriert Oettinger seine Getränkeproduktion heute auf Oettingen in Bayern und Mönchengladbach. Der Unternehmenssitz der Oettinger Brauerei GmbH befindet sich weiterhin in Oettingen. Nach aktuellen Angaben beschäftigt der Getränkehersteller an den beiden Produktionsstandorten rund 700 Mitarbeiter und kommt auf einen jährlichen Ausstoß von rund sechs Millionen Hektolitern.
Internationales Geschäft ausgebaut
Parallel zur Konzentration der Produktionsstandorte baut Oettinger sein internationales Geschäft aus. Eine Rolle spielt dabei die 2024 gegründete Oe International AG mit Sitz im schweizerischen Zug. Die Gesellschaft ist rechtlich von der Oettinger Brauerei GmbH getrennt.
Im Frühjahr hatten Berichte über die Schweizer Gesellschaft und mögliche steuerliche Motive für deren Aufbau für Aufmerksamkeit gesorgt. Oettinger erklärte daraufhin, der Steuersitz der Oettinger Brauerei GmbH bleibe in Deutschland. Auch der Unternehmenssitz werde nicht verlagert.
Mit der Organisation des Auslandsgeschäfts sei nach Angaben des Unternehmens zudem keine Verlagerung von Wertschöpfung oder Arbeitsplätzen aus Deutschland verbunden. Oettinger begründete den Ausbau des Auslandsgeschäfts mit dem seit Jahren rückläufigen deutschen Biermarkt und bezeichnete die stärkere Ausrichtung auf internationale Märkte als langfristig angelegte Strategie.
Auf der Website der Oe International AG wird der ehemalige Oettinger Geschäftsführer Peter Böck als CEO geführt. Im Schweizer Handelsregister ist Böck seit Mai 2026 jedoch als Delegierter des Verwaltungsrates eingetragen. Zuvor war er dort als Vorsitzender der Geschäftsleitung und CEO registriert. Böck verließ 2024 die Oettinger Brauerei. Zuvor musste er die Verantwortung für das Eigenmarkengeschäft an Stefan Blaschak abgeben und war lediglich noch für das Handelsmarkengeschäft zuständig (wir berichteten).
Mit dem Ausscheiden Pomykalas muss Oettinger nun erneut die Führungsspitze ordnen. Der Wechsel kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Familienunternehmen seine Produktionsstruktur konzentriert, das internationale Geschäft neu organisiert und zugleich mit rückläufigen Absätzen im traditionellen Biergeschäft konfrontiert ist.
























































































