Seit 2024 gibt es mit der Eurovino in Karlsruhe eine neue Fachmesse speziell für die deutschsprachigen und europäischen Absatzmärkte. Erklärtes Ziel war von Anfang an, der Branche ein alternatives Konzept zu den bestehenden Messen zu bieten. Am 1./2. März öffnet der Marktplatz zum dritten Mal seine Tore. Im Interview mit Getränke News zieht David Köhler, Projektleiter der Eurovino, Bilanz über die ersten Jahre und berichtet über die neuesten Entwicklungen und Pläne.

Getränke News: Die Eurovino findet dieses Jahr zum dritten Mal statt. Wie lautet ganz allgemein Ihre Bilanz über die ersten Jahre? Wirkt sich die negative Entwicklung am Weinmarkt auf Ihre Messe aus?
Köhler: In diesem Jahr stellen fast 500 Unternehmen bei der Eurovino aus, das sind zehn Prozent mehr als 2025 – trotz der schwierigen Marktsituation. Das zeigt uns, dass wir mit unserem Gesamtkonzept und mit dem Motto „Persönlich, relevant, fair“ am Puls der Zeit sind. Vor allem hat es sich als richtig herausgestellt, dass wir mit der Eurovino von Anfang eine Plattform für den deutschsprachigen und europäischen Absatzmarkt bieten wollten. Das internationale Geschäft decken andere Wettbewerber bereits ab.
Getränke News: Bitte füllen Sie Ihr Motto mal etwas mit Leben. Was bedeutet für Sie „persönlich, relevant und fair“ konkret?
Köhler: Wir wollen auch bei 500 Ausstellenden noch ein persönliches Miteinander pflegen. Karlsruhe ist ein informeller Messeplatz, wir haben hier kurze Wege und flache Hierarchien. „Relevant“ beziehen wir auf die Legitimierung der Messegäste als Fachbesuchende, worauf wir weiterhin großen Wert legen. Und bei den Ausstellern halten wir daran fest, dass sie von uns kuratiert werden – nach Qualität und Innovationskraft.
Getränke News: Und „fair“ bezieht sich auf die Standpreise?
Köhler: Ja, die moderaten Preise sind aber nur ein Aspekt. Dabei geht es auch um nachhaltige Aspekte, die von Anfang in die Konzeptionierung der Eurovino eingeflossen sind. Auf der Eurovino finden Sie kaum Individualstände, die meisten Aussteller nutzen unsere wiederverwendbaren Systemstände. Winzer müssen per se nachhaltig agieren, sie denken in Generationen. Daher kommt unser Konzept bei ihnen super an.
Getränke News: Ich möchte gerne noch einmal auf die Kuratierung der Aussteller zurückkommen. Wie muss man sich das vorstellen? Worauf kommt es bei der Auswahl vor allem an?
Köhler: Vor allem prüfen wir, ob die an den Messeständen gezeigten Produkte auf dem deutschsprachigen Markt wirklich verfügbar sind. Das ist schon beim Akquise-Gespräch ein Thema. Zudem muss der Fokus ganz klar auf Wein liegen, Ausnahmen gibt es nur für wenige artverwandte Produkte. Wir schauen streng darauf, dass wir bei unserem Markenkern bleiben. Das Prinzip „höher, schneller, weiter“, um rascher zu wachsen, ist nicht zielführend und zu kurzfristig gedacht.
Bei der Kuratierung werden wir von unserem Messebeirat unterstützt. Er setzt sich aus Spezialisten zusammen, die alle tief in der Weinbranche verwurzelt und täglich mit ihr im Austausch sind. Daher kennen sie ihre Sorgen und Bedürfnisse.
Getränke News: Wie setzen sich die Aussteller der Eurovino nun in Herkunft, Größe und Art zusammen?
Köhler: Etwa 70 Prozent der Firmen sind deutsche, das geht vom kleinen, innovativen Piwi-Betrieb etwa aus der Pfalz bis zu sehr großen Genossenschaften beispielsweise aus Württemberg. Auch einige VDP-Betriebe stellen bei uns aus. Die restlichen –internationalen – Aussteller kommen aus insgesamt elf Nationen, am stärksten vertreten sind Italien, Österreich und Spanien. Aber auch hierzulande unbekanntere Weinländer sind vertreten wie zum Beispiel Georgien, Mexiko oder Chile.
Getränke News: Und wie sieht die Besucherstruktur hinsichtlich Ländern und Branchen aus?
Köhler: Wie von uns beabsichtigt, kommen die meisten Besuchenden aus dem deutschsprachigen Raum. Und Karlsruhe ist ein regelmäßiger Messeplatz für Handelsthemen, wir verzeichnen daher einen gewissen Schwerpunkt bei Messegästen aus dem LEH und dem Fachhandel. Doch auch Besucher aus Gastronomie, Hotellerie und dem Online-Handel nutzen die Eurovino als Informations- und Orderplattform.
Getränke News: In diesem Jahr hat Mexiko einen speziellen Auftritt auf der Eurovino. Wie passt das zu Ihrem Konzept, sich auf Deutschland und Europa zu fokussieren?
Köhler: Mexiko tritt im Rahmen unseres neuen, abgegrenzten Discover-Programms auf, mit dem wir Ländern und Regionen, die auf dem deutschsprachigen Absatzmarkt noch nicht so stark vertreten sind, die Möglichkeit geben, dort die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen. Und mexikanische Weine sind zweifellos bei uns noch ziemlich unbekannt. Perspektivisch soll das Discover-Programm insbesondere internationalen Weinregionen oder -ländern, die nicht im Kernkonzept der Eurovino vorkommen – sei es aus Europa oder Übersee –, eine Gelegenheit bieten, sich vor Ort zu zeigen.
Getränke News: Was sind 2026 darüber hinaus die wichtigsten Neuerungen bei der Ausstellung und beim Rahmenprogramm?
Köhler: Eine deutliche Weiterentwicklung hat die Expert Area erfahren. Sie wurde in die Ausstellungshalle verlegt und die Beratungen an den Countern wurden um Impulsvorträge ergänzt. Außerdem können erstmals Termine zur individuellen Beratung vorab gebucht werden.
Neues gibt es auch bei der Wine Experience, unserer digital gestützten Verkostungszone. Dort haben wir Raritäten hinzugenommen – exklusive Weine, die im regulären Handel kaum verfügbar sind. Über digitale Ausschankautomaten können Interessierte per Scan ihres Besucherausweises bis zu 15 ausgewählte Weine verkosten.
Getränke News: Sie haben auch angekündigt, dass sich ausstellende Unternehmen am Messeangebot beteiligen …
Köhler: Ja, erstmals werden im Rahmen des Begleitprogramms verschiedene Masterclasses auf der Konferenzebene stattfinden. Zum Beispiel rücken dort Schlumberger, Wein Wolf und andere verschiedene Schaumweine oder auch Weinregionen in den Mittelpunkt.
Eine weitere Premiere feiert bei der diesjährigen Eurovino der Bio-Verband Ecovin mit eigenen Tasting-Rundgängen unter anderem zu den Themen Piwis, alkoholfreie Alternativen und Naturweine.
Gerne möchte ich zudem noch auf unsere verschiedenen Awards hinweisen, besonders auf New & different, den Eurovino Innovation & Marketing Award, der sich nicht auf die Weinqualität, sondern vor allem auf Vermarktungsaspekte konzentriert. Zwei Jurys bewerten die eingereichten Konzepte – eine mit Experten aus der Weinbranche und eine aus Studierenden der Hochschule Heilbronn. Am Messemontag werden die Preise verliehen – da bin ich schon sehr gespannt.


























































































