Um neue Zielgruppen zu gewinnen, hat Gerolsteiner in den letzten Jahren verstärkt in die Entwicklung eines umfangreichen Softdrink-Angebots investiert. Aktuell positioniert sich der Brunnen in der Kategorie der präbiotischen Getränke als First Mover. Über erste Erfolge der Neuaufstellung sprach Getränke News mit Gerolsteiner-Chef Roel Annega.
Getränke News: Als erster großer AfG-Hersteller steigt Gerolsteiner mit „Flow“ in das Segment der funktionalen Erfrischungsgetränke ein. Wie kam es zu der Entscheidung und wie bedeutend ist die Kategorie für Sie?
Annega: Wir sehen bei den funktionalen Getränken ein sehr großes Potenzial: „Gerolsteiner Flow“ passt bestens zum Markenversprechen von Gerolsteiner, denn wir stehen, allein schon durch die natürliche Mineralisierung, ganz klar für einen qualitativen Mehrwert.
Insofern ist der Launch für uns schon sehr bedeutend. Das Interesse aus dem Handel war gleich groß, die Distribution ist schnell angelaufen. Viele Händler wollen „Flow“ auch dauerhaft unterstützen. Sie wissen ja, dass wir ein Partner sind, der mit Nachdruck an das Thema rangeht.
Getränke News: Das AfG-Regal bietet eine Fülle verschiedener Produkte. Wie sollen Konsumenten auf die Schnelle erfassen, dass „Flow“ kein gewöhnliches Erfrischungsgetränk ist?
Annega: Die Funktionalität des Getränks wird durch verschiedene Aussagen auf dem Etikett verdeutlicht. Neben dem Health Claim, dass Calcium wichtige Verdauungsenzyme aktiviert, wird dort auch der hohe Ballaststoffgehalt hervorgehoben. Es ist aber auch klar, dass es noch eine große Aufgabe sein wird, das Produkt zu erklären.
Allerdings setzen sich gerade mit dem Thema „Darmunterstützung“ sehr viele Menschen auseinander. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung haben Ballaststoffe eine präbiotische Wirkung, unterstützen also das Verdauungssystem. Doch rund 75 Prozent der Deutschen erreichen die von der DGE empfohlene Tageszufuhr von 30 Gramm Ballaststoffen nicht. Eine 500-Milliliter-Portion Gerolsteiner Flow deckt ca. 30 Prozent des empfohlenen Tagesbedarfs.
Getränke News: In Deutschland sind präbiotische Getränke aber noch nicht sehr verbreitet …
Annega: Das stimmt. In den USA ist das schon ein großer Markt, aber in Deutschland haben bislang nur kleinere Start-ups solche Getränke herausgebracht, große Anbieter gibt es noch nicht. Wir sind also First Mover und haben das Ziel, in dem Bereich Marktführer zu werden.
Die bisher verfügbaren Marken bewegen sich nahe an den amerikanischen Vorbildern, oft ist Apfelessig enthalten und viele sind mit Stevia gesüßt. Unser Ansatz ist anders, „Flow“ enthält keine Süßstoffe, ist zuckerarm und schmeckt einfach lecker – vom ersten bis zum letzten Schluck.
Getränke News: Gerolsteiner hat in den letzten Jahren – abseits vom Mineralwasser – stark in den Ausbau seines Angebots an Erfrischungsgetränken investiert, um mehr (jüngere) Konsumenten zu erreichen. Wie erfolgreich sind Sie damit inzwischen bei Handel und Verbrauchern?
Annega: Wir konnten unsere Käuferreichweite bei Jüngeren deutlich ausbauen. Eine wesentliche Rolle spielte dabei die Longneck-Range, da haben wir sehr gute Wachstumsraten. Dieses Jahr haben wir nationale Listungen bei Edeka und Rewe gewonnen.
Eine breite Distribution erreicht man für Longneck nicht von heute auf morgen, das ist deutlich schwerer als bei Mineralwasser und bei anderen Erfrischungsgetränken: Der Handel muss erst einmal einen Regalplatz kreieren, dann sollen die Flaschen auch in die Kühlschränke, das ist intensive Arbeit.
Inzwischen können wir aber mit bekannten Konzepten in Longneck gut mithalten. Die Range passt auch sehr gut zu dem aktuellen Trend eines geringeren Alkoholkonsums. Wer keinen Alkohol trinken möchte, findet hier eine stilvolle Alternative, denn Longneck steht für Genussmomente.
Getränke News: Das von Ihnen seit 2024 besetzte Cola-Segment ist immer noch stark vom Marktführer und inzwischen auch Fritz-Kola dominiert. In welchem Maße kann Gerolsteiner in der Kategorie punkten?
Annega: Wir hatten nie das Ziel, im Cola-Segment große Marktanteile zu gewinnen. Wir identifizieren uns nicht mit Cola, sondern betrachten sie vor allem als Teil der Longneck-Range, mit der wir andere Trinkanlässe bedienen können. Ohne Cola wäre so eine Linie unvollständig.
Getränke News: Seit der Longneck-Einführung im Frühjahr 2022 ist das neue Mineralwasser „Gerolsteiner Ursprung“ Teil der Range. Sie hatten damals gesagt, Sie wollten sich durch die besonders hohe Mineralisierung noch stärker vom Leitungswasser differenzieren. Ist das gelungen, wie wird die Sorte angenommen?
Annega: Wir sind zufrieden. Es sind keine riesigen Mengen, geschmacklich ist es aber ein Hammer-Produkt. Mit der besonders hohen Mineralisierung können wir uns sehr gut differenzieren – von Wettbewerbern und von Leitungswasser. Denn „Ursprung“ gibt uns eine weitere Gelegenheit, über Mineralisierung zu sprechen.
Getränke News: Apropos Festivals: Gerolsteiner hat in diesem Jahr erstmals das Sponsoring für das Parookaville-Festival übernommen, das nun das Wacken Open Air ablöst. Welche Bilanz ziehen Sie über die dreijährige Wacken-Partnerschaft?
Annega: Wacken war großartig. Wir sind mit der Geschichte rund ums „Zwischenwasser“ sehr gut bei der Community angekommen.
Getränke News: Warum haben Sie dann gewechselt?
Annega: Der Vertrag lief drei Jahre lang – dann ist die Geschichte aber auch irgendwann auserzählt. Außerdem passt Parookaville noch besser zu unserem Kern-Absatzgebiet und zu unserer Marke: Das Festival liegt in unserem Stammgebiet in NRW, außerdem ist die Zielgruppe sehr breit und jünger als die in Wacken.
Getränke News: Und wie lief die Premiere?
Annega: Unser Auftritt war grandios! An unserem Stand gab es immer Warteschlangen von mindestens einer halben Stunde. Zudem haben unsere „Brandlöscher“ zehntausende Besucher auf den Campingplätzen mit Zwischenwasser versorgt. Auch die Spiele, zu denen Gerolsteiner auf dem Festivalgelände eingeladen hat, waren gut besucht.
Und noch etwas darf man nicht vergessen: Parookaville hat einen ganz eigenen Stil, der absolut „instagramable“ ist. Die Leute machen alle Fotos. Daher erreichen wir über Social Media Millionen von Menschen.
Getränke News: Stimmt der Eindruck, dass alkoholfreie Getränke nicht nur am Gesamtmarkt wieder wachsen, sondern speziell auch auf Festivals eine zunehmende Rolle spielen?
Annega: Ja, das entspricht unserer Beobachtung. Auch am Gesamtmarkt profitieren wir von dem rückläufigen Alkoholkonsum, beim Mineralwasser und auch bei anderen AfG-Segmenten. Das stimmt mich für die Zukunft in diesen schwierigen Zeiten sehr zuversichtlich.
























































































