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Frau trinkt Wasser aus der Flasche
Sommergeschäft

Mineralbrunnen: Vieles ist Mangelware

Die sommerliche Hitzewelle hält seit Wochen Deutschlands Mineralbrunnen auf Trab. Dass mit den steigenden Temperaturen der Wasserkonsum enorm wächst, ist banal – und nicht neu. Durch die Zunahme der Extremwetterlagen ächzt die Branche allerdings inzwischen immer länger und öfter unter der Hitzelast. In diesem Jahr bringt die allgemein schwierige Wirtschaftslage zusätzliche Probleme. Getränke News sprach mit Experten aus Brunnen und GFGH.


Bei manchen Mineralbrunnen heißt es seit einigen Wochen wieder „Vollgut nur gegen Leergut“. Darüber berichtet etwa Michael Bartholl, Vorsitzender der Zentralgeschäftsführung von Frankenbrunnen. Er sieht insbesondere Engpässe bei den Poolgebinden der GDB. Nach seiner Einschätzung hat sich die Situation in den letzten Jahren verschärft. „Die Sommer werden immer extremer, zugleich wird das Verbraucherverhalten volatiler“, so der Brunnenchef.

Planung fällt immer schwerer

Die extreme Hitze bringe nie gekannte Absatzspitzen. Zudem erschwerten schnelllebige Trends und abrupte Änderungen im Konsumverhalten die Planbarkeit immer mehr. Als Beispiel führt Bartholl den Boom von Glas-Mehrweg in den letzten Jahren ins Feld. In diesem Jahr hingegen habe dann PET-Einweg eine „Renaissance“ erlebt – mit einem Wachstum, „dass wir zuvor noch nie im Markenbereich hatten“.

Die Hauptmarken beim Mineralwasser seien von der Knappheit zwar nicht betroffen, in den Randsortimenten komme man aber um Kürzungen nicht herum. „Hier haben wir bei manchen Artikeln für einige Tage oder auch Wochen eine Out-of-Stock-Situation“, räumt Bartholl mit Blick auf manche Süßgetränke sowie Zweitmarken bei den Wässern ein. „Besser aufgestellt“ sieht man sich in Neustadt an der Aisch bei den Individualgebinden, „weil wir hier Herr unseres eigenen Leerguts sind“. Bereits vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs habe das Unternehmen viel Geld in neue Individual-Kästen und -Flaschen investiert.

Gebindevielfalt ein zentrales Problem

Das sieht Denise Kaufmann, Geschäftsführerin der Winkels Getränkelogistik, aus dem Blickwinkel des großen GFGH-Unternehmens ganz anders. Die große Herausforderung liege in der Leergutsortierung, und die wachse eben mit der Vielfalt der Gebinde, insbesondere der Individualgebinde. „Vieles ist Mangelware, wir leben momentan von der Hand in den Mund“, so Kaufmann, die immer wieder dazu aufruft, Poolgebinde zu verwenden. Das GDB-System funktioniere, „da stehen gute Kontingente langfristig zur Verfügung“.

Auch Waldemar Behn vom gleichnamigen Fachgroßhandel in Eckernförde betrachtet den Trend zum Individualleergut als Hauptursache dafür, dass es im Sommer mit dem Mineralwassernachschub nicht mehr überall reibungslos läuft. Bei vielen GFGHs stünden große Mengen unsortierter Flaschen auf den Höfen, teilweise würden sogar extra Flächen dafür angemietet. Bis ein Lastzug gleichartiger Gebinde voll sei, dauere es immer länger – und vor allem viel zu lang, bis das Leergut zurück bei den Lieferanten sei.

Hinzu komme eine weiterhin wachsende Sortenvielfalt bei Limonaden, Mixgetränken & Co. Die Hersteller seien „sehr kreativ mit neuen Geschmacksrichtungen“, so Behn. „Damit stellen sie sich selbst ein Bein“, denn im Sommer müssten sie diese zeitweise streichen, um beim Mineralwasser lieferfähig zu bleiben.

Glasflaschen nicht leicht zu beschaffen

Abgesehen von leichten Lieferverzögerungen und Ausfällen bei weniger wichtigen Sortimenten ist der Sommer 2022 für die Brunnen aber bislang noch eine relativ normale Saison. Allerdings beginnen sich gerade die Folgen des Ukraine-Kriegs auszuwirken. Zum Beispiel beim Thema Glas: „Meine Kollegen im Einkauf rotieren, damit wir immer genug liefern können“, berichtet Tobias Bielenstein, Pressesprecher der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB).

„Wir kaufen prinzipiell breit gestreut ein, alle maßgeblichen Glashersteller produzieren für uns“, unterstreicht er. Daher sei die GDB bei ihren Standardgebinden „jederzeit lieferfähig“. Bislang habe es nur eine einzige wirkliche (und sehr kurze) Leergut-Knappheit gegeben – im März 2020, als Mineralwasser in den Top 10 der beliebtesten Artikel bei den coronabedingten Hamsterkäufen lag. Da kam – anders als im Sommer – das Leergut längerfristig nicht zurück.

Sorgen macht man sich in der Branche indes nicht nur ums Glas, sondern auch um Preise und Verfügbarkeit anderer Rohstoffe. „Wir haben jeden Stein umgedreht“, erzählt Winkels-Chefin Denise Kaufmann, die unter dem Firmendach neben dem GFGH auch ein Brunnenunternehmen (mit Marken wie Alwa, Griesbacher und Fontanis) führt. So habe man beispielsweise bei allen Glasflaschen von Alu- auf PET-Deckel umgestellt und verzichte teilweise auf die Halsetiketten.

Hohe Krankenstände bremsen Produktion

Weiter verschärfen dürfte sich bei den Brunnen und im GFGH auch der Personalmangel, der sich wegen derzeit hoher Corona-Inzidenzen noch deutlicher als sonst bemerkbar macht. Durch hohe Krankenstände habe man bei Frankenbrunnen in den letzten Wochen nicht so produzieren können wie geplant, sagt Geschäftsführer Michael Bartholl.

Auch in der Hassia-Gruppe kam es zuletzt „in Einzelbereichen situativ zu Engpässen“, wie Marketing-Geschäftsführer Stefan Müller berichtet. Wie wohl die meisten Brunnen sei man aber „grundsätzlich lieferfähig“. Man habe sich allerdings auch gut auf die Saisonspitzen vorbereitet, unter anderem durch ein aktives Management der Emballagen im Vorfeld, eine Reduzierung komplexer interner Prozesse und Investitionen in Lagersysteme und eine neue Lkw-Flotte. „All das hilft uns als Unternehmen mit Blick auf den Herbst und ein sich weiter eintrübendes Konsumklima“, so Müller.

Politik in der Verantwortung

Bei Gerolsteiner hingegen sieht man derzeit vorrangig die Politik in der Pflicht. „Lösungen müssen vor allem außerhalb der Branche geschaffen werden“, unterstreicht Unternehmenssprecherin Ann Börries. So müssten etwa Anreize für den Beruf des Lkw-Fahrers geschaffen und der Ausbau anderer Güterverkehrswege wie des Schienennetzes gefördert werden – ein weites Feld, das viele Brunnen auch für die Engpässe im Sommer verantwortlich machen.

Völlig entspannt werde es allerdings wohl im Sommer in der Branche nie zugehen, ist GDB-Sprecher Tobias Bielenstein überzeugt. Bei der Brunnen-Genossenschaft bemüht man da gerne das Bild des Kaffeeservices: Es werde nur einmal im Jahr mit allen Teilen ausgepackt – wenn die ganze Verwandtschaft zu Besuch komme. „Das System ist so gebaut, dass es die Spitze aushalten kann, mehr aber nicht.“

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Mineralbrunnen: Vieles ist Mangelware

Die sommerliche Hitzewelle hält seit Wochen Deutschlands Mineralbrunnen auf Trab. Dass mit den steigenden Temperaturen der Wasserkonsum enorm wächst, ist banal – und nicht neu. Durch die Zunahme der Extremwetterlagen ächzt die Branche allerdings inzwischen immer länger und öfter unter der Hitzelast. In diesem Jahr bringt die allgemein schwierige Wirtschaftslage zusätzliche Probleme. Getränke News sprach mit Experten aus Brunnen und GFGH.


Bei manchen Mineralbrunnen heißt es seit einigen Wochen wieder „Vollgut nur gegen Leergut“. Darüber berichtet etwa Michael Bartholl, Vorsitzender der Zentralgeschäftsführung von Frankenbrunnen. Er sieht insbesondere Engpässe bei den Poolgebinden der GDB. Nach seiner Einschätzung hat sich die Situation in den letzten Jahren verschärft. „Die Sommer werden immer extremer, zugleich wird das Verbraucherverhalten volatiler“, so der Brunnenchef.

Planung fällt immer schwerer

Die extreme Hitze bringe nie gekannte Absatzspitzen. Zudem erschwerten schnelllebige Trends und abrupte Änderungen im Konsumverhalten die Planbarkeit immer mehr. Als Beispiel führt Bartholl den Boom von Glas-Mehrweg in den letzten Jahren ins Feld. In diesem Jahr hingegen habe dann PET-Einweg eine „Renaissance“ erlebt – mit einem Wachstum, „dass wir zuvor noch nie im Markenbereich hatten“.

Die Hauptmarken beim Mineralwasser seien von der Knappheit zwar nicht betroffen, in den Randsortimenten komme man aber um Kürzungen nicht herum. „Hier haben wir bei manchen Artikeln für einige Tage oder auch Wochen eine Out-of-Stock-Situation“, räumt Bartholl mit Blick auf manche Süßgetränke sowie Zweitmarken bei den Wässern ein. „Besser aufgestellt“ sieht man sich in Neustadt an der Aisch bei den Individualgebinden, „weil wir hier Herr unseres eigenen Leerguts sind“. Bereits vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs habe das Unternehmen viel Geld in neue Individual-Kästen und -Flaschen investiert.

Gebindevielfalt ein zentrales Problem

Das sieht Denise Kaufmann, Geschäftsführerin der Winkels Getränkelogistik, aus dem Blickwinkel des großen GFGH-Unternehmens ganz anders. Die große Herausforderung liege in der Leergutsortierung, und die wachse eben mit der Vielfalt der Gebinde, insbesondere der Individualgebinde. „Vieles ist Mangelware, wir leben momentan von der Hand in den Mund“, so Kaufmann, die immer wieder dazu aufruft, Poolgebinde zu verwenden. Das GDB-System funktioniere, „da stehen gute Kontingente langfristig zur Verfügung“.

Auch Waldemar Behn vom gleichnamigen Fachgroßhandel in Eckernförde betrachtet den Trend zum Individualleergut als Hauptursache dafür, dass es im Sommer mit dem Mineralwassernachschub nicht mehr überall reibungslos läuft. Bei vielen GFGHs stünden große Mengen unsortierter Flaschen auf den Höfen, teilweise würden sogar extra Flächen dafür angemietet. Bis ein Lastzug gleichartiger Gebinde voll sei, dauere es immer länger – und vor allem viel zu lang, bis das Leergut zurück bei den Lieferanten sei.

Hinzu komme eine weiterhin wachsende Sortenvielfalt bei Limonaden, Mixgetränken & Co. Die Hersteller seien „sehr kreativ mit neuen Geschmacksrichtungen“, so Behn. „Damit stellen sie sich selbst ein Bein“, denn im Sommer müssten sie diese zeitweise streichen, um beim Mineralwasser lieferfähig zu bleiben.

Glasflaschen nicht leicht zu beschaffen

Abgesehen von leichten Lieferverzögerungen und Ausfällen bei weniger wichtigen Sortimenten ist der Sommer 2022 für die Brunnen aber bislang noch eine relativ normale Saison. Allerdings beginnen sich gerade die Folgen des Ukraine-Kriegs auszuwirken. Zum Beispiel beim Thema Glas: „Meine Kollegen im Einkauf rotieren, damit wir immer genug liefern können“, berichtet Tobias Bielenstein, Pressesprecher der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB).

„Wir kaufen prinzipiell breit gestreut ein, alle maßgeblichen Glashersteller produzieren für uns“, unterstreicht er. Daher sei die GDB bei ihren Standardgebinden „jederzeit lieferfähig“. Bislang habe es nur eine einzige wirkliche (und sehr kurze) Leergut-Knappheit gegeben – im März 2020, als Mineralwasser in den Top 10 der beliebtesten Artikel bei den coronabedingten Hamsterkäufen lag. Da kam – anders als im Sommer – das Leergut längerfristig nicht zurück.

Sorgen macht man sich in der Branche indes nicht nur ums Glas, sondern auch um Preise und Verfügbarkeit anderer Rohstoffe. „Wir haben jeden Stein umgedreht“, erzählt Winkels-Chefin Denise Kaufmann, die unter dem Firmendach neben dem GFGH auch ein Brunnenunternehmen (mit Marken wie Alwa, Griesbacher und Fontanis) führt. So habe man beispielsweise bei allen Glasflaschen von Alu- auf PET-Deckel umgestellt und verzichte teilweise auf die Halsetiketten.

Hohe Krankenstände bremsen Produktion

Weiter verschärfen dürfte sich bei den Brunnen und im GFGH auch der Personalmangel, der sich wegen derzeit hoher Corona-Inzidenzen noch deutlicher als sonst bemerkbar macht. Durch hohe Krankenstände habe man bei Frankenbrunnen in den letzten Wochen nicht so produzieren können wie geplant, sagt Geschäftsführer Michael Bartholl.

Auch in der Hassia-Gruppe kam es zuletzt „in Einzelbereichen situativ zu Engpässen“, wie Marketing-Geschäftsführer Stefan Müller berichtet. Wie wohl die meisten Brunnen sei man aber „grundsätzlich lieferfähig“. Man habe sich allerdings auch gut auf die Saisonspitzen vorbereitet, unter anderem durch ein aktives Management der Emballagen im Vorfeld, eine Reduzierung komplexer interner Prozesse und Investitionen in Lagersysteme und eine neue Lkw-Flotte. „All das hilft uns als Unternehmen mit Blick auf den Herbst und ein sich weiter eintrübendes Konsumklima“, so Müller.

Politik in der Verantwortung

Bei Gerolsteiner hingegen sieht man derzeit vorrangig die Politik in der Pflicht. „Lösungen müssen vor allem außerhalb der Branche geschaffen werden“, unterstreicht Unternehmenssprecherin Ann Börries. So müssten etwa Anreize für den Beruf des Lkw-Fahrers geschaffen und der Ausbau anderer Güterverkehrswege wie des Schienennetzes gefördert werden – ein weites Feld, das viele Brunnen auch für die Engpässe im Sommer verantwortlich machen.

Völlig entspannt werde es allerdings wohl im Sommer in der Branche nie zugehen, ist GDB-Sprecher Tobias Bielenstein überzeugt. Bei der Brunnen-Genossenschaft bemüht man da gerne das Bild des Kaffeeservices: Es werde nur einmal im Jahr mit allen Teilen ausgepackt – wenn die ganze Verwandtschaft zu Besuch komme. „Das System ist so gebaut, dass es die Spitze aushalten kann, mehr aber nicht.“

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