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Single-Malt-Glas vor Fenster mit Schattenwürfen
Kirsch Import

„Marketingmärchen sind nicht unser Ding“

1976 gegründet, ist Kirsch Import heute der Händler mit dem größten Angebot an Single Malt Whiskys und ein führender Distributeur sehr hochwertiger Spirituosen. Getränke News sprach mit Christoph Kirsch, Geschäftsführer in zweiter Generation, über aktuelle Trends am Spirituosenmarkt.


Christoph Kirsch, Geschäftsführer in zweiter Generation (Foto: Kirsch Import)
Christoph Kirsch führt das Unternehmen in zweiter Generation (Foto: Kirsch Import).

Getränke News: Kirsch Import hat seit über 40 Jahren den Finger am Puls des Spirituosenmarkts. Wie haben sich denn ganz allgemein der Konsum und die Trends in Deutschland verändert?

Kirsch: Seit einigen Jahren nehmen wir einen immer stärkeren Trend zu Premiumspirituosen wahr. Es gibt immer neue Editionen, alles ist limitiert, man findet zahlreiche wirklich teure Produkte. Die Menschen trinken weniger, aber besser. Beim Whisky gibt es zudem immer mehr Sammler. Gerade in Zeiten der Inflation ist Whisky für viele zu einem alternativen Investment geworden.

Getränke News: Ändern sich auch die Geschmacksvorlieben?

Kirsch: Immer mehr Konsumenten wünschen sich Spirituosen mit extremeren Geschmacksprofilen und intensiver Aromatik, zum Beispiel stark getorfte Whiskys oder Gins, bei denen ein Botanical deutlich hervortritt. Spirituosen mit eher filigranen Aromen geraten gerade bei den Nerds in den Hintergrund.

Getränke News: Sie bezeichnen sich heute als „Vollsortimenter für Premiumspirituosen“. Wie definieren Sie das?

Kirsch: Wir haben uns früh auf gehobene, wirklich hochpreisige Qualitäten spezialisiert. Unsere Hauptkunden sind heute Spirituosenfachhändler, die suchen für ihre Kunden natürlich Produkte, die sie nicht überall kaufen können. Die finden wir vor allem bei unabhängigen Unternehmen, gerne bei Familienunternehmen, wie wir selbst eines sind.

Getränke News: Worauf kommt es dabei an, was muss eine Spirituose mitbringen, um in Ihr Portfolio aufgenommen zu werden?

Kirsch: Die großen, weltbekannten Marken haben viele Fans, und das ist auch berechtigt. Wir versuchen aber ganz bewusst, genau die Produkte anzubieten, die sich von diesem Mainstream abheben. Die echten Whisky-Nerds suchen immer etwas Neues, das sie noch nicht kennen und womit sie ihre Freunde begeistern können.

Getränke News: Sie haben inzwischen über 4.000 Artikel im Sortiment. Eine ganze Menge …

Kirsch: Unser Portfolio ist in den letzten Jahren sehr schnell gewachsen. Die Produkte wechseln schnell, es gibt immer wieder etwas Neues, zum Beispiel immer neue Einzelfassabfüllungen, mit denen wir unsere Kunden überraschen können.

Getränke News: Wie kommen Sie denn im Allgemeinen mit den Herstellern zusammen?

Kirsch: Wir erhalten jährlich 60 bis 100 Anfragen, Marken in unser Vertriebsportfolio zu integrieren, nehmen aber nur vier bis sechs davon auf.

Getränke News: Wie trennen Sie die Spreu vom Weizen?

Kirsch: Ich bin selbst ein begeisterter Whiskyfan und kenne mich bestens aus. Wenn wir wirklich interessiert sind, lernen wir meistens auch die Eigentümer kennen, besuchen die Destillerien vor Ort, um uns ein Bild zu machen, wer die Menschen dort sind und wie und mit welcher Leidenschaft sie arbeiten.

Bei Spirituosen wie Rum oder Gin muss man besonders darauf achten, dass es ehrliche Produkte sind. Da drängen viele Unternehmen auf den Markt, die nur so tun, als wären sie Brennereien, dabei sind es Agenturen, die Marken kreieren und sie im Auftrag produzieren lassen. Wir sind keine Weltverbesserer – jeder soll trinken, was er möchte. Aber Marketingmärchen sind nicht unser Ding.

Getränke News: Seit wann haben Sie Rum und Gin im Sortiment?

Kirsch: Seit etwa zehn Jahren agieren wir in diesem Bereich als Exklusivimporteur. Inzwischen stehen beide Kategorien jeweils für etwa zehn Prozent unseres Umsatzes. Den bei weitem größten Anteil haben nach wie vor mit 60 Prozent die Single Malts.

Getränke News: Die gibt es bei Ihnen aber inzwischen nicht mehr nur aus Schottland …

Kirsch: Nein, wir bieten heute Single Malts aus sehr vielen Ländern an, auch aus solchen, wo man es nicht erwartet, wie Island, Dänemark, Finnland oder die Niederlande. Die verkaufen sich nicht leicht, das muss vermittelt werden, aber für uns ist es ein Alleinstellungsmerkmal.

Getränke News: Eine Spezialität von Ihnen sind auch indische Whiskys. Womit können die hierzulande punkten?

Kirsch: Indien ist der größte Whiskymarkt der Welt. Natürlich gibt es dort sehr viele niedrigpreisige Qualitäten, die man hier nicht trinken würde. Aber seit 20 Jahren werden in Indien nach schottischem Vorbild auch sehr hochwertige Whiskys produziert. In dem warmen Klima reift der Whisky sehr schnell, es gibt herausragende Qualitäten, die bei Kennern sehr hoch angesehen sind.

Da die Regeln nicht so streng sind wie in Schottland, wird viel experimentiert, es entstehen zum Beispiel Whiskys aus verschiedenen Malzsorten, die sich stark vom Mainstream abheben. Es gibt in Deutschland über 10.000 absolute Whiskyfans, die wollen sich immer weiterentwickeln. Das Thema ist sehr emotional, die Liebe zum Produkt ausgesprochen groß.

Getränke News: Wir gehen durch schwere Zeiten. Haben Sie die Corona-Pandemie in Ihrem Geschäft gespürt?

Kirsch: Da wir nicht so viel in die Gastronomie liefern, hat uns die Pandemie nicht geschadet. Wir haben eher davon profitiert, dass sich viele Leute hin und wieder eine schöne Flasche für zu Hause gegönnt haben.

Besorgniserregend sind aber die Folgen des Ukraine-Kriegs. Es kaufen ja nicht nur Top-Manager hochpreisige Spirituosen, sondern auch ganz normale Haushalte gönnen sich mal etwas. Und die müssen angesichts steigender Preise schauen, ob sie sich die Flasche Single Malt für 100 Euro künftig noch leisten können. Da spüren wir zurzeit eine deutliche Zurückhaltung. Und das wird sich wohl auch nicht so schnell ändern.


Unser Gesprächspartner:

Christoph Kirsch leitet den Spirituosengroßhandel Kirsch Import in zweiter Generation. Nach einigen Jahren im Unternehmen übernahm er 2015 die Geschäftsführung von seinem Vater Dieter Kirsch, der Kirsch Import 1976 in Stuhr bei Bremen gründete. Seit 2019 ist Christoph Kirsch auch Eigentümer von Kirsch Import.

Anfangs war Dieter Kirsch als Einzelhändler mit einem VW-Bully unterwegs, bald kam ein Großhandel für Miniaturen hinzu. In den 1980er Jahren importierte er als einer der Ersten Single Malts aus Schottland.

Inzwischen hat Kirsch Import etwa 70 Mitarbeiter, gilt als der Großhändler mit dem umfangreichsten Angebot an Single Malts und ist zugleich zum Vollsortimenter im Bereich von sehr hochwertigen Spirituosen herangewachsen. Kirsch Import beliefert heute deutschlandweit Fachhandel und Gastronomie mit mehr als 4.000 Spirituosen.

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Kirsch Import

„Marketingmärchen sind nicht unser Ding“

1976 gegründet, ist Kirsch Import heute der Händler mit dem größten Angebot an Single Malt Whiskys und ein führender Distributeur sehr hochwertiger Spirituosen. Getränke News sprach mit Christoph Kirsch, Geschäftsführer in zweiter Generation, über aktuelle Trends am Spirituosenmarkt.


Christoph Kirsch, Geschäftsführer in zweiter Generation (Foto: Kirsch Import)
Christoph Kirsch führt das Unternehmen in zweiter Generation (Foto: Kirsch Import).

Getränke News: Kirsch Import hat seit über 40 Jahren den Finger am Puls des Spirituosenmarkts. Wie haben sich denn ganz allgemein der Konsum und die Trends in Deutschland verändert?

Kirsch: Seit einigen Jahren nehmen wir einen immer stärkeren Trend zu Premiumspirituosen wahr. Es gibt immer neue Editionen, alles ist limitiert, man findet zahlreiche wirklich teure Produkte. Die Menschen trinken weniger, aber besser. Beim Whisky gibt es zudem immer mehr Sammler. Gerade in Zeiten der Inflation ist Whisky für viele zu einem alternativen Investment geworden.

Getränke News: Ändern sich auch die Geschmacksvorlieben?

Kirsch: Immer mehr Konsumenten wünschen sich Spirituosen mit extremeren Geschmacksprofilen und intensiver Aromatik, zum Beispiel stark getorfte Whiskys oder Gins, bei denen ein Botanical deutlich hervortritt. Spirituosen mit eher filigranen Aromen geraten gerade bei den Nerds in den Hintergrund.

Getränke News: Sie bezeichnen sich heute als „Vollsortimenter für Premiumspirituosen“. Wie definieren Sie das?

Kirsch: Wir haben uns früh auf gehobene, wirklich hochpreisige Qualitäten spezialisiert. Unsere Hauptkunden sind heute Spirituosenfachhändler, die suchen für ihre Kunden natürlich Produkte, die sie nicht überall kaufen können. Die finden wir vor allem bei unabhängigen Unternehmen, gerne bei Familienunternehmen, wie wir selbst eines sind.

Getränke News: Worauf kommt es dabei an, was muss eine Spirituose mitbringen, um in Ihr Portfolio aufgenommen zu werden?

Kirsch: Die großen, weltbekannten Marken haben viele Fans, und das ist auch berechtigt. Wir versuchen aber ganz bewusst, genau die Produkte anzubieten, die sich von diesem Mainstream abheben. Die echten Whisky-Nerds suchen immer etwas Neues, das sie noch nicht kennen und womit sie ihre Freunde begeistern können.

Getränke News: Sie haben inzwischen über 4.000 Artikel im Sortiment. Eine ganze Menge …

Kirsch: Unser Portfolio ist in den letzten Jahren sehr schnell gewachsen. Die Produkte wechseln schnell, es gibt immer wieder etwas Neues, zum Beispiel immer neue Einzelfassabfüllungen, mit denen wir unsere Kunden überraschen können.

Getränke News: Wie kommen Sie denn im Allgemeinen mit den Herstellern zusammen?

Kirsch: Wir erhalten jährlich 60 bis 100 Anfragen, Marken in unser Vertriebsportfolio zu integrieren, nehmen aber nur vier bis sechs davon auf.

Getränke News: Wie trennen Sie die Spreu vom Weizen?

Kirsch: Ich bin selbst ein begeisterter Whiskyfan und kenne mich bestens aus. Wenn wir wirklich interessiert sind, lernen wir meistens auch die Eigentümer kennen, besuchen die Destillerien vor Ort, um uns ein Bild zu machen, wer die Menschen dort sind und wie und mit welcher Leidenschaft sie arbeiten.

Bei Spirituosen wie Rum oder Gin muss man besonders darauf achten, dass es ehrliche Produkte sind. Da drängen viele Unternehmen auf den Markt, die nur so tun, als wären sie Brennereien, dabei sind es Agenturen, die Marken kreieren und sie im Auftrag produzieren lassen. Wir sind keine Weltverbesserer – jeder soll trinken, was er möchte. Aber Marketingmärchen sind nicht unser Ding.

Getränke News: Seit wann haben Sie Rum und Gin im Sortiment?

Kirsch: Seit etwa zehn Jahren agieren wir in diesem Bereich als Exklusivimporteur. Inzwischen stehen beide Kategorien jeweils für etwa zehn Prozent unseres Umsatzes. Den bei weitem größten Anteil haben nach wie vor mit 60 Prozent die Single Malts.

Getränke News: Die gibt es bei Ihnen aber inzwischen nicht mehr nur aus Schottland …

Kirsch: Nein, wir bieten heute Single Malts aus sehr vielen Ländern an, auch aus solchen, wo man es nicht erwartet, wie Island, Dänemark, Finnland oder die Niederlande. Die verkaufen sich nicht leicht, das muss vermittelt werden, aber für uns ist es ein Alleinstellungsmerkmal.

Getränke News: Eine Spezialität von Ihnen sind auch indische Whiskys. Womit können die hierzulande punkten?

Kirsch: Indien ist der größte Whiskymarkt der Welt. Natürlich gibt es dort sehr viele niedrigpreisige Qualitäten, die man hier nicht trinken würde. Aber seit 20 Jahren werden in Indien nach schottischem Vorbild auch sehr hochwertige Whiskys produziert. In dem warmen Klima reift der Whisky sehr schnell, es gibt herausragende Qualitäten, die bei Kennern sehr hoch angesehen sind.

Da die Regeln nicht so streng sind wie in Schottland, wird viel experimentiert, es entstehen zum Beispiel Whiskys aus verschiedenen Malzsorten, die sich stark vom Mainstream abheben. Es gibt in Deutschland über 10.000 absolute Whiskyfans, die wollen sich immer weiterentwickeln. Das Thema ist sehr emotional, die Liebe zum Produkt ausgesprochen groß.

Getränke News: Wir gehen durch schwere Zeiten. Haben Sie die Corona-Pandemie in Ihrem Geschäft gespürt?

Kirsch: Da wir nicht so viel in die Gastronomie liefern, hat uns die Pandemie nicht geschadet. Wir haben eher davon profitiert, dass sich viele Leute hin und wieder eine schöne Flasche für zu Hause gegönnt haben.

Besorgniserregend sind aber die Folgen des Ukraine-Kriegs. Es kaufen ja nicht nur Top-Manager hochpreisige Spirituosen, sondern auch ganz normale Haushalte gönnen sich mal etwas. Und die müssen angesichts steigender Preise schauen, ob sie sich die Flasche Single Malt für 100 Euro künftig noch leisten können. Da spüren wir zurzeit eine deutliche Zurückhaltung. Und das wird sich wohl auch nicht so schnell ändern.


Unser Gesprächspartner:

Christoph Kirsch leitet den Spirituosengroßhandel Kirsch Import in zweiter Generation. Nach einigen Jahren im Unternehmen übernahm er 2015 die Geschäftsführung von seinem Vater Dieter Kirsch, der Kirsch Import 1976 in Stuhr bei Bremen gründete. Seit 2019 ist Christoph Kirsch auch Eigentümer von Kirsch Import.

Anfangs war Dieter Kirsch als Einzelhändler mit einem VW-Bully unterwegs, bald kam ein Großhandel für Miniaturen hinzu. In den 1980er Jahren importierte er als einer der Ersten Single Malts aus Schottland.

Inzwischen hat Kirsch Import etwa 70 Mitarbeiter, gilt als der Großhändler mit dem umfangreichsten Angebot an Single Malts und ist zugleich zum Vollsortimenter im Bereich von sehr hochwertigen Spirituosen herangewachsen. Kirsch Import beliefert heute deutschlandweit Fachhandel und Gastronomie mit mehr als 4.000 Spirituosen.

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