Oettinger Getränke holt die Eigentümerin zurück in die operative Führung. Pia Kollmar wurde mit Wirkung zum 11. Februar 2026 in die Geschäftsführung berufen und übernimmt die Verantwortung für die Bereiche Finanzen und Strategie,teilt das Unternehmen mit.
Für Pia Kollmar ist es eine Rückkehr. Sie gehörte der Geschäftsführung bereits bis 2022 an und wechselte anschließend an die Spitze des Beirats. Mit der erneuten Übernahme einer operativen Funktion legt sie den Beiratsvorsitz nieder. Das langjährige Beiratsmitglied Günther Düll übernimmt den Vorsitz.
Die Erweiterung der Geschäftsführung ist Teil eines angekündigten Führungsumbaus. CEO Stefan Blaschak wird seinen 2023 geschlossenen Drei-Jahres-Vertrag nicht über den Sommer 2026 hinaus verlängern (wir berichteten). „Meine Zeit als Vorsitzender der Geschäftsführung der Oettinger Brauerei GmbH neigt sich dem Ende entgegen. Nun stellen wir unsere Unternehmensführung breiter auf und verteilen die Aufgaben auf mehrere Schultern“, erklärt Blaschak.
Von zwei Standorten getrennt
In den vergangenen Jahren gab es bei der Oettinger-Gruppe mehrere Standortentscheidungen. 2023 wurde die Brauerei in Gotha an die Paulaner Brauerei Gruppe verkauft. Zum Jahresende 2025 wurde die Bierproduktion am Standort Braunschweig eingestellt. Die seit dem Sommer bestehende Hoffnung auf einen Käufer hatte sich nicht erfüllt.
Als Gründe für die Einstellung der Produktion in Braunschweig nannte das Unternehmen rückläufigen Bierabsatz in Deutschland, Überkapazitäten im Markt sowie deutlich gestiegene Energie-, Produktions- und Lohnkosten. Oettinger sprach in diesem Zusammenhang nicht von einer Schließung, sondern von einer Produktionsverlagerung.
Blaschak hatte die Führung der Gruppe im Juni 2023 übernommen. Im Interview mit Getränke News im November 2024 beschrieb er das Unternehmen bei seinem Amtsantritt als strategisch und strukturell ins Stocken geraten. „Aus diesen Gründen war das Unternehmen in Sachen Strategie und Struktur ein Stück weit stehen geblieben“, sagte Blaschak mit Blick auf die Jahre nach dem Tod von Günther und Dirk Kollmar sowie die Belastungen durch Pandemie und Ukraine-Krieg.
Strategische Neuausrichtung seit 2023
Blaschak erklärte im Interview, er habe zunächst Programme zur Effizienzsteigerung in Produktion, Supply Chain und Logistik aufgesetzt und parallel eine neue strategische Ausrichtung erarbeitet. Ziel sei es gewesen, die „Selbstständigkeit zurückzugewinnen“, unter anderem durch den Austausch der finanzierenden Banken. „Im Handelsjargon würde man sagen, wir haben die Banken ausgelistet“, so Blaschak.
Nach seinen Angaben erzielt Oettinger rund 40 Prozent des Geschäfts im Ausland und ist in nahezu 100 Ländern vertreten. Dieses internationale Geschäft solle weiter ausgebaut werden. „Wir glauben an diese Strategie, gehen unseren eigenen Weg und haben eine klare Idee“, sagte Blaschak im Interview.
Spekulationen, sein angekündigter Rückzug stehe im Zusammenhang mit einer negativen wirtschaftlichen Entwicklung, wies das Unternehmen im Herbst 2025 auf Nachfrage von Getränke News zurück. „Seit und durch Herrn Blaschak ab Mitte 2023 sind wir nach einer langen Durststrecke erstmals wieder in die schwarzen Zahlen gekommen, in denen wir uns nach wie vor befinden“, betonte eine Unternehmenssprecherin.
Mit der Berufung von Pia Kollmar in die Geschäftsführung übernimmt die Eigentümerfamilie nun wieder unmittelbar operative Verantwortung für zentrale Steuerungsbereiche, während die Nachfolge von Stefan Blaschak vorbereitet wird.


























































































