Bitburger Winterbock
Anzeige
Alle Nachrichten auf Getränke News durchsuchen
Gläser mit Logos von Warsteiner und Karlsberg stoßen an
Einkaufsgesellschaft

Karlsberg und Warsteiner planen Kooperation

Der Kostendruck auf die Brauwirtschaft führt zu einer ungewöhnlichen Allianz: Am 14. November 2022 haben die Warsteiner Brauerei Haus Cramer KG, Warstein, und die Karlsberg Holding GmbH, Homburg, die Gründung einer gemeinsamen Einkaufsgesellschaft mit gemeinsamer Kontrolle angemeldet (Az. B4-137/22). Das hat das Bundeskartellamt in Bonn mitgeteilt. Beide inhabergeführten Unternehmen kämpfen seit Jahren mit Absatzverlusten. Angesichts der Marktbedeutung beider Brauereien ist nicht mit Einwänden der Bonner Aufsichtsbehörde gegen die saarländisch-sauerländische Allianz zu rechnen.

Zulieferindustrie schaut mit Spannung auf neue Gesellschaft

Karlsberg und Warsteiner wollen im Einkauf fortan näher zusammenrücken – mit der Gründung einer gemeinsamen Einkaufsgesellschaft. Das Bundeskartellamt hat nach eigenen Angaben zunächst einen Monat Zeit, um den Zusammenschluss zu prüfen (sog. „erste Phase“). Erweist sich das Fusionsvorhaben als unproblematisch, gibt die Beschlussabteilung den Zusammenschluss vor Ablauf der Monatsfrist formlos frei. Dann steht einem Start der gemeinsamen Einkaufsgesellschaft nichts mehr im Wege – die Zulieferindustrie der Brauwirtschaft dürfte die Neuausrichtung mit Interesse beobachten. Marktseitig bringt eine solche Allianz ohnehin keine Probleme mit sich, da es in den Märkten der Saarländer und der Sauerländer Brauerei keine relevanten Überschneidungen gibt.

2010 hatte Christian Weber die Nachfolge seines Vaters Dr. Richard Weber angetreten, der über viele Jahre hinweg auch deutscher Brauerpräsident war. In der Jahresbilanz 2011 hatte das Unternehmen die „Strategie 2020“ ausgegeben, nach der ein jährliches Umsatzwachstum zwischen drei und fünf Prozent bei einer gewünschten Umsatzrendite von rund acht Prozent erreicht werden solle. Tatsächlich dürfte der Kostendruck die saarländische Brauerei inzwischen erheblich belasten. Das Unternehmen verfügt mit dem angestammten Sortenspektrum unter der Marke Karlsberg zwar über eine solide regionale Präsenz, über eine Distributionsausweitung ergeben sich aber außerhalb der Kernregion kaum Wachstumsperspektiven. Mit Mixery hingegen hat das Unternehmen früh das Segment der Biermischgetränke mitgestaltet und konnte sich dort sogar national profilieren.

Erste Karlsberg-Allianz mit BHI schon 2009 gescheitert

Der Allianz-Gedanke im Hause Karlsberg ist nicht neu: Bereits zu Jahrtausendbeginn hatte der damalige Inhaber Dr. Richard Weber auf die Internationalisierungstendenz der deutschen Brauwirtschaft reagiert und 2003 eine 45-Prozent-Beteiligung der Bayrischen Brauholding Internation (BHI) am deutschen Biergeschäft der Saarländer zugelassen. Doch die Zusammenarbeit mit dem Gemeinschaftsunternehmen der Schörghuber Unternehmensgruppe (50,1 %) und Heineken (49,9 %) aus den Niederlanden scheiterte schon 2009. Seither befanden sich alle Anteile wieder vollständig in Familienbesitz.

2021 war die Homburger Karlsberg-Brauerei in die Schlagzeilen geraten, weil das Unternehmen nach Behördenangaben mit Scheinrechnungen betrogen worden sein soll. Polizei, Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft hatten damals in der Zentrale der Homburger Karlsberg-Gruppe sowie bei der Karlsberg-Beteiligung Niehoff’s Vaihinger in Lauterecken nach Beweisen dafür gesucht, dass das Unternehmen durch falsche und fingierte Speditionsrechnungen über Jahre hinweg betrogen worden sei. Dabei soll Karlsberg nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern um eine Summe in Millionenhöhe geschädigt worden sein.

Warsteiner Sparmaßnahmen schon im Personalbudget

Die Warsteiner Brauerei durchlebte seit der Jahrtausendwende ebenfalls Turbulenzen, musste die langjährige Marktführerposition an Hauptwettbewerber Krombacher abtreten und verlor allein am Stammsitz rund zwei Drittel des damaligen Ausstoßes, der in der Spitze bei der Stamm-Marke Warsteiner allein über sechs Millionen Hektoliter ausmachte. Seit 2007 hatte Catharina Cramer als geschäftsführende Gesellschafterin ihren Vater Albert Cramer unterstützt und später die alleinige Führung übernommen; die Rückkehr auf den Erfolgspfad sollte sich allerdings nicht einstellen.

Stattdessen führten immer neue Wechsel in der Geschäftsführung zu Unwuchten. Zuletzt übernahmen Helmut Hörz als Vorsitzender der Geschäftsführung und Uwe Alberhardt als Geschäftsführer Marketing/Vertrieb die Führung. Sparmaßnahmen im Personalbereich waren die Folge, als die Warsteiner Brauerei aus der Tarifgemeinschaft der Sauer- und Siegerländer Brauereien austrat und damit den Mitarbeitern finanzielle Einbußen aufbürdete.

Kostenloser wöchentlicher Newsletter
Gläser mit Logos von Warsteiner und Karlsberg stoßen an
Einkaufsgesellschaft

Karlsberg und Warsteiner planen Kooperation

Der Kostendruck auf die Brauwirtschaft führt zu einer ungewöhnlichen Allianz: Am 14. November 2022 haben die Warsteiner Brauerei Haus Cramer KG, Warstein, und die Karlsberg Holding GmbH, Homburg, die Gründung einer gemeinsamen Einkaufsgesellschaft mit gemeinsamer Kontrolle angemeldet (Az. B4-137/22). Das hat das Bundeskartellamt in Bonn mitgeteilt. Beide inhabergeführten Unternehmen kämpfen seit Jahren mit Absatzverlusten. Angesichts der Marktbedeutung beider Brauereien ist nicht mit Einwänden der Bonner Aufsichtsbehörde gegen die saarländisch-sauerländische Allianz zu rechnen.

Zulieferindustrie schaut mit Spannung auf neue Gesellschaft

Karlsberg und Warsteiner wollen im Einkauf fortan näher zusammenrücken – mit der Gründung einer gemeinsamen Einkaufsgesellschaft. Das Bundeskartellamt hat nach eigenen Angaben zunächst einen Monat Zeit, um den Zusammenschluss zu prüfen (sog. „erste Phase“). Erweist sich das Fusionsvorhaben als unproblematisch, gibt die Beschlussabteilung den Zusammenschluss vor Ablauf der Monatsfrist formlos frei. Dann steht einem Start der gemeinsamen Einkaufsgesellschaft nichts mehr im Wege – die Zulieferindustrie der Brauwirtschaft dürfte die Neuausrichtung mit Interesse beobachten. Marktseitig bringt eine solche Allianz ohnehin keine Probleme mit sich, da es in den Märkten der Saarländer und der Sauerländer Brauerei keine relevanten Überschneidungen gibt.

2010 hatte Christian Weber die Nachfolge seines Vaters Dr. Richard Weber angetreten, der über viele Jahre hinweg auch deutscher Brauerpräsident war. In der Jahresbilanz 2011 hatte das Unternehmen die „Strategie 2020“ ausgegeben, nach der ein jährliches Umsatzwachstum zwischen drei und fünf Prozent bei einer gewünschten Umsatzrendite von rund acht Prozent erreicht werden solle. Tatsächlich dürfte der Kostendruck die saarländische Brauerei inzwischen erheblich belasten. Das Unternehmen verfügt mit dem angestammten Sortenspektrum unter der Marke Karlsberg zwar über eine solide regionale Präsenz, über eine Distributionsausweitung ergeben sich aber außerhalb der Kernregion kaum Wachstumsperspektiven. Mit Mixery hingegen hat das Unternehmen früh das Segment der Biermischgetränke mitgestaltet und konnte sich dort sogar national profilieren.

Erste Karlsberg-Allianz mit BHI schon 2009 gescheitert

Der Allianz-Gedanke im Hause Karlsberg ist nicht neu: Bereits zu Jahrtausendbeginn hatte der damalige Inhaber Dr. Richard Weber auf die Internationalisierungstendenz der deutschen Brauwirtschaft reagiert und 2003 eine 45-Prozent-Beteiligung der Bayrischen Brauholding Internation (BHI) am deutschen Biergeschäft der Saarländer zugelassen. Doch die Zusammenarbeit mit dem Gemeinschaftsunternehmen der Schörghuber Unternehmensgruppe (50,1 %) und Heineken (49,9 %) aus den Niederlanden scheiterte schon 2009. Seither befanden sich alle Anteile wieder vollständig in Familienbesitz.

2021 war die Homburger Karlsberg-Brauerei in die Schlagzeilen geraten, weil das Unternehmen nach Behördenangaben mit Scheinrechnungen betrogen worden sein soll. Polizei, Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft hatten damals in der Zentrale der Homburger Karlsberg-Gruppe sowie bei der Karlsberg-Beteiligung Niehoff’s Vaihinger in Lauterecken nach Beweisen dafür gesucht, dass das Unternehmen durch falsche und fingierte Speditionsrechnungen über Jahre hinweg betrogen worden sei. Dabei soll Karlsberg nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern um eine Summe in Millionenhöhe geschädigt worden sein.

Warsteiner Sparmaßnahmen schon im Personalbudget

Die Warsteiner Brauerei durchlebte seit der Jahrtausendwende ebenfalls Turbulenzen, musste die langjährige Marktführerposition an Hauptwettbewerber Krombacher abtreten und verlor allein am Stammsitz rund zwei Drittel des damaligen Ausstoßes, der in der Spitze bei der Stamm-Marke Warsteiner allein über sechs Millionen Hektoliter ausmachte. Seit 2007 hatte Catharina Cramer als geschäftsführende Gesellschafterin ihren Vater Albert Cramer unterstützt und später die alleinige Führung übernommen; die Rückkehr auf den Erfolgspfad sollte sich allerdings nicht einstellen.

Stattdessen führten immer neue Wechsel in der Geschäftsführung zu Unwuchten. Zuletzt übernahmen Helmut Hörz als Vorsitzender der Geschäftsführung und Uwe Alberhardt als Geschäftsführer Marketing/Vertrieb die Führung. Sparmaßnahmen im Personalbereich waren die Folge, als die Warsteiner Brauerei aus der Tarifgemeinschaft der Sauer- und Siegerländer Brauereien austrat und damit den Mitarbeitern finanzielle Einbußen aufbürdete.

Kostenloser wöchentlicher Newsletter
Anzeige

Serie


© Getränke News 2018 - 2022