Gut vier Wochen nach Beginn des Iran-Kriegs belasten die Folgen zunehmend auch die Getränkebranche. Kurzfristig und schon jetzt sind es vor allem die gestiegenen Spritpreise, die Logistik und Transport verteuern; in Zukunft erwarten Branchenvertreter zudem sich verschärfende Probleme durch steigende Energie- und Rohstoffkosten sowie die schlechte Konsumstimmung.
Von deutlich spürbaren Auswirkungen in der Getränkelogistik berichtet Dirk Reinsberg, geschäftsführender Vorstand des GFGH-Bundesverbands. Steigende Kraftstoff- und Energiekosten würden die Lieferketten nicht nur insgesamt erheblich belasten, sondern seien auch für den Getränkefachgroßhandel herausfordernd. Zwar hätten viele Händler aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre bereits mit Teilen ihrer Kundschaft einen „Dieselfloater“ ausgehandelt, er sei aber nicht in allen Geschäftsbereichen gängige Praxis.
Dabei handelt es sich um einen variablen Zuschlag in der Logistik, der die Transportpreise dynamisch an schwankende Dieselpreise anpasst. Insbesondere in der Gastronomiebelieferung und im Veranstaltungsbereich müsse aber unter Umständen nachverhandelt werden, um die Wirtschaftlichkeit des Geschäfts sicherzustellen.
Regierungsmaßnahmen eher „Symbolpolitik“
Auch bei den Brauereien sind es zunächst vor allem die gestiegenen Spritpreise, die die Geschäfte unmittelbar belasten. Da fast alle Unternehmen hingegen für Strom und Gas längerfristige Lieferverträge nutzen, sei hier erst verzögert mit Folgen zu rechnen, erklärt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds. Die Kraftstoffpreise indessen machen ihm große Sorgen – und die Hoffnung auf politische Unterstützung ist gering.
Die Sofortmaßnahmen der Bundesregierung seien „eher Symbolpolitik“ und würden kaum Entlastung bringen, glaubt Eichele. Über die Preisentwicklung hinaus fürchtet er sogar eine Einschränkung der Verfügbarkeit: „Wenn das Bundeswirtschaftsministerium bei einer Fortsetzung des Krieges vor einem Treibstoffmangel ab Ende April warnt, ist das ein Alarmsignal.“
Auch Birte Kleppien, Pressesprecherin der Radeberger Gruppe, schätzt die Lage – zuerst in der Logistik – als dramatisch ein. Alle bestehenden Kalkulationen für Transportkosten zu Land und See dürften gerade „ganz empfindlich aus dem Ruder laufen“. Das trifft nach ihrer Einschätzung alle Marktakteure entlang der Lieferkette – Logistiker wie Hersteller – massiv, „denn dort bestehen aufgrund grundsätzlich enger Margen keine Puffer zu Abfederung der derzeitigen Lage“.
Energie für Brauer größter Kostentreiber
Zeitverzögert rechnet Kleppien zudem mit Kostensteigerungen in der Produktion, die, dank bestehender Energie-Lieferverträge, nicht sofort eintreten, sich aber mit der Dauer des Konflikts „jederzeit deutlich verschärfen“ könnten. Energie bleibe für Brauereien „der größte Kostentreiber“, betont auch Holger Eichele, steigende Gas- und Ölpreise drohten die ohnehin schon hohen Produktionskosten jetzt noch weiter zu steigern.
Und die Sorgen der Branche gehen noch weiter – nach den Transport- und Energiekosten dürften mittelbar auch Preise für Rohstoffe und Verpackungen anziehen, fürchtet man bei der Radeberger Gruppe. Sprecherin Kleppien führt beispielhaft Kunststoffe für Getränkekästen sowie Hilfsmittel wie Leim und Lauge an. Und angesichts der Verknappung von Düngemitteln müssen sich Brauereien wohl auch auf anziehende Preise für Malz einstellen.
Konsumverzicht belastet Hersteller und Handel
Abgesehen von diesen logistischen und produktionstechnischen Problemen beäugen Branchenvertreter mit großer Skepsis auch die allgemeine Verbraucherstimmung, die – in der nunmehr dritten Krise in Folge – wenig Anlass zu hohen Erwartungen gibt, wie es Dirk Reinsberg vom GFGH-Bundesverband zusammenfasst.
Man müsse davon ausgehen, dass die angespannte geopolitische Situation zu einer sich fortsetzenden Konsumzurückhaltung führen werde – zumal auch die Bundesregierung keine strategische Antwort auf „die entscheidenden Zukunftsfragen“ gebe wie zum Arbeitsmarkt, zur Rente oder zum ebenfalls reformbedürftigen Gesundheitswesen.
Bereits die letzten Monate zeigten deutlich, wie herausfordernd das Geschäft im Außer-Haus-Markt geworden ist. Allein im Januar verlor das Gastgewerbe 17,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. „Diese Entwicklungen sind besorgniserregend“, so Reinsberg. Ein weiterer Negativ-Trend, unter dem nicht nur der auf die Gastronomie fokussierte Fachhandel, sondern auch die Lieferanten aus der Getränkeindustrie zu leiden haben.
Rückkehr zur Normalität kann Jahre dauern
Dabei sind auch die Aussichten für die Zukunft eher düster. Die bevorstehenden Ostertage und -ferien könnten kurzfristig „etwas Licht in die ansonsten eher dunkle Absatzsituation bringen“, hofft der GFGH-Verbandschef, der aber zugleich davon ausgeht, dass ein anhaltender Krieg in der Golfregion zu einer weiteren Verschlechterung der Lage mit einer Verknappung der Ressourcen, steigenden Preisen und letztlich Inflation führen wird.
Der Wandel in der Getränkewirtschaft sei nicht erst seit dem Irankrieg spürbar, daher müssten sich Hersteller und Handel auf die veränderten Rahmenbedingungen und ein sich wandelndes Konsumverhalten einstellen. „Wer hier stehenbleibt und nicht agil ist, wird es in Zukunft schwer haben“, spielt Reinsberg auf eine mögliche weitere Konsolidierung in der Branche an.
Wenig hoffnungsvoll fällt auch der Ausblick von Birte Kleppien aus, die davon ausgeht, dass eine Rückkehr zum „Normalzustand“, wie man ihn vor dem Ausbruch der Krise kannte, „nicht in Tagen, Wochen oder Monaten zu messen sein dürfte, sondern eher in Jahren“. Auch wenn die Auswirkungen kurzfristig beherrschbar seien, müsse man „recht zügig und dann auch langfristig“ mit schwereren Folgen rechnen, die eine wirtschaftlich bereits unter massivem Druck stehende Branche direkt wie indirekt weiter stark belasten werde.






















































































