Die Lage im Getränkefachgroßhandel (GFGH) hat sich deutlich verschlechtert. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels(BV GFGH) hervor, an der sich 109 Mitgliedsunternehmen beteiligt haben. Demnach berichten 44,2 Prozent der befragten Unternehmen für die ersten fünf Monate 2026 von rückläufigen Umsätzen gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei der Ertragslage ist der Druck noch größer: 59,7 Prozent der Unternehmen meldeten sinkende Erträge.
Auch die Bewertung des Geschäftsergebnisses fällt schwächer aus als zuletzt. Hatten 2024 noch 57,2 Prozent der Betriebe ihr Ergebnis mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet, liegt dieser Anteil aktuell nur noch bei 34,8 Prozent. Der Anteil negativer Bewertungen hat sich gegenüber 2023 nahezu vervierfacht und beträgt 10,1 Prozent. Für die kommenden Monate rechnen 43,1 Prozent der Befragten mit einer weiteren Verschlechterung.
„Unsere Unternehmen spüren die anhaltende wirtschaftliche Schwäche inzwischen deutlich. Steigende Kosten, eine verhaltene Konsumstimmung und die allgemeine Unsicherheit in der deutschen Wirtschaft belasten auch den Getränkefachgroßhandel“, sagt Dirk Reinsberg, geschäftsführender Vorstand des BV GFGH. Umso wichtiger seien jetzt verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die Investitionen und unternehmerisches Handeln wieder erleichtern, so Reinsberg.
Investitionen werden selektiver
24,8 Prozent der Befragten berichten für 2026 von gestiegenen Investitionen. 56,9 Prozent halten ihre Investitionen konstant, 17,4 Prozent haben sie reduziert. Damit ist die Entwicklung uneinheitlicher als im Vorjahr, als 72,7 Prozent der Unternehmen ihr Investitionsniveau unverändert gelassen hatten und nur 6,5 Prozent weniger investierten.
Der wichtigste Investitionsbereich bleibt der Ersatz bestehender Anlagen und Strukturen. Ersatzinvestitionen werden von 62,4 Prozent der Unternehmen genannt. Der Anteil der Erweiterungsinvestitionen stieg auf 19,3 Prozent, nachdem er in den beiden Vorjahren jeweils bei rund zwölf Prozent gelegen hatte. Gleichzeitig zeigt sich der wirtschaftliche Druck auch bei den Unternehmen, die gar nicht mehr investieren: Ihr Anteil hat sich gegenüber dem Vorjahr von 6,5 auf 11,9 Prozent nahezu verdoppelt.
„Die Ergebnisse zeigen, dass unsere Branche trotz schwieriger Rahmenbedingungen nicht resigniert. Viele Unternehmen investieren weiterhin gezielt in ihre Zukunft und stärken damit ihre Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Reinsberg.
Fahrpersonal bleibt größter Engpass
Ein strukturelles Problem bleibt die Personalsituation, vor allem in der Logistik. Der größte Engpass liegt weiterhin beim Fahrpersonal. 2024 entfielen 48,3 Prozent der offenen Stellen auf diesen Bereich, 2025 waren es 55,8 Prozent, 2026 liegt der Wert bei 51,4 Prozent. Bei Lagermitarbeitern sank der Anteil an den offenen Stellen von jeweils rund 39 Prozent in den Jahren 2024 und 2025 auf 30,5 Prozent im Jahr 2026.
Kritisch bewertet die Branche auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Rund 65 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen sie negativ. Als größte Kostentreiber nennen die Betriebe Personal sowie Transport- und Logistikkosten. Bei der Bürokratie werden vor allem umfangreiche Dokumentationspflichten als Belastung genannt.
Reinsberg sieht darin ein Signal an die Politik. „Wenn nahezu zwei Drittel der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen negativ bewerten, ist das ein klarer Handlungsauftrag.“ Der Mittelstand brauche jetzt weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit und wirtschaftspolitische Impulse, die Investitionen ermöglichen statt erschweren. „Das von der Koalition vorgelegte Programm für Aufschwung und Beschäftigung kann daher nur ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Nur so können unsere Unternehmen ihre wichtige Versorgungsfunktion auch künftig zuverlässig erfüllen“, so der Verbandschef.
An der Konjunkturumfrage 2025/2026 beteiligten sich 109 Mitgliedsunternehmen.

























































































