Die Stimmung unter Deutschlands Getränkefachgroßhändlern hat sich spürbar verbessert. Doch die Geschäftszahlen zeigen: Die Branche kämpft weiter mit Umsatzrückgängen, Kostendruck und Fachkräftemangel. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels (BV GFGH) hervor, an der 77 Mitgliedsunternehmen teilgenommen haben.
72 Prozent der befragten Unternehmen blicken optimistisch in die kommenden sechs Monate und rechnen mit stabilen oder steigenden Umsätzen. Auch die Einschätzung des eigenen Geschäftsergebnisses hat sich verbessert: 57 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage 2024 als gut oder sehr gut, nach 45,5 Prozent im Vorjahr.
Stimmung besser als die Zahlen
Doch dieser Optimismus steht teils im Widerspruch zu den nackten Zahlen. Lediglich ein Drittel der Unternehmen beschreibt die aktuelle Geschäftslage als gut oder sehr gut. Die Mehrheit (63,7 Prozent) zeigt sich lediglich „zufrieden“, während 5,2 Prozent ihre Lage als sehr schlecht einstufen. Besonders bei den Umsätzen macht sich die Zurückhaltung der Verbraucher bemerkbar: Knapp die Hälfte der Unternehmen (49,4 Prozent) meldet rückläufige Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Nur 19,5 Prozent verbuchen steigende Einnahmen – im Vorjahr waren es noch 30 Prozent.
„Obwohl die Unternehmen der Getränkebranche in den letzten Monaten durch kostenintensive Faktoren wie steigende Energiepreise und Lohnkosten erheblich belastet wurden, bleiben sie optimistisch und arbeiten aktiv an der Erarbeitung von Lösungen. Das spricht für den Innovationsgeist und die Resilienz unserer Branche“, sagte Dirk Reinsberg, geschäftsführender Vorstand des BV GFGH.
Investitionen bleiben auf Ersatz beschränkt
Die Investitionsfreude bleibt unterdessen verhalten. Bei gut 72 Prozent der Unternehmen gab es in den vergangenen Monaten keine Veränderungen bei den Investitionen. Wo investiert wurde, floss das Kapital vor allem in Ersatzbeschaffungen: 74 Prozent nannten dies als Hauptgrund, etwa für den Austausch veralteter Anlagen. Nur 12 Prozent investierten in Ausbauprojekte, 6,5 Prozent in Rationalisierungen. „Das Ergebnis unserer Umfrage zeigt deutlich, dass die deutschen Getränkefachgroßhändler zu wenig in Erweiterungsinvestitionen, wie etwa eine stärkere Digitalisierung, investieren, um auch den Entwicklungen der nächsten Jahre Schritt zu halten. Hier ist mehr Mut und Investitionsbereitschaft gefragt, um auch für die Zukunft gut aufgestellt zu sein“, betonte Reinsberg.
Fachkräftemangel drückt auf die Branche
Zusätzlich belastet der Fachkräftemangel die Branche erheblich. Knapp die Hälfte der Betriebe klagt über offene Stellen, insbesondere bei Kraftfahrern. Hier konnten 55 Prozent der Unternehmen mindestens eine Position nicht besetzen – ein Anstieg von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Viele Betriebe reagieren mit organisatorischem Mehraufwand und höheren Kosten, um Lieferfähigkeit und Service aufrechtzuerhalten. Trotz des Personalbedarfs plant nur rund jedes dritte Unternehmen im kommenden Jahr die Einstellung von Auszubildenden.
Politisch setzt der Getränkefachgroßhandel große Hoffnungen auf die Bundesregierung. 84,4 Prozent der Befragten fordern einen Abbau der Bürokratie, 63,6 Prozent wünschen sich mehr unternehmerische Freiräume. Für 41,5 Prozent stehen schnellere Genehmigungs- und Planungsverfahren auf der Agenda.
Der BV GFGH vertritt rund 450 mittelständische Unternehmen, die einen erheblichen Teil der Getränkeversorgung in Deutschland sicherstellen.
























































































