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verschiedene leere PET-Wasser-Flaschen
Gerolsteiner/Coca-Cola

rPET kein Rohstoff für Reifen

Die Getränkewirtschaft muss im Wettbewerb um recyceltes PET (rPET) gestärkt werden. Das ist eine der zentralen Forderungen, die der Gerolsteiner Brunnen im Sinne seiner Nachhaltigkeitsstrategie an die Politik richtet. Wie das Management bei seinem parlamentarischen Abend letzte Woche in Berlin gegenüber politischen Akteuren erläuterte, wandert das hochwertige und lebensmittelsichere PET-Rezyklat aus Mineralwasserflaschen oft in andere Branchen ab – zum Beispiel für die Herstellung von Textilien, Folien oder in die Automobilindustrie. Aufgrund der sortenreinen Sammlung ist ein harter Wettbewerb um den Rohstoff entstanden.

Nicht einmal 45 Prozent des PETs werden wieder zu Getränkeflaschen (Abbildung: Gerolsteiner).
Nicht einmal 45 Prozent des rPETs werden wieder zu Getränkeflaschen (Abbildung: Gerolsteiner).

„Wir fordern den Erstzugriff auf unser rPET zur Sicherung der vorgegebenen Rezyklatquoten“, sagt Roel Annega, Vorsitzender der Geschäftsführung des Gerolsteiner Brunnens. Denn schließlich stelle das deutsche Verpackungsgesetz klare Anforderungen an die Getränkewirtschaft. Annega sieht durch das Downcycling des PETs die Nachhaltigkeitsziele von Gerolsteiner beim Recycling in Gefahr. Der dank des Pfandsystems in Deutschland eigentlich funktionierende Kreislauf müsse im Sinne des Bottle-to-Bottle-Prinzips geschlossen werden, so der Gerolsteiner-Chef, denn: „Ohne funktionierende Kreisläufe werden wir die Klimaziele nicht erreichen.“

90 Prozent Neumaterial könnten eingespart werden

Tatsächlich steht in Deutschland eigentlich ausreichend Material zur Verfügung, um einen Materialkreislauf für Einwegpfandflaschen mit rund 90 Prozent rPET umzusetzen. Das hat das Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) in Kooperation mit der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) in einer aktuellen Studie ermittelt, die Coca-Cola Europacific Partners Deutschland (CCEP DE) in Auftrag gegeben hat. Laut der Untersuchung könnten in einem geschlossenen Flaschenkreislauf 90 Prozent Neumaterial eingespart werden, das entspricht jährlich rund 214 Kilotonnen neuem Kunststoff. Zudem könnte der Anteil der thermischen Verwertung (Abfallverbrennung) des Materials um 86 Prozent reduziert werden.

Wie Coca-Cola mitteilt, belegt die Studie darüber hinaus, dass das PET-Material im geschlossenen Flaschenkreislauf bis zu neun Mal häufiger recycelt werden könnte als im offenen Wertstoffkreislauf. Während im letzteren das Material nach drei Recyclingumläufen vollständig diffundiert und unbrauchbar für weitere Anwendungen ist, wären im geschlossenen Flaschenkreislauf nach drei Umläufen noch rund 75 Prozent des ursprünglichen Materials im Kreislauf vorhanden und könnten wiederverwendet werden.

Der geschlossene Materialkreislauf hätte zudem das Potenzial, Treibhausgase deutlich zu reduzieren: Durch ein Flasche-zu-Flasche-Konzept könnten den Studienmachern zufolge mindestens 20 Prozent Treibhausgas-Emissionen eingespart werden – das entspricht 60.000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Neue Verordnung wird Lage noch verschlimmern

Aus der Sicht von Gerolsteiner wird die Situation durch die Politik aktuell noch verschärft: Mit der geplanten Novellierung der europäischen Verpackungs- und Verpackungsabfall-Verordnung (PPWR) will die EU-Kommission Verpackungsmüll vermeiden und den Anteil an Rezyklaten in Verpackungen erhöhen. Wenn die Verordnung umgesetzt werde, spitze sich der Wettbewerb um das kostbare PET jedoch noch weiter zu, glaubt man bei Gerolsteiner. Für die Getränkewirtschaft werde es noch schwieriger, die vorgegebenen Mindestrezyklatquoten für Einweg-PET-Flaschen zu erfüllen.

Regulatorische Korrekturen sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene könnten diese Fehlentwicklung verhindern. „Die Politik hat alle Möglichkeiten, hier einzuwirken, wird dieser Aufgabe aber bislang nicht ausreichend gerecht“, so Annega. „Notwendig sind dazu gemeinsame Schritte im Austausch von Getränkewirtschaft und Politik, um den Wandel zu einer kreislauforientieren Wirtschaft erfolgreich weiter voranzutreiben.“

rPET für Getränkehersteller unverzichtbar

Um diesen Austausch zu fördern, ist das Unternehmen im Dialog mit verschiedenen Entscheidungsträgern der nationalen und europäischen Politik. „Wir können und wollen nicht weiter der Rohstoffproduzent für Textilien und Reifen sein. Wir benötigen daher einen gesicherten Zugriff auf das Material, das wir in den Kreislauf gebracht haben“, betonte Ulrich Rust, der als Geschäftsführer Technik und Logistik den Gerolsteiner Brunnen in Berlin auf dem Podium repräsentierte.

Eine Forderung, die auch Coca-Cola an die Politik richtet. Angesichts der nun nachgewiesenen Einsparpotenziale fordert die CCEP DE aktives Handeln. Das Unternehmen sieht im Einsatz von recyceltem Material derzeit auch einen der größten Hebel für möglichst nachhaltige Verpackungen. „Wir haben beim Recycling von Verpackungsmaterialien in Deutschland schon viel erreicht. Entscheidend ist es nun, den nächsten Schritt zu gehen und das Recycling hochwertiger Materialien wie PET zu fördern“, unterstreicht Tilmann Rothhammer, Geschäftsführer Customer Service & Supply Chain.


Aktualisierung

Wir haben diesen Artikel am 25. April aufgrund der neuen Studie des Ifeu-Instituts und der GVM aktualisiert, die von Coca-Cola in Auftrag gegeben wurde.

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Gerolsteiner/Coca-Cola

rPET kein Rohstoff für Reifen

Die Getränkewirtschaft muss im Wettbewerb um recyceltes PET (rPET) gestärkt werden. Das ist eine der zentralen Forderungen, die der Gerolsteiner Brunnen im Sinne seiner Nachhaltigkeitsstrategie an die Politik richtet. Wie das Management bei seinem parlamentarischen Abend letzte Woche in Berlin gegenüber politischen Akteuren erläuterte, wandert das hochwertige und lebensmittelsichere PET-Rezyklat aus Mineralwasserflaschen oft in andere Branchen ab – zum Beispiel für die Herstellung von Textilien, Folien oder in die Automobilindustrie. Aufgrund der sortenreinen Sammlung ist ein harter Wettbewerb um den Rohstoff entstanden.

Nicht einmal 45 Prozent des PETs werden wieder zu Getränkeflaschen (Abbildung: Gerolsteiner).
Nicht einmal 45 Prozent des rPETs werden wieder zu Getränkeflaschen (Abbildung: Gerolsteiner).

„Wir fordern den Erstzugriff auf unser rPET zur Sicherung der vorgegebenen Rezyklatquoten“, sagt Roel Annega, Vorsitzender der Geschäftsführung des Gerolsteiner Brunnens. Denn schließlich stelle das deutsche Verpackungsgesetz klare Anforderungen an die Getränkewirtschaft. Annega sieht durch das Downcycling des PETs die Nachhaltigkeitsziele von Gerolsteiner beim Recycling in Gefahr. Der dank des Pfandsystems in Deutschland eigentlich funktionierende Kreislauf müsse im Sinne des Bottle-to-Bottle-Prinzips geschlossen werden, so der Gerolsteiner-Chef, denn: „Ohne funktionierende Kreisläufe werden wir die Klimaziele nicht erreichen.“

90 Prozent Neumaterial könnten eingespart werden

Tatsächlich steht in Deutschland eigentlich ausreichend Material zur Verfügung, um einen Materialkreislauf für Einwegpfandflaschen mit rund 90 Prozent rPET umzusetzen. Das hat das Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) in Kooperation mit der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) in einer aktuellen Studie ermittelt, die Coca-Cola Europacific Partners Deutschland (CCEP DE) in Auftrag gegeben hat. Laut der Untersuchung könnten in einem geschlossenen Flaschenkreislauf 90 Prozent Neumaterial eingespart werden, das entspricht jährlich rund 214 Kilotonnen neuem Kunststoff. Zudem könnte der Anteil der thermischen Verwertung (Abfallverbrennung) des Materials um 86 Prozent reduziert werden.

Wie Coca-Cola mitteilt, belegt die Studie darüber hinaus, dass das PET-Material im geschlossenen Flaschenkreislauf bis zu neun Mal häufiger recycelt werden könnte als im offenen Wertstoffkreislauf. Während im letzteren das Material nach drei Recyclingumläufen vollständig diffundiert und unbrauchbar für weitere Anwendungen ist, wären im geschlossenen Flaschenkreislauf nach drei Umläufen noch rund 75 Prozent des ursprünglichen Materials im Kreislauf vorhanden und könnten wiederverwendet werden.

Der geschlossene Materialkreislauf hätte zudem das Potenzial, Treibhausgase deutlich zu reduzieren: Durch ein Flasche-zu-Flasche-Konzept könnten den Studienmachern zufolge mindestens 20 Prozent Treibhausgas-Emissionen eingespart werden – das entspricht 60.000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Neue Verordnung wird Lage noch verschlimmern

Aus der Sicht von Gerolsteiner wird die Situation durch die Politik aktuell noch verschärft: Mit der geplanten Novellierung der europäischen Verpackungs- und Verpackungsabfall-Verordnung (PPWR) will die EU-Kommission Verpackungsmüll vermeiden und den Anteil an Rezyklaten in Verpackungen erhöhen. Wenn die Verordnung umgesetzt werde, spitze sich der Wettbewerb um das kostbare PET jedoch noch weiter zu, glaubt man bei Gerolsteiner. Für die Getränkewirtschaft werde es noch schwieriger, die vorgegebenen Mindestrezyklatquoten für Einweg-PET-Flaschen zu erfüllen.

Regulatorische Korrekturen sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene könnten diese Fehlentwicklung verhindern. „Die Politik hat alle Möglichkeiten, hier einzuwirken, wird dieser Aufgabe aber bislang nicht ausreichend gerecht“, so Annega. „Notwendig sind dazu gemeinsame Schritte im Austausch von Getränkewirtschaft und Politik, um den Wandel zu einer kreislauforientieren Wirtschaft erfolgreich weiter voranzutreiben.“

rPET für Getränkehersteller unverzichtbar

Um diesen Austausch zu fördern, ist das Unternehmen im Dialog mit verschiedenen Entscheidungsträgern der nationalen und europäischen Politik. „Wir können und wollen nicht weiter der Rohstoffproduzent für Textilien und Reifen sein. Wir benötigen daher einen gesicherten Zugriff auf das Material, das wir in den Kreislauf gebracht haben“, betonte Ulrich Rust, der als Geschäftsführer Technik und Logistik den Gerolsteiner Brunnen in Berlin auf dem Podium repräsentierte.

Eine Forderung, die auch Coca-Cola an die Politik richtet. Angesichts der nun nachgewiesenen Einsparpotenziale fordert die CCEP DE aktives Handeln. Das Unternehmen sieht im Einsatz von recyceltem Material derzeit auch einen der größten Hebel für möglichst nachhaltige Verpackungen. „Wir haben beim Recycling von Verpackungsmaterialien in Deutschland schon viel erreicht. Entscheidend ist es nun, den nächsten Schritt zu gehen und das Recycling hochwertiger Materialien wie PET zu fördern“, unterstreicht Tilmann Rothhammer, Geschäftsführer Customer Service & Supply Chain.


Aktualisierung

Wir haben diesen Artikel am 25. April aufgrund der neuen Studie des Ifeu-Instituts und der GVM aktualisiert, die von Coca-Cola in Auftrag gegeben wurde.

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