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Gehen bald die Flaschen aus?
Ukraine-Krieg

Gehen bald die Flaschen aus?

„Notstandsabfüllung“ nennt die kleine fränkische Brennerei Simon die jüngste Auflage ihres „Bavarian Single Pot Still Whiskeys“. Der Grund: Der Flaschenhersteller kann die kantige Klarglasflasche, in der die Spezialität sonst zum Genießer kommt, nicht liefern. Um seinen Whiskey dennoch an den Mann oder die Frau zu bringen, bietet Inhaber Severin Simon ihn nun in Bierflaschen an.

Das Ganze wäre eine amüsante Anekdote, wenn sie nicht einen so ernsten Hintergrund hätte: Wegen der sprunghaft gestiegenen Energiepreise haben Glashersteller bereits im Februar Kapazitäten heruntergefahren oder neue Schmelzwannen nicht in Betrieb genommen, wie der Bundesverband Glasindustrie (BV Glas) meldete. Bei Energiekosten, die teilweise 350 Prozent höher sind als im Vorjahr, sei der Betrieb der Schmelzöfen so teuer, dass die Produktion unrentabel werde, so BV Glas.

Neuglas bald ein rares Gut?

Durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine entfallen nun zusätzlich Kapazitäten, denn in der Ukraine und in Russland werden große Mengen Glas für den europäischen Markt produziert. Mindestens ein Werk in der Ukraine wurde militärisch zerstört, andere Hersteller können ihre Ware nicht mehr außer Landes bringen. Kleine Unternehmen wie die fränkische Brennerei von Severin Simon sind aufgrund ihrer kleinen Abnahmemengen und damit geringen Marktbedeutung die ersten, die unter der Knappheit zu leiden haben, das Problem betrifft aber längst die gesamte Getränkebranche.

„Wer heute beim Einkauf von Mehrwegglasflaschen ohne Kontrakte agiert, muss seine kurzfristige Liefersicherheit mit Mehrkosten von 80 Prozent bezahlen“, sagt Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei Veltins. Vor allem der in die Höhe schnellende Gaspreis mache Neuglas zu einem „wertvollen, demnächst womöglich raren Gut“.

Bislang sind Bierflaschen offenbar noch in ausreichender Menge erhältlich, wie Peter Lemm, Pressesprecher der Krombacher Brauerei, auf Anfrage von Getränke News berichtet. Dank langjähriger Beziehungen zu den Lieferanten sei die Verfügbarkeit „aktuell gesichert“. Auf eine „langfristige und nachhaltige Warenplanung“ verweist auch Angelika Thielen, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Bitburger. Man sehe aktuell keine Engpässe, die Preissteigerungen seien aber „enorm“.

Lieferketten kurz vor dem Bersten

Dabei besteht derzeit keine Aussicht auf eine Entspannung, im Gegenteil. Glas könnte eines der Produktionsmittel sein, bei denen es eng wird, prognostiziert Birte Kleppien, Pressesprecherin der Radeberger Gruppe. Ihr macht vor allem die bevorstehende Getränkehochsaison Sorgen, „in der die Lieferkette auch schon ohne die aktuellen Verwerfungen regelmäßig kurz vor dem Bersten stand“.

Bisher noch auf der sicheren Seite sieht sich die Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB), die für die Versorgung der Branche mit Mehrweg-Einheitsgebinden verantwortlich ist. „Als großer Pool sind wir sicherlich im Vorteil, weil die Lieferanten aktuell Glasflaschen, die in hohen Stückzahlen produziert werden, den Vorzug geben“, erklärt Markus Wolff, Vorstandsvorsitzender der GDB. Zudem habe die Genossenschaft „eine breit aufgestellte Lieferkette“. Dennoch blickt man bei der GDB mit Sorge in die Zukunft.

Engpässe in praktisch allen Beschaffungsmärkten

Noch gehe es um „schmerzhaft gestiegene Preise und Lieferverzögerungen“, man sei sich aber bewusst, dass sich die Lage im Falle eines Gaslieferstopps „sehr schnell ändern kann“, so Wolff. Dabei ist Glas auch jetzt schon nur ein Teil des Problems. Von zuvor nie gesehenen Preissteigerungen und zugleich drohenden Engpässen sind nahezu alle Beschaffungsmärkte betroffen, beispielsweise auch die für Papier und damit Etiketten, CO2 oder auch zur Flaschenreinigung benötigte Natronlauge.

Besonders angespannt stellt sich die Lage auch bei den von allen Branchen benötigten Transportpaletten dar. Wer 2021 noch dachte, mit fast 20 Euro sei der Höchstpreis erreicht, sieht jetzt Stückpreise von 24 Euro. „Das sind Mehrkosten von 150 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn 2021“, erklärt Veltins-Chef Michael Huber. „Verständlich, dass viele Unternehmen vorsorglich ihre Bestände hochfahren.“

Mit hohem Tempo durch die Nebelwand

In manchen Bereichen ist offenbar selbst mit viel Geld nicht alles zu kaufen: Man stehe vor der Situation, „dass gewisse Materialien – ungeachtet des Preises, den man bereit ist zu zahlen – faktisch einfach nicht zur Verfügung stehen“, klagt Christof Queisser, Vorsitzender der Geschäftsführung von Rotkäppchen-Mumm. Die Planungsunsicherheit sei daher „so hoch wie nie“, die Lage „noch unberechenbarer als zu Hochzeiten der Pandemie Anfang 2020“.

Von „enormen Herausforderungen“ für das laufende Jahr 2022 spricht vor demselben Hintergrund auch Dr. Andreas Brokemper, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Henkell Freixenet. Zu den kriegsbedingten Verwerfungen komme, dass man nicht vorhersagen könne, ob die Corona-Pandemie sich tatsächlich abschwäche und wie sich die weitere Entwicklung auf das Verbraucherverhalten auswirke. Eine verlässliche Prognose fürs Gesamtjahr sei daher derzeit unmöglich.

Drastischer beschreibt Holger Eichele, Geschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds, das Schreckensszenario: „Wir fahren gerade mit hohem Tempo durch eine Nebelwand.“

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Gehen bald die Flaschen aus?
Ukraine-Krieg

Gehen bald die Flaschen aus?

„Notstandsabfüllung“ nennt die kleine fränkische Brennerei Simon die jüngste Auflage ihres „Bavarian Single Pot Still Whiskeys“. Der Grund: Der Flaschenhersteller kann die kantige Klarglasflasche, in der die Spezialität sonst zum Genießer kommt, nicht liefern. Um seinen Whiskey dennoch an den Mann oder die Frau zu bringen, bietet Inhaber Severin Simon ihn nun in Bierflaschen an.

Das Ganze wäre eine amüsante Anekdote, wenn sie nicht einen so ernsten Hintergrund hätte: Wegen der sprunghaft gestiegenen Energiepreise haben Glashersteller bereits im Februar Kapazitäten heruntergefahren oder neue Schmelzwannen nicht in Betrieb genommen, wie der Bundesverband Glasindustrie (BV Glas) meldete. Bei Energiekosten, die teilweise 350 Prozent höher sind als im Vorjahr, sei der Betrieb der Schmelzöfen so teuer, dass die Produktion unrentabel werde, so BV Glas.

Neuglas bald ein rares Gut?

Durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine entfallen nun zusätzlich Kapazitäten, denn in der Ukraine und in Russland werden große Mengen Glas für den europäischen Markt produziert. Mindestens ein Werk in der Ukraine wurde militärisch zerstört, andere Hersteller können ihre Ware nicht mehr außer Landes bringen. Kleine Unternehmen wie die fränkische Brennerei von Severin Simon sind aufgrund ihrer kleinen Abnahmemengen und damit geringen Marktbedeutung die ersten, die unter der Knappheit zu leiden haben, das Problem betrifft aber längst die gesamte Getränkebranche.

„Wer heute beim Einkauf von Mehrwegglasflaschen ohne Kontrakte agiert, muss seine kurzfristige Liefersicherheit mit Mehrkosten von 80 Prozent bezahlen“, sagt Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei Veltins. Vor allem der in die Höhe schnellende Gaspreis mache Neuglas zu einem „wertvollen, demnächst womöglich raren Gut“.

Bislang sind Bierflaschen offenbar noch in ausreichender Menge erhältlich, wie Peter Lemm, Pressesprecher der Krombacher Brauerei, auf Anfrage von Getränke News berichtet. Dank langjähriger Beziehungen zu den Lieferanten sei die Verfügbarkeit „aktuell gesichert“. Auf eine „langfristige und nachhaltige Warenplanung“ verweist auch Angelika Thielen, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Bitburger. Man sehe aktuell keine Engpässe, die Preissteigerungen seien aber „enorm“.

Lieferketten kurz vor dem Bersten

Dabei besteht derzeit keine Aussicht auf eine Entspannung, im Gegenteil. Glas könnte eines der Produktionsmittel sein, bei denen es eng wird, prognostiziert Birte Kleppien, Pressesprecherin der Radeberger Gruppe. Ihr macht vor allem die bevorstehende Getränkehochsaison Sorgen, „in der die Lieferkette auch schon ohne die aktuellen Verwerfungen regelmäßig kurz vor dem Bersten stand“.

Bisher noch auf der sicheren Seite sieht sich die Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB), die für die Versorgung der Branche mit Mehrweg-Einheitsgebinden verantwortlich ist. „Als großer Pool sind wir sicherlich im Vorteil, weil die Lieferanten aktuell Glasflaschen, die in hohen Stückzahlen produziert werden, den Vorzug geben“, erklärt Markus Wolff, Vorstandsvorsitzender der GDB. Zudem habe die Genossenschaft „eine breit aufgestellte Lieferkette“. Dennoch blickt man bei der GDB mit Sorge in die Zukunft.

Engpässe in praktisch allen Beschaffungsmärkten

Noch gehe es um „schmerzhaft gestiegene Preise und Lieferverzögerungen“, man sei sich aber bewusst, dass sich die Lage im Falle eines Gaslieferstopps „sehr schnell ändern kann“, so Wolff. Dabei ist Glas auch jetzt schon nur ein Teil des Problems. Von zuvor nie gesehenen Preissteigerungen und zugleich drohenden Engpässen sind nahezu alle Beschaffungsmärkte betroffen, beispielsweise auch die für Papier und damit Etiketten, CO2 oder auch zur Flaschenreinigung benötigte Natronlauge.

Besonders angespannt stellt sich die Lage auch bei den von allen Branchen benötigten Transportpaletten dar. Wer 2021 noch dachte, mit fast 20 Euro sei der Höchstpreis erreicht, sieht jetzt Stückpreise von 24 Euro. „Das sind Mehrkosten von 150 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn 2021“, erklärt Veltins-Chef Michael Huber. „Verständlich, dass viele Unternehmen vorsorglich ihre Bestände hochfahren.“

Mit hohem Tempo durch die Nebelwand

In manchen Bereichen ist offenbar selbst mit viel Geld nicht alles zu kaufen: Man stehe vor der Situation, „dass gewisse Materialien – ungeachtet des Preises, den man bereit ist zu zahlen – faktisch einfach nicht zur Verfügung stehen“, klagt Christof Queisser, Vorsitzender der Geschäftsführung von Rotkäppchen-Mumm. Die Planungsunsicherheit sei daher „so hoch wie nie“, die Lage „noch unberechenbarer als zu Hochzeiten der Pandemie Anfang 2020“.

Von „enormen Herausforderungen“ für das laufende Jahr 2022 spricht vor demselben Hintergrund auch Dr. Andreas Brokemper, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Henkell Freixenet. Zu den kriegsbedingten Verwerfungen komme, dass man nicht vorhersagen könne, ob die Corona-Pandemie sich tatsächlich abschwäche und wie sich die weitere Entwicklung auf das Verbraucherverhalten auswirke. Eine verlässliche Prognose fürs Gesamtjahr sei daher derzeit unmöglich.

Drastischer beschreibt Holger Eichele, Geschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds, das Schreckensszenario: „Wir fahren gerade mit hohem Tempo durch eine Nebelwand.“

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