Für viele Craft-Brauer in Europa geht es 2026 vor allem ums Überleben. 40 Prozent der befragten Betriebe nennen die Existenzsicherung als wichtigste Priorität, während rund die Hälfte mit stagnierenden oder rückläufigen Umsätzen rechnet. Das zeigt der erstmals veröffentlichte Bericht der Independent Brewers of Europe (IBE), der auf einer Mitgliederbefragung unter 721 Brauereien basiert und mehr als 3.000 unabhängige Betriebe in zwölf Ländern abbildet.
Kosten, Wettbewerb und schwache Nachfrage
Haupttreiber der angespannten Lage sind hohe Energiepreise, steuerliche Belastungen und wachsender Wettbewerbsdruck durch internationale Großkonzerne. Die Dominanz internationaler Braukonzerne erschwere den Zugang zu Vertriebskanälen und verschärfe den Wettbewerb für unabhängige Anbieter, heißt es.
Gleichzeitig verschlechtern sich die Marktbedingungen strukturell: Die Bierproduktion in Europa ist zwischen 2019 und 2024 um sechs Prozent zurückgegangen. Insbesondere jüngere Konsumenten trinken weniger Alkohol oder verzichten ganz darauf. Wenn Bier konsumiert wird, rücken Qualität, Herkunft und Authentizität stärker in den Fokus, so der Bericht.
Kleine Strukturen, regionale Verankerung
Die unabhängigen Brauereien sind regional stark verankert. 28 Prozent der Produktion werden direkt an Endverbraucher verkauft, etwa über Taprooms, eigene Gastronomie oder Shops. Drei Viertel der Betriebe engagieren sich zudem in lokalen Initiativen. 80 Prozent der Mitglieder produzieren weniger als 4.500 Hektoliter jährlich, über 60 Prozent einen Jahresumsatz von weniger als 500.000 Euro.
Um auf die veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren, diversifizieren viele Unternehmen ihr Geschäft. 43 Prozent der Brauereien stellen inzwischen neben Bier weitere Produkte her, vor allem Softdrinks. Parallel gewinnt alkoholfreies Bier an Bedeutung: Acht Prozent der Betriebe zählen es bereits zu ihren wichtigsten Produkten, während die Produktion alkoholfreier Biere in Europa seit 2019 um 25 Prozent gestiegen ist.
Investitionen als Antwort auf die Krise
„Unabhängige Brauereien stehen für eine authentische und tief verwurzelte Bierkultur, die es zu schützen gilt“, sagt Barry Watts, Chairman der IBE. „Leider müssen sich zu viele unabhängige Brauereien derzeit vor allem auf ihr Überleben konzentrieren, und angesichts der aktuellen internationalen Entwicklungen sind Energiepreisschocks ihre größte Herausforderung.“ Dennoch seien sie entschlossen, ihre Betriebe weiterzuentwickeln, ihre Prozesse zu verbessern und innovative Bierstile zu brauen, erklärt Watts.
Trotz der schwierigen Lage planen viele Betriebe Investitionen. 37 Prozent wollen die Qualität ihrer Biere verbessern, 35 Prozent in neue Anlagen investieren.
„Unabhängige Brauereien sind wichtige Motoren für lokale Wirtschaft und Gemeinschaften“, sagt Kilian Kittl, Co-Chairman der IBE und Geschäftsführer des Verbands Private Brauereien Bayern. „Die Herausforderungen sind real – aber ebenso die Chancen. Mit den richtigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen können unabhängige Brauer weiterhin innovativ sein, investieren und erfolgreich wachsen.“























































































