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„Es sind bittere Zeiten für Fachhändler“
GES

„Es sind bittere Zeiten für Fachhändler“

Mit einem Zentralregulierungs-Umsatz von gut einer Milliarde Euro und über 800 angeschlossenen Getränkefachgroßhändlern aus dem gesamten Bundesgebiet ist die GES die bedeutendste unabhängige Verbundgruppe im Getränkebereich. Getränke News sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Ulrich Berklmeir über die aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise.


Getränke News: Wie ist aktuell die Lage bei Ihren Mitgliedern? Wird der Getränkefachgroßhandel die Corona-Krise überstehen?

Berklmeir: Es sind bittere Zeiten für die gastronomieorientierten Fachgroßhändler. Nach vielen Gesprächen, die mir teilweise auch sehr nahe gehen, sind wir allerdings bei der GES davon überzeugt, dass der Fachgroßhandel die Krise meistern wird.  

Getränke News: Woher nehmen Sie diese Überzeugung?

Berklmeir: Der meist inhabergeführte Fachgroßhandel ist gut aufgestellt und verhält sich im Umgang mit der Krise sehr professionell. Kosten werden konsequent heruntergefahren, die staatlichen Unterstützungsleistungen in Anspruch genommen. Da wird es in anderen Ländern zu ganz anderen Verwerfungen kommen. Umso größer wird international die Aufmerksamkeit für unseren mittelständischen Fachgroßhandel sein. 

Getränke News: Die Politik hält vorerst an der Schließung der Gastronomiebetriebe fest. Braucht der Fachgroßhandel zusätzliche staatliche Finanzhilfen?

Berklmeir: Wenn über die Automobilbranche gesprochen wird, ist der Politik bewusst, dass hinter den Autobauern eine wichtige mittelständische Zulieferindustrie steht. Wenn aktuell 220.000 Gastronomiebetriebe als wirtschaftlicher Faktor genannt werden, wird offensichtlich übersehen, dass hier in gleicher Weise eine bedeutende mittelständisch geprägte Lieferstruktur besteht. Der Bacardi wird eben nicht von der Firma Bacardi geliefert, sondern in wesentlichen Teilen vom Getränkefachgroßhandel.     

Führende Politiker stellen derzeit besonders betroffenen Branchen weitere finanzielle Hilfen in Aussicht, wobei die Gastronomiebranche ausdrücklich genannt wird. Wir nehmen die Politik beim Wort. Wenn alleine in Bayern von Finanzhilfen im Umfang von 250 Millionen Euro für die Gastronomie gesprochen wird, darf unser mittelständischer Fachhandel nicht vergessen werden. 

Getränke News: Bei der GES gibt es den sogenannten Solidarpakt. Was ist das?

Berklmeir: Die Vollbremsung bei den Einnahmen der gastronomieorientierten Fachgroßhändler und deren Kunden hat unmittelbar Liquiditätsbedarf beim Fachhandel ausgelöst. Zinsgünstige Förderprogramme mussten erst noch beschlossen und nachgebessert werden. Auf die Auszahlung warten viele Fachhändler bis heute. Auf die Erstattung des Kurzarbeitergeldes sowieso. Auf diese Situation haben wir sofort reagiert und bei der Industrie Unterstützung zur Schließung dieser Liquiditätslücke eingefordert. Auf diesem Wege konnten wir unseren Mitgliedern rund 25 Millionen Euro Liquidität kurzfristig zur Verfügung stellen. Bereits eine Woche nach den Ausgangsbeschränkungen erfolgten die ersten Gutschriften durch uns. 

Getränke News: Wie hoch war der Beitrag der Brauereien und AfG-Hersteller?

Berklmeir: Der Fachgroßhandel hat leider von vielen Großbrauern, zum Teil auch von großen AfG-Konzernen, keine oder nur verhältnismäßig geringe Solidarität erfahren. Oft ist nur die Rede von „individuellen Lösungen“, so sie denn überhaupt erfolgen. Viele Fachgroßhändler haben bis heute noch nicht einmal beim Fasspfand Gutschriften oder Zahlungserleichterungen erhalten. Es gibt aber auch bei großen Brauereibetrieben positive Ausnahmen.

Getränke News: Bei der Spirituosenindustrie war das anders? 

Berklmeir: Ja, über 90 Prozent des Betrages unseres Solidarpakts sind auf unsere langjährigen Partnerschaften mit der internationalen und nationalen Schaumwein- und Spirituosenindustrie zurückzuführen. Ich denke, wir haben damit nachgewiesen, dass eine starke Organisation, die für den Fachhandel spricht, ungemein wichtig ist.

Getränke News: Wie kann der Neustart in Gastronomie und Fachgroßhandel erleichtert werden?

Berklmeir: Zunächst kann es nicht sein, dass Brau- und Brunnenbetriebe den Fachhandel mit 5 bis maximal 21 Tagen Zahlungsziel abspeisen. Schon gar nicht in der Krise. Die Gastronomie muss nach Öffnung erst wieder in die Gänge kommen. Der Fachgroßhandel wird Wochen auf die ersten Zahlungseingänge warten müssen. Und dann hat der Fachgroßhandel gegenüber den Gastronomen noch offene Forderungen, die der Gastronom nach dem Lockdown nicht mehr bezahlen konnte. Wie soll das mit 5 Tagen Zahlungsziel von Lieferanten funktionieren? Es muss sich da jetzt dringend etwas ändern. Bei uns heißt es ja schon immer „Zahlungsziele sind der Sauerstoff des Fachgroßhandels“. 30 Tage zusätzliche Valuta sind nicht zu viel verlangt.

Getränke News: Welche Maßnahmen könnten noch helfen?

Berklmeir: Selbstverständlich werden unsere Mitglieder im Einkauf von GES-Aktionen nachhaltig profitieren. Auch unsere Unternehmen Bremer Spirituosen Contor und Schokoring stehen dem Fachhandel mit reduzierten Mindestabnahmen, Sicherung der Warenverfügbarkeit und schnellen Lieferungen zur Seite. Noch sind die Läger bei den Gastrohändlern allerdings voll. Es geht uns deshalb auch darum, bei Wiederaufnahme des Geschäfts die Gastronomie zu unterstützen und gleichzeitig den Einkauf bei unseren Mitgliedern zu fördern. Und da sind wir in den Gesprächen mit der Industrie konzeptionell auf einem guten Weg. Alles nach dem Motto: Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. 


Zur GES

Die GES Großeinkaufsring des Süßwaren- und Getränkehandels eG ist ein Verbund von mittelständischen Getränkefachgroßhändlern und filialisierten Getränkemarktbetreibern, Conveniencefachgroßhändlern und Automatenbetreibern aus dem gesamten Bundesgebiet. 
Die GES fördert seit 1950 die wirtschaftliche Entwicklung des Getränke- und Süßwarenfachhandels. Für die Direktbezüge der angeschlossenen Fachhändler übernimmt die GES eG die Zahlungsgarantie und Zentralregulierung. Darüber hinaus werden ergänzende und unterstützende Vermarktungs- und Dienstleistungen erbracht, die zur Stärkung des Fachgroßhandels beitragen.

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Mit einem Zentralregulierungs-Umsatz von gut einer Milliarde Euro und über 800 angeschlossenen Getränkefachgroßhändlern aus dem gesamten Bundesgebiet ist die GES die bedeutendste unabhängige Verbundgruppe im Getränkebereich. Getränke News sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Ulrich Berklmeir über die aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise.


Getränke News: Wie ist aktuell die Lage bei Ihren Mitgliedern? Wird der Getränkefachgroßhandel die Corona-Krise überstehen?

Berklmeir: Es sind bittere Zeiten für die gastronomieorientierten Fachgroßhändler. Nach vielen Gesprächen, die mir teilweise auch sehr nahe gehen, sind wir allerdings bei der GES davon überzeugt, dass der Fachgroßhandel die Krise meistern wird.  

Getränke News: Woher nehmen Sie diese Überzeugung?

Berklmeir: Der meist inhabergeführte Fachgroßhandel ist gut aufgestellt und verhält sich im Umgang mit der Krise sehr professionell. Kosten werden konsequent heruntergefahren, die staatlichen Unterstützungsleistungen in Anspruch genommen. Da wird es in anderen Ländern zu ganz anderen Verwerfungen kommen. Umso größer wird international die Aufmerksamkeit für unseren mittelständischen Fachgroßhandel sein. 

Getränke News: Die Politik hält vorerst an der Schließung der Gastronomiebetriebe fest. Braucht der Fachgroßhandel zusätzliche staatliche Finanzhilfen?

Berklmeir: Wenn über die Automobilbranche gesprochen wird, ist der Politik bewusst, dass hinter den Autobauern eine wichtige mittelständische Zulieferindustrie steht. Wenn aktuell 220.000 Gastronomiebetriebe als wirtschaftlicher Faktor genannt werden, wird offensichtlich übersehen, dass hier in gleicher Weise eine bedeutende mittelständisch geprägte Lieferstruktur besteht. Der Bacardi wird eben nicht von der Firma Bacardi geliefert, sondern in wesentlichen Teilen vom Getränkefachgroßhandel.     

Führende Politiker stellen derzeit besonders betroffenen Branchen weitere finanzielle Hilfen in Aussicht, wobei die Gastronomiebranche ausdrücklich genannt wird. Wir nehmen die Politik beim Wort. Wenn alleine in Bayern von Finanzhilfen im Umfang von 250 Millionen Euro für die Gastronomie gesprochen wird, darf unser mittelständischer Fachhandel nicht vergessen werden. 

Getränke News: Bei der GES gibt es den sogenannten Solidarpakt. Was ist das?

Berklmeir: Die Vollbremsung bei den Einnahmen der gastronomieorientierten Fachgroßhändler und deren Kunden hat unmittelbar Liquiditätsbedarf beim Fachhandel ausgelöst. Zinsgünstige Förderprogramme mussten erst noch beschlossen und nachgebessert werden. Auf die Auszahlung warten viele Fachhändler bis heute. Auf die Erstattung des Kurzarbeitergeldes sowieso. Auf diese Situation haben wir sofort reagiert und bei der Industrie Unterstützung zur Schließung dieser Liquiditätslücke eingefordert. Auf diesem Wege konnten wir unseren Mitgliedern rund 25 Millionen Euro Liquidität kurzfristig zur Verfügung stellen. Bereits eine Woche nach den Ausgangsbeschränkungen erfolgten die ersten Gutschriften durch uns. 

Getränke News: Wie hoch war der Beitrag der Brauereien und AfG-Hersteller?

Berklmeir: Der Fachgroßhandel hat leider von vielen Großbrauern, zum Teil auch von großen AfG-Konzernen, keine oder nur verhältnismäßig geringe Solidarität erfahren. Oft ist nur die Rede von „individuellen Lösungen“, so sie denn überhaupt erfolgen. Viele Fachgroßhändler haben bis heute noch nicht einmal beim Fasspfand Gutschriften oder Zahlungserleichterungen erhalten. Es gibt aber auch bei großen Brauereibetrieben positive Ausnahmen.

Getränke News: Bei der Spirituosenindustrie war das anders? 

Berklmeir: Ja, über 90 Prozent des Betrages unseres Solidarpakts sind auf unsere langjährigen Partnerschaften mit der internationalen und nationalen Schaumwein- und Spirituosenindustrie zurückzuführen. Ich denke, wir haben damit nachgewiesen, dass eine starke Organisation, die für den Fachhandel spricht, ungemein wichtig ist.

Getränke News: Wie kann der Neustart in Gastronomie und Fachgroßhandel erleichtert werden?

Berklmeir: Zunächst kann es nicht sein, dass Brau- und Brunnenbetriebe den Fachhandel mit 5 bis maximal 21 Tagen Zahlungsziel abspeisen. Schon gar nicht in der Krise. Die Gastronomie muss nach Öffnung erst wieder in die Gänge kommen. Der Fachgroßhandel wird Wochen auf die ersten Zahlungseingänge warten müssen. Und dann hat der Fachgroßhandel gegenüber den Gastronomen noch offene Forderungen, die der Gastronom nach dem Lockdown nicht mehr bezahlen konnte. Wie soll das mit 5 Tagen Zahlungsziel von Lieferanten funktionieren? Es muss sich da jetzt dringend etwas ändern. Bei uns heißt es ja schon immer „Zahlungsziele sind der Sauerstoff des Fachgroßhandels“. 30 Tage zusätzliche Valuta sind nicht zu viel verlangt.

Getränke News: Welche Maßnahmen könnten noch helfen?

Berklmeir: Selbstverständlich werden unsere Mitglieder im Einkauf von GES-Aktionen nachhaltig profitieren. Auch unsere Unternehmen Bremer Spirituosen Contor und Schokoring stehen dem Fachhandel mit reduzierten Mindestabnahmen, Sicherung der Warenverfügbarkeit und schnellen Lieferungen zur Seite. Noch sind die Läger bei den Gastrohändlern allerdings voll. Es geht uns deshalb auch darum, bei Wiederaufnahme des Geschäfts die Gastronomie zu unterstützen und gleichzeitig den Einkauf bei unseren Mitgliedern zu fördern. Und da sind wir in den Gesprächen mit der Industrie konzeptionell auf einem guten Weg. Alles nach dem Motto: Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. 


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Die GES Großeinkaufsring des Süßwaren- und Getränkehandels eG ist ein Verbund von mittelständischen Getränkefachgroßhändlern und filialisierten Getränkemarktbetreibern, Conveniencefachgroßhändlern und Automatenbetreibern aus dem gesamten Bundesgebiet. 
Die GES fördert seit 1950 die wirtschaftliche Entwicklung des Getränke- und Süßwarenfachhandels. Für die Direktbezüge der angeschlossenen Fachhändler übernimmt die GES eG die Zahlungsgarantie und Zentralregulierung. Darüber hinaus werden ergänzende und unterstützende Vermarktungs- und Dienstleistungen erbracht, die zur Stärkung des Fachgroßhandels beitragen.

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