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„Die Märkte überhitzen“
Getränkewirtschaft

„Die Märkte überhitzen“

Immer mehr Bereiche der Lebensmittelindustrie befinden sich im Ausnahmezustand. Auch Getränkehersteller sind gegenwärtig massiv von der Verknappung und Verteuerung einzelner Komponenten betroffen. Das reicht von Paletten und Kartonagen über Bierdeckel und Kronkorken bis hin zu Dosen und Mehrwegflaschen. Hinzu kommen die massiv gestiegenen Preise für Rohstoffe und Energie.

„Aktuell befinden wir uns erneut in einer außergewöhnlichen und bislang nicht dagewesenen Situation. Nach Monaten der Pandemie erleben wir, wie internationale und nationale Märkte aus unterschiedlichsten Gründen ,überhitzen‘“, sagt Dirk Reinsberg, Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels, im Gespräch mit Getränke News. „Neben marktüblichen und nachvollziehbaren Preisanpassungen kommt es teilweise zu irrationalen Preissteigerungen in einem bislang unbekannten Ausmaß“, so Reinsberg.

Höchste Inflationsrate seit 1993

Das Statistische Bundesamt meldete für September mit 4,1 Prozent die höchste Inflationsrate seit Dezember 1993. Einige Experten befürchten sogar, dass die steigenden Rohstoff- und Energiepreise einen Superzyklus einleiten könnten mit einer globalen Hyperinflation am Ende. Tatsache ist: In der gesamten Getränkebranche sind die Kostensteigerungen auf vielen Feldern so massiv, dass sie sich über kurz oder lang auf die Preise auswirken müssen. Für nächstes Jahr haben einige große Brauereien bereits Bierpreiserhöhungen angekündigt (wir berichteten).

Lieferketten reißen ab

„Was uns große Sorge macht, ist die Logistik: Die Lieferketten sind bis zum Zerreißen gespannt, auch weil bundesweit bis zu 80.000 Fernfahrer fehlen“, sagt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds (DBB). Und Markus Rütters, CEO von DGL, einer der größten deutschen Getränkelogistiker, bestätigt: „Der Kostendruck in der Getränkelogistik steigt in diesen Wochen enorm – der Markt ist unter Druck wie schon lange nicht mehr. Und dann kommt da noch das latente Problem des Fahrermangels hinzu. Wir stehen damit im harten Wettbewerb mit anderen Logistikbranchen.“

Die deutschen Brauer erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie sich so bald wie möglich dieses Problems annimmt und gemeinsam mit der Logistikbranche nach Lösungen sucht. „Wenn die Politik in Deutschland nicht bald mit dem Krisenmanagement beginnt, ist es zu spät. Ein kurzer Blick nach England genügt für ein mahnendes Beispiel“, sagt Eichele.

Zeitweise politisches Vakuum

Ausgerechnet in dieser angespannten wirtschaftlichen und nach wie vor gesundheitspolitisch kritischen Situation erhält in dieser Woche die Bundesregierung bei der konstituierenden Sitzung des Bundestages ihre Entlassungsurkunden. Es droht bis zur Bildung einer neuen Regierung ein zeitweises politisches Vakuum. „In dieser außergewöhnlichen Situation sind alle aufgerufen, ruhig und besonnen zu agieren, Entscheidungen langfristig anzulegen und akuten Marktsituationen nicht durch Ad-hoc-Handlungen zu begegnen“, so Dirk Reinsberg.

Verbraucher ziehen sich zurück

Die Verbraucher reagieren bereits auf die aktuelle Lage: Laut dem Konsumbarometer des Handelsverbands Deutschland (HDE) sinkt im Oktober die Verbraucherstimmung weiter ab, und einer aktuellen Studie des Kölner Rheingold Instituts zufolge blicken zwei Drittel der Deutschen ängstlich auf die gesellschaftliche Zukunft. Mangelndes Vertrauen in Staat und Institutionen sowie die Angst vor gesellschaftlicher Spaltung forcieren den Rückzug in private Nischen. Es wächst aber andererseits auch die Bereitschaft, allein oder mit Gleichgesinnten für eine lebenswerte Zukunft tätig zu werden. Das sind die zentralen Erkenntnisse dieser repräsentativen und tiefenpsychologischen Untersuchung.

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„Die Menschen verschanzen sich in kleinen Wirkungskreisen mit Gleichgesinnten und versuchen in ihren persönlichen Umfeldern zu retten, was noch zu retten ist“, sagt Stephan Grünewald, Psychologe und Gründer des auf tiefenpsychologische Forschung spezialisierten Rheingold Instituts. „Wir erleben eine Zeiten-Wende“, bekräftigt Grünewald. „Diese Studie beschreibt den Geist, die Unsicherheiten, die Regressions- und Progressions-Kräfte einer Übergangszeit, in der sich unsere Gesellschaft massiv verändern wird.“

GFGH-Geschäft leidet

Diese Stimmungslage und die steigenden Kosten in allen Lebensbereichen könnten dazu führen, dass die Leute künftig deutlich weniger die Gastronomie besuchen und damit auch das Getränkefachgroßhandels-Geschäft leidet. „Für den Getränkefachgroßhandel neigt sich ein zweites von der Pandemie geprägtes Geschäftsjahr dem Ende entgegen. Insbesondere die veranstaltungs- und gastronomieorientierten Betriebe haben extrem unter den Einschränkungen des Lockdowns gelitten“, sagt Dirk Reinsberg.

Trotz staatlicher Hilfen seien Schäden und Verwerfungen entstanden, die noch lange nachwirken werden. Für das kommende Jahr müsse es daher unser aller Ziel sein, einen weiteren Lockdown zu verhindern und auch teilweise Beschränkungen in der Gastronomie und bei Festen und Veranstaltungen weiter zurückzunehmen. „Hoffen wir, dass uns das unter anderem durch die Erhöhung der Impfquote gelingt. Denn die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind – unabhängig von dem Thema Corona – groß“, so Reinsberg.

Fachkräftemangel prägt Arbeitsmarkt

Ein weiteres Problem: Die demografische Entwicklung wirkt sich zunehmend auf den Arbeitsmarkt aus. „Fehlende Arbeitskräfte und ein sich ausweitender Fachkräftemangel stehen bundesweit auf der Tagesordnung. Ein Umstand, der die nächsten Jahre prägen wird“, so der GFGH-Verbandschef. Darauf müssten sich Hersteller, Händler und auch Endverbraucher einstellen. „Wir werden die aktuelle Sortimentsbreite allein im Getränkesegment unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht aufrechterhalten können“, so Reinsberg. „Hier bedarf es einer Rückbesinnung frei dem Motto ,weniger ist manchmal mehr‘.“

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„Die Märkte überhitzen“
Getränkewirtschaft

„Die Märkte überhitzen“

Immer mehr Bereiche der Lebensmittelindustrie befinden sich im Ausnahmezustand. Auch Getränkehersteller sind gegenwärtig massiv von der Verknappung und Verteuerung einzelner Komponenten betroffen. Das reicht von Paletten und Kartonagen über Bierdeckel und Kronkorken bis hin zu Dosen und Mehrwegflaschen. Hinzu kommen die massiv gestiegenen Preise für Rohstoffe und Energie.

„Aktuell befinden wir uns erneut in einer außergewöhnlichen und bislang nicht dagewesenen Situation. Nach Monaten der Pandemie erleben wir, wie internationale und nationale Märkte aus unterschiedlichsten Gründen ,überhitzen‘“, sagt Dirk Reinsberg, Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels, im Gespräch mit Getränke News. „Neben marktüblichen und nachvollziehbaren Preisanpassungen kommt es teilweise zu irrationalen Preissteigerungen in einem bislang unbekannten Ausmaß“, so Reinsberg.

Höchste Inflationsrate seit 1993

Das Statistische Bundesamt meldete für September mit 4,1 Prozent die höchste Inflationsrate seit Dezember 1993. Einige Experten befürchten sogar, dass die steigenden Rohstoff- und Energiepreise einen Superzyklus einleiten könnten mit einer globalen Hyperinflation am Ende. Tatsache ist: In der gesamten Getränkebranche sind die Kostensteigerungen auf vielen Feldern so massiv, dass sie sich über kurz oder lang auf die Preise auswirken müssen. Für nächstes Jahr haben einige große Brauereien bereits Bierpreiserhöhungen angekündigt (wir berichteten).

Lieferketten reißen ab

„Was uns große Sorge macht, ist die Logistik: Die Lieferketten sind bis zum Zerreißen gespannt, auch weil bundesweit bis zu 80.000 Fernfahrer fehlen“, sagt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds (DBB). Und Markus Rütters, CEO von DGL, einer der größten deutschen Getränkelogistiker, bestätigt: „Der Kostendruck in der Getränkelogistik steigt in diesen Wochen enorm – der Markt ist unter Druck wie schon lange nicht mehr. Und dann kommt da noch das latente Problem des Fahrermangels hinzu. Wir stehen damit im harten Wettbewerb mit anderen Logistikbranchen.“

Die deutschen Brauer erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie sich so bald wie möglich dieses Problems annimmt und gemeinsam mit der Logistikbranche nach Lösungen sucht. „Wenn die Politik in Deutschland nicht bald mit dem Krisenmanagement beginnt, ist es zu spät. Ein kurzer Blick nach England genügt für ein mahnendes Beispiel“, sagt Eichele.

Zeitweise politisches Vakuum

Ausgerechnet in dieser angespannten wirtschaftlichen und nach wie vor gesundheitspolitisch kritischen Situation erhält in dieser Woche die Bundesregierung bei der konstituierenden Sitzung des Bundestages ihre Entlassungsurkunden. Es droht bis zur Bildung einer neuen Regierung ein zeitweises politisches Vakuum. „In dieser außergewöhnlichen Situation sind alle aufgerufen, ruhig und besonnen zu agieren, Entscheidungen langfristig anzulegen und akuten Marktsituationen nicht durch Ad-hoc-Handlungen zu begegnen“, so Dirk Reinsberg.

Verbraucher ziehen sich zurück

Die Verbraucher reagieren bereits auf die aktuelle Lage: Laut dem Konsumbarometer des Handelsverbands Deutschland (HDE) sinkt im Oktober die Verbraucherstimmung weiter ab, und einer aktuellen Studie des Kölner Rheingold Instituts zufolge blicken zwei Drittel der Deutschen ängstlich auf die gesellschaftliche Zukunft. Mangelndes Vertrauen in Staat und Institutionen sowie die Angst vor gesellschaftlicher Spaltung forcieren den Rückzug in private Nischen. Es wächst aber andererseits auch die Bereitschaft, allein oder mit Gleichgesinnten für eine lebenswerte Zukunft tätig zu werden. Das sind die zentralen Erkenntnisse dieser repräsentativen und tiefenpsychologischen Untersuchung.

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„Die Menschen verschanzen sich in kleinen Wirkungskreisen mit Gleichgesinnten und versuchen in ihren persönlichen Umfeldern zu retten, was noch zu retten ist“, sagt Stephan Grünewald, Psychologe und Gründer des auf tiefenpsychologische Forschung spezialisierten Rheingold Instituts. „Wir erleben eine Zeiten-Wende“, bekräftigt Grünewald. „Diese Studie beschreibt den Geist, die Unsicherheiten, die Regressions- und Progressions-Kräfte einer Übergangszeit, in der sich unsere Gesellschaft massiv verändern wird.“

GFGH-Geschäft leidet

Diese Stimmungslage und die steigenden Kosten in allen Lebensbereichen könnten dazu führen, dass die Leute künftig deutlich weniger die Gastronomie besuchen und damit auch das Getränkefachgroßhandels-Geschäft leidet. „Für den Getränkefachgroßhandel neigt sich ein zweites von der Pandemie geprägtes Geschäftsjahr dem Ende entgegen. Insbesondere die veranstaltungs- und gastronomieorientierten Betriebe haben extrem unter den Einschränkungen des Lockdowns gelitten“, sagt Dirk Reinsberg.

Trotz staatlicher Hilfen seien Schäden und Verwerfungen entstanden, die noch lange nachwirken werden. Für das kommende Jahr müsse es daher unser aller Ziel sein, einen weiteren Lockdown zu verhindern und auch teilweise Beschränkungen in der Gastronomie und bei Festen und Veranstaltungen weiter zurückzunehmen. „Hoffen wir, dass uns das unter anderem durch die Erhöhung der Impfquote gelingt. Denn die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind – unabhängig von dem Thema Corona – groß“, so Reinsberg.

Fachkräftemangel prägt Arbeitsmarkt

Ein weiteres Problem: Die demografische Entwicklung wirkt sich zunehmend auf den Arbeitsmarkt aus. „Fehlende Arbeitskräfte und ein sich ausweitender Fachkräftemangel stehen bundesweit auf der Tagesordnung. Ein Umstand, der die nächsten Jahre prägen wird“, so der GFGH-Verbandschef. Darauf müssten sich Hersteller, Händler und auch Endverbraucher einstellen. „Wir werden die aktuelle Sortimentsbreite allein im Getränkesegment unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht aufrechterhalten können“, so Reinsberg. „Hier bedarf es einer Rückbesinnung frei dem Motto ,weniger ist manchmal mehr‘.“

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