Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) fordert vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) eine belastbare Folgenabschätzung zur geplanten Erhöhung der Alkoholsteuer auf Spirituosen. Nach Angaben des Verbandes sieht ein Diskussionsentwurf des Ministeriums vor, die Steuer zum 1. Januar 2027 um 20 Prozent anzuheben.
Das BMF rechne dadurch mit jährlichen Mehreinnahmen von 385 Millionen Euro. Der BSI hält diese Erwartung für unsicher. Die Rechnung gehe nur auf, wenn Absatz- und Umsatzeffekte weitgehend ausblieben. Der Verband verweist dagegen auf eine von NielsenIQ für das erste Quartal 2026 ermittelte Preiselastizität von rund minus 1,9 bei Spirituosen. Eine Preiserhöhung um ein Prozent führe demnach typischerweise zu einem Volumenrückgang von rund 1,9 Prozent.
„Wer eine Steuererhöhung als Beitrag zur Haushalts-Stabilisierung begründet, sollte auch darlegen, dass die erwarteten Mehreinnahmen unter realistischen Marktbedingungen tatsächlich entstehen“, erklärt BSI-Geschäftsführerin Angelika Wiesgen-Pick. Zu berücksichtigen seien auch Ausweichreaktionen wie Auslandseinkäufe, illegaler Bezug oder der Wechsel zu anderen alkoholhaltigen Getränken sowie Folgen für Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Beschäftigung.
Der BSI kritisiert zudem, dass fiskalische und gesundheitspolitische Begründungen vermischt würden. Man könne nicht zugleich mit deutlichen Konsumrückgängen argumentieren und Mehreinnahmen als gesichert darstellen. „Das ist ein Widerspruch in sich selbst“, so Wiesgen-Pick.
Nach Angaben des Verbandes tragen Spirituosen fast 70 Prozent zum Steueraufkommen alkoholhaltiger Getränke bei, ihr mengenmäßiger Anteil am Markt liege aber bei 4,6 Prozent. Eine zusätzliche Belastung würde aus Sicht des BSI vor allem kleinere und mittelständische Spirituosenbetriebe, regionale Hersteller sowie Handel, Gastronomie und Tourismus treffen.
Der Verband kündigte an, den Gesetzentwurf juristisch und wissenschaftlich zu prüfen und konkrete Prüfaufträge für das parlamentarische Verfahren vorzulegen.

























































































