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Brauereien droht Pleitewelle
Corona-Krise

Brauereien droht Pleitewelle

Die Corona-Pandemie hat bei den Brauereien bereits deutliche Spuren hinterlassen. Durch den Lockdown und die damit verbundene Schließung von Restaurants, Bars und Gaststätten sowie den Ausfall von Großveranstaltungen, Festen und Events kamen die Absätze im Außer-Haus-Geschäft wochenlang zum Erliegen. So rechnet die Brauerei Veltins für 2020 für den gesamten deutschen Biermarkt mit einem Absatzverlust von 6 Millionen Hektolitern. „Die meisten Betriebe erreichen nach der Wiederöffnung nur langsam auskömmliche Umsätze“, sagt Veltins-Geschäftsführer Dr. Volker Kuhl. Dabei sei die Entwicklung in der Gastronomie heterogen. Je nach Standort-, Konzept- und Managementqualitäten seien die Betriebe in der Krise unterschiedlich gut gerüstet. 

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) rechnet damit, dass 70.000 Hotel- und Gastronomiebetriebe diese schweren Zeiten nicht überstehen könnten. Auch Axel Dahm, Sprecher der Geschäftsführung der Bitburger Braugruppe, zeigt sich eher pessimistisch: In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ prognostizierte er kürzlich einen Rückgang im Außer-Haus-Geschäft um mindestens die Hälfte in diesem Jahr. Er glaubt, dass infolge der Corona-Krise sogar dauerhaft weniger Bier getrunken wird. So werde der Konsum in Gaststätten und bei Veranstaltungen nach Corona maximal 80 Prozent des alten Marktniveaus erreichen. 

Nach Einschätzung der Braugruppe wird ein Drittel der Gasthäuser und Hotels diese Krise nicht überleben. „Wir werden eine schwere Rezession bekommen, mit viel mehr Insolvenzen als das heute in Deutschland diskutiert wird“, sagt Dahm. Die Bitburger Braugruppe sei jedoch gesund, betont er. „Die Leute werden dauerhaft weniger Bier trinken, die Menschen noch häuslicher, zurückgezogener leben, weniger in Restaurants gehen.“ Das Konsumverhalten werde sich noch weiter verändern, die Leute würden preissensibler, so Dahm im Interview mit der FAZ. 

Handel reagiert mit Lockangeboten

Das Konsumverhalten änderte sich mit Beginn der Kontaktsperre. Nach einer ersten „Hamsterphase“ reagierten Bierkäufer vor Ostern mit Kaufzurückhaltung. Es gab ungewöhnliche Nachfrageschwankungen. Im März und April legten laut Nielsen die Sorten Hell und Biermix deutlich zu, bei den Gebinden waren die Halbliterdose und der 20er-Halbliterkasten die großen Gewinner (siehe Grafiken). 


Gebindeentwicklung im Handel in der Lockdown-Phase
Sortenentwicklung im Handel in der Lockdown-Phase. März/April 2020 im Vergleich zum Vorjahr
Gebinde- und Sortenentwicklung im Handel während der Lockdown-Phase. März/April 2020 im Vergleich zum Vorjahr (Grafiken: Brauerei Veltins)

Um die Absatzverluste in der Warengruppe Bier wettzumachen, setzte der Handel dann ab Mai verstärkt auf Lockangebote: Die Verbraucher in Deutschland konnten sich über ein bundesweites Aktionsfeuerwerk bei den Bierpreisen freuen. Die Aktionsoffensive mit Preisen um die Zehn-Euro-Schwelle kam gerade recht, als die Bundesregierung sich zum Aufheben der Kontaktsperre entschloss und dieser „Befreiungsschlag“ die Konsumlaune belebte. „Großes Kompliment an den Handel, wie gut er die Versorgungssicherheit gewährleistet hat. Ich habe auch ein gewisses Verständnis dafür, dass er mit Lockangeboten die Kunden an sich binden will“, sagt Volker Kuhl. 

Brauer unter Druck

Dass die Pandemie ihre Spuren in der Braubranche hinterlassen wird, weiß auch Peter Lemm, Sprecher der Krombacher Brauerei. Wie tief und gravierend diese noch würden, sei zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer abzusehen. Als Familienunternehmen denke Krombacher grundsätzlich immer mittel- bis langfristig. „Über die vergangenen Jahre und Jahrzehnte konnten wir erfolgreich wirtschaften, so dass wir auch in diesen schwierigen Zeiten positiv in die Zukunft sehen können“, so Lemm gegenüber Getränke News. „Krisen bieten auch immer Chancen. Dies gilt es zu erkennen und zu nutzen.“ 

Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Brauer-Bund, sieht die Krise noch lange nicht überwunden. Die Branche müsse mit weiteren Rückschlägen rechnen. „Man muss kein Schwarzmaler sein, um die Risiken zu sehen: Eine zweite oder dritte Welle im Herbst und Winter ist nicht unwahrscheinlich und würde die Branche nochmals sehr hart treffen. Darauf müssen wir uns leider vorbereiten“, so Eichele und zeigt sich überzeugt, dass sich vieles verändern wird. „Die Welt nach Corona wird eine andere sein.“ 

Besonders die Gastronomie stehe vor einem tiefgreifenden Wandel: Viele Kneipen, Bars, Clubs und Restaurants werden nach seiner Einschätzung aufgeben müssen, viele Innenstädte würden leerer, weil sich das Ausgehverhalten der Menschen verändere. Auch bei Tagungen, Tourismus, Events und Geschäftsreisen komme es dauerhaft zu harten Einschnitten. „Dieser Strukturwandel ist tiefgreifend, und er wird den deutschen Biermarkt stärker verändern als manche es heute wahrhaben wollen“, sagt Eichele auf Nachfrage von Getränke News.

Branche wird sich konsolidieren

Michael Huber, seit gut 25 Jahren Generalbevollmächtigter der Brauerei Veltins, rechnet mit einer Konsolidierung der Branche. „Strukturelle Schwächen der Brauwirtschaft werden in den nächsten Jahren stärker zu Tage treten, weil Hilfsmaßnahmen wie Steuerstundungen zwar bei den Symptomen, nicht aber bei den Ursachen abhelfen“, sagt Huber. Viele Brauereien litten unter einer geringen Eigenkapitalquote, großem Investitionsstau und mangelnder Liquidität. „Ein nochmaliger Lockdown wäre eine Katastrophe. Wir müssen deshalb alles dafür tun, eine zweite Welle zu verhindern“, so der Veltins-Chef.

Auch Dr. Albert Christmann, persönlich haftender Gesellschafter der Dr. August Oetker KG, zu der die Radeberger Gruppe gehört, erwartet infolge der Corona-Pandemie eine Pleitewelle in der Gastronomie, die auch Brauereien in Schwierigkeiten bringen könnte. „Viele ohnehin schon gewinnschwache Brauer kann das die Existenz kosten. Entweder kommt es zu einer kalten Marktkonsolidierung sowohl in der Gastronomie als auch in der Brauwirtschaft oder zu Übernahmen“, sagt Christmann im Gespräch mit dem „Manager Magazin“. Er sehe gute Chancen, dass sein Unternehmen dabei eine aktive Rolle spielen werde. Retter existenzbedrohter Gastronomiebetriebe wolle man jedoch nicht sein. „Das könnte hier und da ein Weg sein, aber wir wollen jetzt nicht massenhaft in Kneipen investieren. Das ist nicht unser Geschäft“, so Christmann. Er glaube jedoch an die Gastronomie, weil sie eine große gesellschaftliche Rolle habe. 

Veltins-Chef Michael Huber gibt sich optimistischer und rechnet damit, dass zwar durch die Krise gut 20 Prozent der Gastronomie-Betriebe schließen müssen, es werde aber wieder andere Wirte geben, die den Großteil dieser Gaststätten neu eröffnen. Frühestens in 30 Monaten seien die belastenden Turbulenzen überwunden. „Wir kämpfen dafür, 2023 wieder da zu sein, wo wir 2019 waren. Und ich bin sicher, wir schaffen das!“, so Huber gegenüber Getränke News. Auch sein Geschäftsführer bleibt optimistisch: „Die Menschen haben unverändert Lust auf Gastronomie und wissen das später wieder unbeschwerte Genusserlebnis mit Menschen ringsherum auch weiterhin zu schätzen – gerade nach Corona- Zeiten“, sagt Volker Kuhl.

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Corona-Krise

Brauereien droht Pleitewelle

Die Corona-Pandemie hat bei den Brauereien bereits deutliche Spuren hinterlassen. Durch den Lockdown und die damit verbundene Schließung von Restaurants, Bars und Gaststätten sowie den Ausfall von Großveranstaltungen, Festen und Events kamen die Absätze im Außer-Haus-Geschäft wochenlang zum Erliegen. So rechnet die Brauerei Veltins für 2020 für den gesamten deutschen Biermarkt mit einem Absatzverlust von 6 Millionen Hektolitern. „Die meisten Betriebe erreichen nach der Wiederöffnung nur langsam auskömmliche Umsätze“, sagt Veltins-Geschäftsführer Dr. Volker Kuhl. Dabei sei die Entwicklung in der Gastronomie heterogen. Je nach Standort-, Konzept- und Managementqualitäten seien die Betriebe in der Krise unterschiedlich gut gerüstet. 

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) rechnet damit, dass 70.000 Hotel- und Gastronomiebetriebe diese schweren Zeiten nicht überstehen könnten. Auch Axel Dahm, Sprecher der Geschäftsführung der Bitburger Braugruppe, zeigt sich eher pessimistisch: In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ prognostizierte er kürzlich einen Rückgang im Außer-Haus-Geschäft um mindestens die Hälfte in diesem Jahr. Er glaubt, dass infolge der Corona-Krise sogar dauerhaft weniger Bier getrunken wird. So werde der Konsum in Gaststätten und bei Veranstaltungen nach Corona maximal 80 Prozent des alten Marktniveaus erreichen. 

Nach Einschätzung der Braugruppe wird ein Drittel der Gasthäuser und Hotels diese Krise nicht überleben. „Wir werden eine schwere Rezession bekommen, mit viel mehr Insolvenzen als das heute in Deutschland diskutiert wird“, sagt Dahm. Die Bitburger Braugruppe sei jedoch gesund, betont er. „Die Leute werden dauerhaft weniger Bier trinken, die Menschen noch häuslicher, zurückgezogener leben, weniger in Restaurants gehen.“ Das Konsumverhalten werde sich noch weiter verändern, die Leute würden preissensibler, so Dahm im Interview mit der FAZ. 

Handel reagiert mit Lockangeboten

Das Konsumverhalten änderte sich mit Beginn der Kontaktsperre. Nach einer ersten „Hamsterphase“ reagierten Bierkäufer vor Ostern mit Kaufzurückhaltung. Es gab ungewöhnliche Nachfrageschwankungen. Im März und April legten laut Nielsen die Sorten Hell und Biermix deutlich zu, bei den Gebinden waren die Halbliterdose und der 20er-Halbliterkasten die großen Gewinner (siehe Grafiken). 


Gebindeentwicklung im Handel in der Lockdown-Phase
Sortenentwicklung im Handel in der Lockdown-Phase. März/April 2020 im Vergleich zum Vorjahr
Gebinde- und Sortenentwicklung im Handel während der Lockdown-Phase. März/April 2020 im Vergleich zum Vorjahr (Grafiken: Brauerei Veltins)

Um die Absatzverluste in der Warengruppe Bier wettzumachen, setzte der Handel dann ab Mai verstärkt auf Lockangebote: Die Verbraucher in Deutschland konnten sich über ein bundesweites Aktionsfeuerwerk bei den Bierpreisen freuen. Die Aktionsoffensive mit Preisen um die Zehn-Euro-Schwelle kam gerade recht, als die Bundesregierung sich zum Aufheben der Kontaktsperre entschloss und dieser „Befreiungsschlag“ die Konsumlaune belebte. „Großes Kompliment an den Handel, wie gut er die Versorgungssicherheit gewährleistet hat. Ich habe auch ein gewisses Verständnis dafür, dass er mit Lockangeboten die Kunden an sich binden will“, sagt Volker Kuhl. 

Brauer unter Druck

Dass die Pandemie ihre Spuren in der Braubranche hinterlassen wird, weiß auch Peter Lemm, Sprecher der Krombacher Brauerei. Wie tief und gravierend diese noch würden, sei zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer abzusehen. Als Familienunternehmen denke Krombacher grundsätzlich immer mittel- bis langfristig. „Über die vergangenen Jahre und Jahrzehnte konnten wir erfolgreich wirtschaften, so dass wir auch in diesen schwierigen Zeiten positiv in die Zukunft sehen können“, so Lemm gegenüber Getränke News. „Krisen bieten auch immer Chancen. Dies gilt es zu erkennen und zu nutzen.“ 

Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Brauer-Bund, sieht die Krise noch lange nicht überwunden. Die Branche müsse mit weiteren Rückschlägen rechnen. „Man muss kein Schwarzmaler sein, um die Risiken zu sehen: Eine zweite oder dritte Welle im Herbst und Winter ist nicht unwahrscheinlich und würde die Branche nochmals sehr hart treffen. Darauf müssen wir uns leider vorbereiten“, so Eichele und zeigt sich überzeugt, dass sich vieles verändern wird. „Die Welt nach Corona wird eine andere sein.“ 

Besonders die Gastronomie stehe vor einem tiefgreifenden Wandel: Viele Kneipen, Bars, Clubs und Restaurants werden nach seiner Einschätzung aufgeben müssen, viele Innenstädte würden leerer, weil sich das Ausgehverhalten der Menschen verändere. Auch bei Tagungen, Tourismus, Events und Geschäftsreisen komme es dauerhaft zu harten Einschnitten. „Dieser Strukturwandel ist tiefgreifend, und er wird den deutschen Biermarkt stärker verändern als manche es heute wahrhaben wollen“, sagt Eichele auf Nachfrage von Getränke News.

Branche wird sich konsolidieren

Michael Huber, seit gut 25 Jahren Generalbevollmächtigter der Brauerei Veltins, rechnet mit einer Konsolidierung der Branche. „Strukturelle Schwächen der Brauwirtschaft werden in den nächsten Jahren stärker zu Tage treten, weil Hilfsmaßnahmen wie Steuerstundungen zwar bei den Symptomen, nicht aber bei den Ursachen abhelfen“, sagt Huber. Viele Brauereien litten unter einer geringen Eigenkapitalquote, großem Investitionsstau und mangelnder Liquidität. „Ein nochmaliger Lockdown wäre eine Katastrophe. Wir müssen deshalb alles dafür tun, eine zweite Welle zu verhindern“, so der Veltins-Chef.

Auch Dr. Albert Christmann, persönlich haftender Gesellschafter der Dr. August Oetker KG, zu der die Radeberger Gruppe gehört, erwartet infolge der Corona-Pandemie eine Pleitewelle in der Gastronomie, die auch Brauereien in Schwierigkeiten bringen könnte. „Viele ohnehin schon gewinnschwache Brauer kann das die Existenz kosten. Entweder kommt es zu einer kalten Marktkonsolidierung sowohl in der Gastronomie als auch in der Brauwirtschaft oder zu Übernahmen“, sagt Christmann im Gespräch mit dem „Manager Magazin“. Er sehe gute Chancen, dass sein Unternehmen dabei eine aktive Rolle spielen werde. Retter existenzbedrohter Gastronomiebetriebe wolle man jedoch nicht sein. „Das könnte hier und da ein Weg sein, aber wir wollen jetzt nicht massenhaft in Kneipen investieren. Das ist nicht unser Geschäft“, so Christmann. Er glaube jedoch an die Gastronomie, weil sie eine große gesellschaftliche Rolle habe. 

Veltins-Chef Michael Huber gibt sich optimistischer und rechnet damit, dass zwar durch die Krise gut 20 Prozent der Gastronomie-Betriebe schließen müssen, es werde aber wieder andere Wirte geben, die den Großteil dieser Gaststätten neu eröffnen. Frühestens in 30 Monaten seien die belastenden Turbulenzen überwunden. „Wir kämpfen dafür, 2023 wieder da zu sein, wo wir 2019 waren. Und ich bin sicher, wir schaffen das!“, so Huber gegenüber Getränke News. Auch sein Geschäftsführer bleibt optimistisch: „Die Menschen haben unverändert Lust auf Gastronomie und wissen das später wieder unbeschwerte Genusserlebnis mit Menschen ringsherum auch weiterhin zu schätzen – gerade nach Corona- Zeiten“, sagt Volker Kuhl.

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