Die deutsche Brauwirtschaft blickt auf ein desaströses Jahr zurück: Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, sank der Bierabsatz 2025 um 6,0 Prozent auf rund 78 Millionen Hektoliter. Dies entspricht dem stärksten Absatzrückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1993. Erstmals fiel der Absatz unter 80 Millionen Hektoliter. Unabhängig von saisonalen Schwankungen bestätigen die Zahlen den langfristig rückläufigen Trend: Im vergangenen Jahr setzten die Brauereien insgesamt 18,9 Prozent weniger Bier ab als 2015.
Als schwierig stuft auch der Deutsche Brauer-Bund (DBB) die Situation ein. Als einen Hauptgrund für den deutlichen Rückgang nennt die Branchenvertretung die massive Konsumzurückhaltung der Verbraucher in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas. Die Situation der Gastronomie sei weiterhin besorgniserregend, betont DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Viele Betriebe hätten sich seit der Pandemie nicht erholt. Auch die große Marktmacht des Handels bleibe für die Braubranche ein Problem.
Von einem Volumenverlust „in einer nicht erwartbaren Dimension“ und „historisch schmerzhaften Absatzeinbußen“ spricht auch Dr. Volker Kuhl, Sprecher der Geschäftsführung der Brauerei Veltins. Entscheidende Faktoren seien der Konsumverzicht der Verbraucher im Handel, Fassbierverluste in der kriselnden Gastronomie und Einbußen im Export.
Brauwirtschaft steht vor Zäsur
Vielerorts fehle dadurch dringend benötigte Liquidität, immer mehr Unternehmen geraten nach Kuhls Einschätzung in betriebswirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Brauwirtschaft stehe vor einer Zäsur, in deren Folge immer mehr Brauereien aufgeben müssten, so der Veltins-Chef. Branchenkenner gehen von rund 100 Betrieben aus, die seit der Zeit vor der Pandemie verschwunden sind – in einer Branche mit insgesamt knapp 1.500 Brauereien.
Bei Veltins sieht man in schwierigen Zeiten allerdings auch neue Möglichkeiten. Wer Millionen in neue Produkte und in die energetische Transformation investiere, werde auch künftig Chancen am Markt haben, glaubt Dr. Volker Kuhl. Auf solche positiven Perspektiven verweist auch Jörg Biebernick, CEO der Paulaner Brauerei Gruppe. Die Herausforderungen hätten sich nicht plötzlich ergeben, vielmehr hätten die Unternehmen Jahrzehnte Zeit gehabt, sich auf die negative Entwicklung einzustellen. „Die Bierbranche hatte nie einen I-Phone-Moment“, so Biebernick.
Einige hätten sich längst den Herausforderungen gestellt, berichtet er. Etwa indem sie in moderne Produkte investierten, ihre Logistik optimierten oder ihr Portfolio erweiterten, beispielsweise um alkoholfreie Biere oder auch Softdrinks. Genau dieser Wandel sei noch nicht abgeschlossen. „Es gibt für Brauereien nach wie vor Spielräume für breitere Produktportfolios und mehr Innovation“, plädiert er für mehr Optimismus.
Hoffnungsträger Alkoholfrei
Trotz aller Belastungen eher „zuversichtlich“ äußert sich auch der Verband der privaten Brauereien. Das deutliche Wachstum alkoholfreier Biere und Erfrischungsgetränke kompensiere bei vielen regionalen Mittelstandsbrauereien die Absatzverluste aus dem Alkoholgeschäft, manche Mitgliedsbrauereien würden sogar gegen den Branchentrend wachsen, hebt Georg Rittmayer, Verbandspräsident für Bayern, hervor.
Optimistisch stimme eine repräsentative Umfrage des Verbands, wonach rund 80 Prozent der Mitglieder für 2026 Investitionen in ihre Anlagen und Betriebe planen. Dies sei „ein starkes Signal der Zuversicht“ und ein Zeichen, dass man den Blick nach vorne richte. Angesichts des Wandels bleibe man nah an den Kunden und ihren Wünschen, sagt Martin Schimpf, Präsident des Verbands auf Deutschland-Ebene. „Unsere Mitgliedsbrauereien denken in Generationen und investieren auch in Zukunft in moderne Technik, in ihre Marken und in ein immer vielfältigeres Sortiment“, so Schimpf.
Auf die Chancen alkoholfreier Biere weist auch der Deutsche Brauer-Bund hin. Sie sind aktuell die am schnellsten wachsende Sorte auf dem deutschen Biermarkt, in den Zahlen des Statistischen Bundesamts sind sie allerdings prinzipiell nicht enthalten, da die Behörde in ihren Erhebungen nur die steuerpflichtigen Biere berücksichtigt.
Pils weiter auf Platz eins
Laut DBB und dem Marktforschungsinstitut Nielsen IQ haben alkoholfreie Biere und Biermischgetränke 2025 beim Umsatz im Handel erstmals die Zehn-Prozent-Marke überschritten, im mengenmäßigen Marktanteil bewegen sie sich mit 9,5 Prozent noch knapp darunter. Nach Pils mit knapp 50 Prozent und Hellbier mit ca. zwölf Prozent liegen die Alkoholfreien inzwischen im Ranking auf Platz drei. „Die Menschen suchen nach hochwertigen, geschmackvollen Bieren, die zu jeder Lebenslage passen, und wir freuen uns, ihnen diese Vielfalt bieten zu können“, unterstreicht Christian Weber, Präsident des Deutschen Brauer-Bunds.
Laut Einschätzung des Verbands wird auch 2026 wieder „ein sehr forderndes Jahr“. Vor diesem Hintergrund erwartet der DBB von der Politik „entschlossenere Anstrengungen“ insbesondere in der Energiepolitik. „Für die Brauwirtschaft ist eine verlässliche, planbare und wettbewerbsfähige Energiepolitik von zentraler Bedeutung“ betont DBB-Hauptgeschäftsführer Eichele. Stark schwankende Preise, unklare Förderbedingungen und langfristig fehlende Planungssicherheit erschwerten Investitionen in Effizienz, Klimaschutz und Innovation erheblich.
2025 auf einen Blick
Insgesamt ging der Bierabsatz der Brauereien in Deutschland 2025 um 6,0 Prozent auf rund 78 Millionen Hektoliter zurück. Der Inlandsabsatz sank um 5,8 Prozent auf 64 Millionen Hektoliter, was 82,5 Prozent der Gesamtmenge entspricht. Der Export indessen sank um 7,0 Prozent auf knapp 14 Millionen Hektoliter. Davon gingen 7,99 Millionen Hektoliter (-1,3 %) in EU-Staaten und 5,53 Millionen Hektoliter (-14,2 %) in Nicht-EU-Staaten.
Bei den Biermischgetränken verzeichneten die Hersteller 2025 einen Absatzrückgang von 5,2 Prozent. Sie machten mit 4,02 Millionen Hektolitern 5,2 Prozent des gesamten Bierabsatzes aus.
In den Zahlen des Statistischen Bundesamts sind neben den in Deutschland produzierten Bieren auch aus der Europäischen Union importierte Bier enthalten. Hingegen gehen alkoholfreie Biere und Malztrunk sowie das aus Ländern außerhalb der EU eingeführte Bier nicht in die Statistik ein.



























































































