Trotz eines insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Umfelds hat sich die Braubranche im vergangenen Jahr international besser entwickelt als erwartet: Die weltweite Bierproduktion verzeichnete gegenüber 2023 lediglich ein minimales Minus von 0,3 Prozent auf 1,875 Milliarden Hektoliter. Das geht aus dem Barth Haas-Bericht 2024/2025 hervor, den der weltweit führende Hopfenspezialist heute im Rahmen einer Online-Pressekonferenz vorstellte.
Das nahezu stabile Ergebnis ist allerdings kein Grund zur Entwarnung. „Wie praktisch alle Sektoren durchlebt auch die Bierbranche eine Zeit tiefgreifender Veränderungen“, betont Thomas Raiser, Geschäftsführer von Barth Haas. „Die globalen Krisen mit volatilen Märkten, die Handelskriege und nicht zuletzt ein verändertes Konsumverhalten stellen auch die Brauereien vor große Herausforderungen.“ Zudem täuscht der internationale Durchschnitt darüber hinweg, dass viele einzelne Märkte deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Deutschland rutscht in Rangliste ab
Etwas schlechter als der Weltmarkt insgesamt entwickelte sich die deutsche Brauwirtschaft: Hierzulande ging der Ausstoß um gut ein Prozent auf 83,93 Millionen Hektoliter zurück. „Im internationalen Ranking rutschte Deutschland im letzten Jahr vom fünften auf den sechsten Platz ab“, erläutert Heinrich Meier, der Verfasser des Barth Haas-Berichts. „Grund dafür ist, dass Russland in der Bierproduktion um rund neun Prozent zulegte und so Deutschland überholte.“ Beide Länder lagen in den letzten Jahren beim Bierausstoß dicht beieinander. Die Plätze 1 bis 4 belegen unverändert China, die USA, Brasilien und Mexiko.
Eine Prognose für den Weltbiermarkt abzugeben, ist nicht einfach: Für 2025 erwartet Barth Haas zwar erneut einen stabilen Bierausstoß, die Braubranche wird sich dennoch weiter in schwerem Fahrwasser bewegen. „Über die bekannten schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinaus ist zu befürchten, dass wachsende geopolitische Spannungen und von den USA ausgehende Handelskonflikte die Konsumstimmung weiter belasten und den internationalen Handel zunehmend erschweren“, sagt Thomas Raiser.

Hopfenbranche kämpft mit Überschüssen
Nicht einfach sind die Zeiten dem Unternehmen zufolge auch für die Hopfenwirtschaft, denn der Strukturwandel mit sinkenden Anbauflächen und zugleich einer Überversorgung des Marktes setzte sich auch 2024 fort: Die weltweite Hopfenanbaufläche ging das dritte Jahr in Folge zurück – von 2023 auf 2024 allein um 7,7 Prozent auf 55.715 Hektar.
Hierzulande wurden im selben Zeitraum lediglich 1,6 Prozent der Flächen aufgegeben, wodurch Deutschland wieder an die Spitze der Hopfenanbauländer aufstieg. Ein Blick auf die aktuelle Entwicklung zeigt allerdings, dass sich der Rückgang nur wegen bestehender Vorverträge verzögerte: 2025 wird in Deutschland nur noch auf 18.962 Hektar Hopfen angebaut, was einem Rückgang von 7 Prozent entspricht.
Immer mehr Pflanzer geben auf
Im Zuge des Strukturwandels setzte sich auch 2024 die Branchenkonzentration weiter fort: In Deutschland stellten weitere 31 Hopfenpflanzer die Produktion ein. Die durchschnittliche bewirtschaftete Anbaufläche der verbliebenen 1.009 Betriebe stieg 2024 um 0,3 Hektar auf 20,1 Hektar.
Damit kommt der Wandel aber noch nicht zu seinem Ende: „Der Markt bleibt weiterhin strukturell überversorgt und die Hopfenwirtschaft kämpft mit Überschüssen, die zwar weitestgehend vorvertraglich verkauft, aber nicht verbraucht sind“, erklärt Heinrich Meier. „Weitere Flächenreduzierungen sind daher unumgänglich, um den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.“

Der sinkende Bedarf an Hopfen erklärt sich durch einen weltweit veränderten Biermarkt: „Der Trend zu Mainstream-Bieren sowie alkoholfreien und -armen Varianten setzte sich 2024 fort und gewann sogar noch an Dynamik“, so Thomas Raiser. „Diesen Bierstilen wird im Allgemeinen weniger Hopfen zugesetzt.“
Marktumfeld bleibt herausfordernd
Neben den veränderten Trends spielen, insbesondere in den traditionellen Bierländern der westlichen Industrienationen, weitere Faktoren eine Rolle für die rückläufige Hopfennachfrage: eine alternde Bevölkerung, der Wettbewerb durch eine deutlich gewachsene Getränkevielfalt und nicht zuletzt eine sinkende Kaufkraft in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
Das Marktumfeld bleibt also herausfordernd: Eine schwächelnde und zunehmend kostenbewusste Nachfrage seitens der Brauindustrie, die auf günstige Marktpreise hofft, trifft auf steigende Produktionskosten, bedingt durch Inflation bei Energie, Betriebsmitteln und Löhnen.






















































































