(aktualisiert) Trotz eines deutlichen Zuwachses im Juni hat die deutsche Brauwirtschaft das erste Halbjahr 2026 mit einem Absatzminus abgeschlossen. Von Januar bis Juni wurden 38,45 Millionen Hektoliter Bier abgesetzt. Das waren 2,2 Prozent oder rund 855.000 Hektoliter weniger als im Vorjahreszeitraum, wie aus den vom Deutschen Brauer-Bund veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamts hervorgeht.
Besonders deutlich fiel der Rückgang beim steuerpflichtigen Inlandsabsatz aus. Dieser sank im ersten Halbjahr um 3,1 Prozent auf 31,22 Millionen Hektoliter. Das entspricht einem Verlust von knapp einer Million Hektolitern. Gestützt wurde die Bilanz durch das Auslandsgeschäft. Die Bierausfuhr stieg um 2,0 Prozent auf 7,19 Millionen Hektoliter.
Im Juni erzielte die Branche nach dem März zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Absatzplus. Der Gesamtbierabsatz stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,2 Prozent auf 7,89 Millionen Hektoliter. Beim steuerpflichtigen Inlandsabsatz ergab sich ein Zuwachs von 5,7 Prozent auf 6,35 Millionen Hektoliter. Die Ausfuhren legten um 3,7 Prozent auf 1,52 Millionen Hektoliter zu. Als Ursache für die positive Entwicklung vermutet der Deutsche Brauer-Bund vor allem die außergewöhnlich warmen Temperaturen in weiten Teilen Deutschlands. Von der Fußball-Weltmeisterschaft seien dagegen offenbar weniger Impulse ausgegangen. Eine Trendwende sieht der Verband trotz des Juni-Zuwachses nicht.
Auch die Biermischgetränke blieben im ersten Halbjahr unter dem Vorjahresniveau. Ihr Absatz sank um 5,5 Prozent auf 2,08 Millionen Hektoliter. Im Juni verzeichnete das Segment dagegen einen Zuwachs von 4,9 Prozent auf rund 502.000 Hektoliter.
Brauer-Bund spricht von Zäsur
Der Deutsche Brauer-Bund (DBB) wertet den Absatzrückgang als Ausdruck einer tiefer reichenden Veränderung des Marktes. „Der Juni 2026 mag mit einem Plus von 5,2 % ein Lichtblick sein, bedeutet aber längst keine Trendwende“, sagt DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Die Branche habe es weniger mit einer Absatzdelle als mit einer echten Zäsur zu tun.
Nach Berechnungen des Verbands hat der deutsche Biermarkt auf Halbjahressicht seit 2019 rund 5,5 Millionen Hektoliter oder 18 Prozent seines damaligen Volumens verloren. Als wesentliche Ursachen nennt der DBB ein negatives Konsumklima, die demografische Entwicklung, die anhaltende Krise der Gastronomie und ein verändertes Ausgehverhalten. Zudem mache sich zunehmend bemerkbar, dass jüngere Konsumenten weniger Alkohol tränken als ältere.
Der Verband rechnet deshalb mit einer weiteren Konsolidierung. Zurzeit müsse mindestens eine Brauerei pro Woche aufgeben, häufig handele es sich um Familienbetriebe mit jahrhundertelanger Geschichte. „Mit Blick auf die anhaltend hohen Produktionskosten und den Rückgang des Bierkonsums ist leider damit zu rechnen, dass die Zahl der Brauereien in Deutschland weiter abnehmen wird“, so Eichele. Als Wachstumsfeld nennt der Brauer-Bund alkoholfreie Biere. Ihr Marktanteil liege inzwischen bei mehr als 10 Prozent. In der amtlichen Biersteuerstatistik werden diese Mengen nicht erfasst.
Veltins sieht Strukturkrise
Auch die Brauerei Veltins wertet die Halbjahreszahlen als Ausdruck grundlegender Probleme der Brauwirtschaft. Dr. Volker Kuhl, Sprecher der Geschäftsführung, führt die Entwicklung vor allem auf sinkende Absatzmengen, steigende Produktionskosten, Konsumzurückhaltung und Überkapazitäten zurück. „Ein Blick auf die langfristige Entwicklung unterstreicht, dass der Biermarkt längst nicht mehr unter wetterbedingten Schwankungen leidet, sondern sich inmitten einer manifesten Strukturkrise befindet.“
Nach Angaben von Kuhl glichen die Zuwächse bei alkoholfreiem Bier im Handel im ersten Halbjahr lediglich 7,6 Prozent der Absatzverluste bei den übrigen Biersorten aus. Auch die Fußball-Weltmeisterschaft habe der Branche keine nennenswerten Absatzimpulse gebracht.
Veltins erwartet angesichts der Entwicklung eine beschleunigte Marktbereinigung. Während Großbrauereien mit einem Volumen von mehr als 500.000 Hektolitern unter mangelnder Kapazitätsauslastung litten, gerieten Kleinbrauereien in nahezu allen Regionen unter Ertragsdruck. „Das rasante Aufkommen von Schieflagen zeigt, dass vielerorts das Eigenkapital aufgezehrt ist“, sagt Kuhl.
Fünf Regionen im Plus
Regional zeigte sich im ersten Halbjahr ein überwiegend negatives Bild. Absatzsteigerungen meldeten die Brauereien aus Bayern (+1,6 Prozent), Berlin und Brandenburg (+0,8 Prozent), Rheinland-Pfalz und dem Saarland (+0,2 Prozent), Sachsen-Anhalt (+4,1 Prozent) sowie Thüringen (+11,2 Prozent).
Die stärksten Rückgänge im ersten Halbjahr verzeichneten die Brauereien aus Hessen (-36,8 Prozent) und Niedersachsen und Bremen (-18,3 Prozent). Deutlich unter dem Vorjahreswert blieben auch Schleswig-Holstein und Hamburg (-7,5 Prozent). Weitere Absatzverluste meldeten die Brauereien aus Baden-Württemberg (-2,7 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (-1,6 Prozent), Sachsen (-1,4 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (-0,6 Prozent).
In den Zahlen des Statistischen Bundesamts sind neben den in Deutschland produzierten Bieren auch aus der Europäischen Union importierte Biere enthalten. Alkoholfreie Biere und Malztrunk sowie aus Ländern außerhalb der EU eingeführtes Bier gehen dagegen nicht in die Statistik ein.
Aktualisiert am 31. Juli 2026: Der Beitrag wurde um Aussagen des Deutschen Brauer-Bunds ergänzt.























































































