Carlsberg Deutschland richtet sein Geschäft zunehmend auf eine Getränkewelt aus, in der sich Konsumgewohnheiten und Bedürfnisse verändern. Das Unternehmen will sich von der klassischen Brauereigruppe zu einem modernen Multi-Beverage-Unternehmen weiterentwickeln (wir berichteten). Im Interview mit Getränke News erklärt Anders Krantz, CEO von Carlsberg Deutschland, die Hintergründe.
Getränke News: Was ändert sich durch die neue Strategie und woran werden Handel und Gastronomie diese Veränderung konkret erkennen?
Krantz: Für Handel und Gastronomie wird diese Entwicklung ganz konkret sichtbar: durch mehr Innovationen, zusätzliche Getränkekategorien und ein insgesamt breiteres Angebot aus einer Hand. Beispiele sind die Einführung der Lümo von Lübzer als Einstieg in die Softdrink-Kategorie, der weitere Ausbau unseres alkoholfreien Angebots oder Innovationen bei Cidern und im Ausschank-Bereich. Gleichzeitig bleibt Bier das Herzstück unseres Geschäfts, hier wollen wir auch zukünftig eine wichtige Rolle im Markt spielen. Die Erweiterung unseres Portfolios ist deshalb kein Abschied vom Bier, sondern eine Ergänzung unseres Angebots für zusätzliche Konsumanlässe und Zielgruppen
Getränke News: Wie weit soll diese Transformation gehen? Welchen Anteil an Absatz oder Umsatz sollen alkoholfreie Biere, Cider, Ready-to-Drink-Produkte und Softdrinks künftig bei Carlsberg Deutschland ausmachen?
Krantz: Es geht nicht primär um einen fixen Zielwert, der einzelnen Produkten eine feste Rolle vorschreibt, sondern um ein ausgewogenes Portfolio. Entscheidend ist für uns, dass wir in denjenigen Kategorien wachsen, in denen wir langfristiges Potenzial sehen und unseren Kunden einen echten Mehrwert bieten können. Klar ist: Alkoholfreie Angebote, Cider, Softdrinks und weitere Getränke spielen eine immer wichtigere Rolle.
Bereits heute umfasst unser Portfolio eine breite Auswahl über die klassische Bierkategorie hinaus. Unser Anspruch ist aber nicht, Bier durch andere Kategorien zu ersetzen. Im Gegenteil: Wir wollen unsere starke Position im Biermarkt weiter ausbauen und gleichzeitig zusätzliche Wachstumschancen erschließen. Bier bleibt auch in Zukunft die wichtigste Säule unseres Geschäfts.
Getränke News: Der klassische Biermarkt bleibt schwierig. Welche Rolle soll Bier künftig innerhalb des Unternehmens spielen?
Krantz: Natürlich sehen wir die langfristigen Veränderungen im Biermarkt. Gleichzeitig entstehen damit aber auch attraktive Chancen in angrenzenden Kategorien sowie neue Konsumanlässe. Unsere Strategie ist daher keine kurzfristige Reaktion auf einzelne Marktbewegungen, sondern eine bewusste Entscheidung für die Zukunft. Unser Anspruch ist es, die sich verändernde Getränkewelt aktiv mitzugestalten. Deshalb investieren wir sowohl in unser Biergeschäft als auch in neue Wachstumsfelder. Bier bleibt dabei das Herz unseres Unternehmens, unserer Geschichte und unserer Markenwelt. Die Multi-Beverage-Strategie ergänzt unser Biergeschäft und stärkt es langfristig.
Getränke News: Bei Cider ist Carlsberg mit Somersby bereits etabliert. Gleichzeitig nennen Sie Ready-to-Drink-Produkte als eines Ihrer strategischen Wachstumsfelder. Was haben Sie in diesem Segment konkret vor?
Krantz: Ready-to-Drink-Produkte gehören zu den dynamischsten Kategorien im Getränkemarkt. Somersby zeigt, dass wir erfolgreich Kategorien entwickeln und langfristig etablieren können. Unsere Stärke als Brauerei und Getränkeanbieter bleibt dabei die Grundlage unseres Handelns. Grundsätzlich sehen wir RTDs jedoch als einen Baustein unseres zukünftigen Portfolios an. Neue Kategorien verstehen wir als sinnvolle Ergänzung zu unserem starken Bier- und Cidergeschäft. Konkrete Produktneuheiten kündigen wir wie gewohnt zum jeweiligen Marktstart an.
Getränke News: Carlsberg baut auch auf Konzernebene das Geschäft außerhalb des klassischen Biers deutlich aus. Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus konkret für Carlsberg Deutschland? Können wir beispielsweise mit weiteren Marken oder Getränkekategorien aus dem internationalen Portfolio rechnen?
Krantz: Als Teil der Carlsberg Gruppe profitieren wir von umfangreichen Erfahrungen in unterschiedlichen Getränkekategorien und Märkten weltweit. Dadurch erhalten wir frühzeitig Einblicke in neue Trends, Konsumentenbedürfnisse und Innovationsansätze. Gleichzeitig treffen wir unsere Entscheidungen immer mit Blick auf den deutschen Markt. Im Mittelpunkt steht für uns die Frage, welche Kategorien und Produkte für unsere Kunden und Konsumentinnen und Konsumenten in Deutschland attraktiv sind.
Entscheidend ist immer die lokale Bewertung, welche Chancen für den deutschen Markt sowie für Handel, Gastronomie, Konsumentinnen und Konsumenten tatsächlich relevant sind und einen echten Mehrwert schaffen. Neue Kategorien werden immer daran gemessen, wie gut sie unser bestehendes Portfolio ergänzen. Bier bleibt für uns die zentrale Kategorie und Ausgangspunkt unserer Marken- und Innovationsstrategie.
Getränke News: Woran wollen Sie in drei Jahren messen, ob die strategische Neuausrichtung von Carlsberg Deutschland erfolgreich war? Welche Kennzahlen oder Marktpositionen sind dabei für Sie entscheidend?
Krantz: Erfolg lässt sich nicht an einer einzelnen Kennzahl festmachen. Erfolgreich sind wir dann, wenn wir nachhaltig wachsen, unsere Profitabilität und Marken stärken, und mit unserem Portfolio für noch mehr Konsumanlässen sind relevant sind. Genauso wichtig wird sein, dass Handel und Gastronomie uns als starken Partner erleben, der ihnen attraktive Lösungen für unterschiedliche Konsumanlässe und nachhaltiges Wachstum bietet.
Und natürlich wollen wir unsere Position als eines der führenden Brauereiunternehmen Deutschlands weiter stärken. Wenn wir sagen können, dass wir sowohl im Biergeschäft als auch in neuen Kategorien erfolgreich gewachsen sind, dann ist unsere Strategie aufgegangen.

























































































