Die Brau Beviale öffnet sich stärker für alkoholfreie Getränke und neue Getränkekonzepte, ohne ihre Wurzeln im Brauwesen aufzugeben. Vanessa Kratzer, Head of Marketing bei Yontex, dem Veranstalter der Brau Beviale, erklärt im Interview mit Getränke News, welche Schwerpunkte die Messe setzt, was Besucher an einem Messetag erwarten können und wie sich die Brau Beviale künftig positionieren will.

Getränke News: Wie ist wenige Monate vor der Messe der aktuelle Stand der Vorbereitungen?
Kratzer: Wir liegen gut im Plan. Der Anmeldestand entwickelt sich erfreulich, die genauen Aussteller- und Länderzahlen geben wir traditionell näher am Messetermin bekannt, wenn sie belastbarer sind. Viel Dynamik sehen wir in Bereichen, die direkt mit der Weiterentwicklung von Getränkesortimenten verbunden sind, beispielsweise bei Prozess- und Produktionstechnik, Abfüllung und Verpackung, alkoholfreien und neuen Getränkekonzepten, Logistik und Automatisierung.
Getränke News: Reisezeiten und Messebudgets werden in vielen Unternehmen kritischer geprüft. Welchen konkreten Nutzen bietet die Messe einem Besucher, der nur einen Tag in Nürnberg einplanen kann?
Kratzer: Die Brau Beviale bringt die gesamte Getränkewertschöpfungskette kompakt zusammen. Ein Geschäftsführer kann an einem Tag sehr schnell ein Gefühl dafür bekommen, wo die Getränkewirtschaft steht und welche Investitionsthemen relevant werden.
Ein Produktionsverantwortlicher kann konkrete technische Lösungen vergleichen und mit Anbietern sprechen. Marketing und Vertrieb können in Formaten wie der Discovery Bar sehen, welche neuen Getränkeideen, Konsumanlässe und Produktpositionierungen entstehen. Der Nutzen liegt in dieser Kombination: Marktüberblick, konkrete Anbieter, Lösungen von heute für heute, persönliche Gespräche und Inspiration an einem Ort.
Getränke News: Unter dem Motto „All Beverages. One Future.“ öffnet sich die Messe noch stärker für alkoholfreie Getränke. Verliert Bier dadurch an Gewicht?
Kratzer: Bier verliert nichts, es bekommt Gesellschaft. Die Brau Beviale baut auf ihren starken Wurzeln im Brauwesen auf, öffnet den Blick aber für das, was in den Betrieben ohnehin längst passiert. Eine Umfrage unter unabhängigen europäischen Brauereien zeigt, dass 43 Prozent inzwischen mindestens ein Getränk außerhalb des Biers herstellen.
Softdrinks sind dabei die größte Kategorie. Alkoholfreies Bier gehört in vielen kleineren und mittleren Betrieben bereits zu den drei meistproduzierten Sorten. Wie lässt sich eine bestehende Anlage für ein zusätzliches Produkt nutzen? Welche Hefen und Verfahren braucht es? Was bedeutet das für Abfüllung und Logistik? Diese Fragen beantwortet die Brau Beviale für Brauereien genauso wie für Winzer und Softdrink-Hersteller.
Getränke News: Das Rahmenprogramm ist wieder sehr umfangreich. Welche Programmpunkte würden Sie einem Verantwortlichen aus der Produktion empfehlen, welche einem Marketing- oder Vertriebsverantwortlichen?
Kratzer: Wer aus der Produktion kommt, sollte die Main Stage und die Pilot Area in Halle 9 einplanen. Die Pilot Area zeigt Projekte, die heute schon laufen, etwa einen ultradynamischen Hochtemperatur-Wärmespeicher für Prozessdampf aus erneuerbaren Energien oder einen Multiplex-Schnelltest, der Verderbniserreger in fermentierten Getränken in unter einer Stunde vor Ort nachweist.
Dazu kommt die neue Focus Corner, in der maximal 30 Teilnehmende 90 Minuten lang mit den Referierenden an einem Thema arbeiten, unter anderem an einem Nachhaltigkeits-Assessment für Brauereien und an Logistikprozessen.
Für Marketing und Vertrieb ist die Discovery Bar in Halle 6 der naheliegende Startpunkt. Über 50 Getränke werden dort von denen ausgeschenkt, die sie entwickelt haben, mit klarem Schwerpunkt auf dem alkoholfreien Segment. Man sieht dort in kurzer Zeit, welche Produktideen gerade in den Markt drängen. Dazu passen die Keynotes, insbesondere Charles Banks von thefoodpeople, der zeigt, dass sich derzeit weniger das „Was“ als das „Warum“ des Konsums verschiebt, sowie die Podiumsdiskussion zur Zuckersteuer mit Blick auf Rezepturanpassungen, Verbraucherreaktionen und Preisgestaltung.
Am Mittwochabend kommen an der Discovery Bar von 17 bis 19 Uhr Getränkefachgroßhandel, Fachhandel und Lebensmitteleinzelhandel mit den neuen Herstellern zusammen.
Getränke News: Die Hallen 6 bis 12 sollen eine kompaktere Besucherführung ermöglichen. Wie würde Ihre persönliche Route für einen eintägigen Messebesuch aussehen?
Kratzer: Für einen eintägigen Besuch ist es sinnvoll, die Route entlang der Prozesskette zu planen. Wer über den Eingang West kommt, kann in Halle 12 bei Rohstoffen und Ingredients beginnen und sich von dort Schritt für Schritt durch die relevanten Angebotsbereiche bewegen: von Prozess- und Produktionstechnik über Abfüllung, Verpackung bis hin zu Logistik. Wer über den Eingang Ost kommt, steigt entsprechend auf der anderen Seite über Halle 7A ein und kann die Route in umgekehrter Richtung gehen.
Getränke News: Wo soll die Brau Beviale in fünf Jahren stehen, und wodurch wird sie sich dann von der Drinktec und anderen internationalen Getränkemessen unterscheiden?
Kratzer: Die Brau Beviale soll auch in fünf Jahren der zentrale europäische Treffpunkt für die Getränkewirtschaft sein: praxisnah, kompakt, nah an den Märkten und mit einem klaren Fokus auf umsetzbare Lösungen. Unser Anspruch ist nicht, die größte internationale Getränkemesse zu sein, sondern die Plattform, auf der Produzenten, Zulieferer und Partner sehr konkret darüber sprechen, was jetzt technologisch, wirtschaftlich und marktseitig möglich ist.
Der Unterschied liegt im Charakter. Die Brau Beviale ist eine Arbeitsmesse mit starkem europäischem Bezug, kurzen Wegen, hoher fachlicher Dichte und einem klaren Blick auf alle Getränke und die gemeinsame Zukunft der Branche.

























































































