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"Am Tag X mit null Liquidität"
Corona-Krise

„Am Tag X mit null Liquidität“

Die bundesweiten Gastronomieschließungen haben dramatische Folgen auch für den Getränkefachgroßhandel (GFGH). Seitdem sei der Absatz im Außer-Haus-Geschäft auf Null gefallen, das setze sich auch zum Fachhandel und dann in die Brauereien fort. „Es ist ein Dominoeffekt, was in der Branche passiert“, unterstreicht Dirk Reinsberg, geschäftsführender Vorstand des GFGH-Bundesverbands, im Gespräch mit Getränke News

Trotz aller Probleme solle die Branche aber jetzt schon „den Blick in die Zukunft richten“, wünscht sich der Verbandschef. Wann auch immer die Gastronomie wieder öffnen könne – die Situation werde dann stark verändert sein. „Momentan wird nur abgebucht. Die Kunden, die die Krise überlebt haben, stehen am Tag X mit null Liquidität da“, mahnt Reinsberg. Kurze Zahlungsziele würden dieser Situation nicht gerecht. „Wir werden das Miteinander für einen gewissen Zeitraum verändern müssen, bis es wieder läuft. Die Diskussion müssen wir jetzt schon führen.“

Branche steht in schweren Zeiten zusammen

Weil von der Krise alle Teile der Lieferkette betroffen sind, hat Reinsberg vor einigen Tagen an die Branche appelliert, die Lasten entsprechend zu teilen – und lobt jetzt, dass die verschiedenen Parteien in diesen schwierigen Zeiten weitgehend zusammenstehen. Als besonders „klares Signal der partnerschaftlichen Zusammenarbeit“ hebt der Verbandschef die Initiative der Brauerei Veltins hervor, die ihre Fachhandelspartner mit Gutschriften in Millionenhöhe unterstützt. Dafür könne er dem Unternehmen „nur Respekt zollen und hohe Anerkennung“, so Reinsberg.

Doch auch von anderen Herstellern kämen „mehrheitlich positive Signale“. Insgesamt engagiere sich die Industrie sehr vielfältig. Manche nähmen bereits ausgelieferte Ware zurück, andere verzichteten beispielsweise auf Pachtzahlungen. Vieles werde individuell und „im Dialog“ geregelt. „Initiative und Bereitschaft sind bei den meisten Unternehmen vorhanden“, fasst es Reinsberg erfreut zusammen. Wer jetzt Kritik übe, solle bedenken, dass nicht nur Gastronomie und GFGH zu leiden hätten, sondern auch die Industriepartner. Auch dort gebe es Kurzarbeit, Mitarbeiter würden nach Hause geschickt. „Alle stehen vor großen Herausforderungen, die Lasten müssen je nach Fähigkeit verteilt werden.“

Im Großhandel 45 Prozent „existenziell betroffen“

Wie schwer der Fachhandel betroffen ist, lässt sich laut Reinsberg schwer beziffern. Für eine erste Einschätzung verweist er auf eine aktuelle Untersuchung, für die der Dachverband des Groß- und Außenhandels BGA Mitte März über 670 Mitglieds-Unternehmen aller Zweige und Größen befragt hat. 96 Prozent der teilnehmenden Groß- und Außenhändler sowie B2B-Dienstleister gaben darin an, existenziell (45 Prozent) oder zumindest teilweise (51 Prozent) von der Viruskrise betroffen zu sein.

Laut Reinsberg steigt auch im GFGH die Zahl der Unternehmen, die ihre Mitarbeiter bitten, ihren Resturlaub zu nehmen, Kurzarbeit anmelden oder gar ihr Geschäft vorläufig schließen. Die vorübergehende Stilllegung von Lkws, um Steuern und Versicherung zu sparen, sei eine weitere Maßnahme, zu der viele Händler jetzt greifen würden.

Mittelstand geht teilweise leer aus

Zu begrüßen sei indessen, dass viele Bundesländer das Rettungspaket des Bundes inzwischen mit eigenen Hilfen ergänzt hätten, so dass vielerorts auch Unternehmen mit zehn bis 50 Mitarbeitern Soforthilfen in Anspruch nehmen könnten. Dies helfe auch vielen Gastronomiebetrieben, glaubt er.

„Kopfschmerzen“ bereite ihm allerdings, dass Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern nach heutigem Stand keine Soforthilfe erhielten. Sie könnten zurzeit nur über ihre Hausbanken KfW-Mittel beantragen. Da diese sich aber prozentual an dem entstehenden Risiko beteiligen müssten, gingen große Teile des Mittelstands leer aus. Zudem sei die auf fünf Jahre festgelegte Rückzahlungsfrist für viele zu kurz. „Wir brauchen Tilgungszeiten bis zehn Jahre“, appelliert Reinsberg an die Politik. Und die Risikobeteiligung der Hausbanken müsste auf maximal fünf Prozent reduziert werden, „dann würden die Hausbanken auch mitgehen“. 

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Corona-Krise

„Am Tag X mit null Liquidität“

Die bundesweiten Gastronomieschließungen haben dramatische Folgen auch für den Getränkefachgroßhandel (GFGH). Seitdem sei der Absatz im Außer-Haus-Geschäft auf Null gefallen, das setze sich auch zum Fachhandel und dann in die Brauereien fort. „Es ist ein Dominoeffekt, was in der Branche passiert“, unterstreicht Dirk Reinsberg, geschäftsführender Vorstand des GFGH-Bundesverbands, im Gespräch mit Getränke News

Trotz aller Probleme solle die Branche aber jetzt schon „den Blick in die Zukunft richten“, wünscht sich der Verbandschef. Wann auch immer die Gastronomie wieder öffnen könne – die Situation werde dann stark verändert sein. „Momentan wird nur abgebucht. Die Kunden, die die Krise überlebt haben, stehen am Tag X mit null Liquidität da“, mahnt Reinsberg. Kurze Zahlungsziele würden dieser Situation nicht gerecht. „Wir werden das Miteinander für einen gewissen Zeitraum verändern müssen, bis es wieder läuft. Die Diskussion müssen wir jetzt schon führen.“

Branche steht in schweren Zeiten zusammen

Weil von der Krise alle Teile der Lieferkette betroffen sind, hat Reinsberg vor einigen Tagen an die Branche appelliert, die Lasten entsprechend zu teilen – und lobt jetzt, dass die verschiedenen Parteien in diesen schwierigen Zeiten weitgehend zusammenstehen. Als besonders „klares Signal der partnerschaftlichen Zusammenarbeit“ hebt der Verbandschef die Initiative der Brauerei Veltins hervor, die ihre Fachhandelspartner mit Gutschriften in Millionenhöhe unterstützt. Dafür könne er dem Unternehmen „nur Respekt zollen und hohe Anerkennung“, so Reinsberg.

Doch auch von anderen Herstellern kämen „mehrheitlich positive Signale“. Insgesamt engagiere sich die Industrie sehr vielfältig. Manche nähmen bereits ausgelieferte Ware zurück, andere verzichteten beispielsweise auf Pachtzahlungen. Vieles werde individuell und „im Dialog“ geregelt. „Initiative und Bereitschaft sind bei den meisten Unternehmen vorhanden“, fasst es Reinsberg erfreut zusammen. Wer jetzt Kritik übe, solle bedenken, dass nicht nur Gastronomie und GFGH zu leiden hätten, sondern auch die Industriepartner. Auch dort gebe es Kurzarbeit, Mitarbeiter würden nach Hause geschickt. „Alle stehen vor großen Herausforderungen, die Lasten müssen je nach Fähigkeit verteilt werden.“

Im Großhandel 45 Prozent „existenziell betroffen“

Wie schwer der Fachhandel betroffen ist, lässt sich laut Reinsberg schwer beziffern. Für eine erste Einschätzung verweist er auf eine aktuelle Untersuchung, für die der Dachverband des Groß- und Außenhandels BGA Mitte März über 670 Mitglieds-Unternehmen aller Zweige und Größen befragt hat. 96 Prozent der teilnehmenden Groß- und Außenhändler sowie B2B-Dienstleister gaben darin an, existenziell (45 Prozent) oder zumindest teilweise (51 Prozent) von der Viruskrise betroffen zu sein.

Laut Reinsberg steigt auch im GFGH die Zahl der Unternehmen, die ihre Mitarbeiter bitten, ihren Resturlaub zu nehmen, Kurzarbeit anmelden oder gar ihr Geschäft vorläufig schließen. Die vorübergehende Stilllegung von Lkws, um Steuern und Versicherung zu sparen, sei eine weitere Maßnahme, zu der viele Händler jetzt greifen würden.

Mittelstand geht teilweise leer aus

Zu begrüßen sei indessen, dass viele Bundesländer das Rettungspaket des Bundes inzwischen mit eigenen Hilfen ergänzt hätten, so dass vielerorts auch Unternehmen mit zehn bis 50 Mitarbeitern Soforthilfen in Anspruch nehmen könnten. Dies helfe auch vielen Gastronomiebetrieben, glaubt er.

„Kopfschmerzen“ bereite ihm allerdings, dass Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern nach heutigem Stand keine Soforthilfe erhielten. Sie könnten zurzeit nur über ihre Hausbanken KfW-Mittel beantragen. Da diese sich aber prozentual an dem entstehenden Risiko beteiligen müssten, gingen große Teile des Mittelstands leer aus. Zudem sei die auf fünf Jahre festgelegte Rückzahlungsfrist für viele zu kurz. „Wir brauchen Tilgungszeiten bis zehn Jahre“, appelliert Reinsberg an die Politik. Und die Risikobeteiligung der Hausbanken müsste auf maximal fünf Prozent reduziert werden, „dann würden die Hausbanken auch mitgehen“. 

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